Donnerstag, 18. September 2008

Die Riesenchance Text-Praktikum wird verkannt.

Es wird nichts von dir erwartet, aber du kannst alles erreichen.

Du fängst als Nobody mit 0 bis 400 Euro an und wirst als Junior Texter mit 1.800 bis 2.300 Euro im Monat übernommen.

Du hast noch nie vom ADC gehört und stehst plötzlich in seinem nächsten Jahrbuch.

Du beginnst allein an einem Schreibtisch in der Ecke und bekommst ein eigenes Zimmer mit einen Art Partner.

Du kennst kaum die Namen aller guten Agenturen und plötzlich rufen die Personaltanten dieser Agenturen bei Dir an.

Nach nur 6 Monaten. Auch ohne Abitur. Auch ohne Ausbildung.

Vom Tellerwäscher zum Löwenbesitzer. In welcher anderen Branche gibt es das?

Zugegeben, wenn das alles in so kurzer Zeit passiert, musst du schon ein großes Talent haben und ebenso glückliche Umstände vorfinden.

Aber wenn du mit Worten intelligent umzugehen verstehst und ungewöhnliche Ideen zu entwickeln weisst, wenn du Ehrgeiz hast und nicht gleich um 18h den Stift fallen lässt, dann ist der Job des Werbetexters weit wahrscheinlicher als dass der FC St. Pauli in den nächsten 10 Jahren in die 1. Bundesliga aufsteigt.

Es herrscht ein Mangel an guten Textern in den Agenturen. Nutze diese Situation für dich aus.

Die meisten Agentuen bieten Text-Praktikas an, weil sie auf der verzweifelten Suche nach Talenten hoffen, über diesen Weg immer mal wieder einen ungeschliffenen Diamanten zu entdecken.

Ganz klar, Praktikanten sind auch günstige Arbeitskräfte für die Agenturen. Aber ich denke, über 6 Monate ist das ein fairer Deal: Du kannst dich auf realen Briefings beweisen. Und die Agentur hat jemanden, der auch die ungeliebten Jobs mal wegtextet.

Jedes Briefing ist deine Chance zu zeigen, dass du ungewöhnliche Ideen hast.

Selbst wenn sie nie in die engere Wahl kommen sollten, ein guter Creative Director spürt, was in dir steckt. Er wird dich fördern und gegebenenfalls übernehmen.

Viele Praktikanten nutzen ihr Praktikum nicht, um sich mit den Agentur-Kollegen – auch den unangenehmen, fordernden, nörgelndenen – auseinander zu setzen.

Zu viele hängen sich nicht richtig rein, sie wollen „erst mal sehen“.

Was sehen? Schreiben! Denken! Üben! So viel du kannst.

Lass es laufen

Ein Fußballtalent wird kein Star ohne Laufarbeit. So ist das auch beim Texten.

Gute Ideen zu finden erfordert Willen, Disziplin und Stehvermögen. Und es erfordert die permanente Auseinandersetzung mit der kreativen Meßlatte.

Stell dir die Frage: warum sind die richtig guten Ideen richtig gute Ideen?

Selbst wenn du während eines Praktikums häufig damit beschäftigt bist, viele lästige Pflichtjobs zu bewältigen, so hast du doch die Chance, die Aufgaben und Spielregeln dieser Arbeit intensiv kennen zu lernen und dir eine Meinung zu bilden, wo es mit dir hin gehen soll.

Konzepttexter und Medaillen oder Katalogtexter und Geld.

6 Monate sind keine Ewigkeit.

Nutze diese Zeit, um deine Mappe zu verbessern. Lass dir deine besten Ideen von den Grafikern und Art Directoren visualisieren. Scribbels, Layouts, Illustrationen. Natürlich nicht jeden Tag und jede Stunde, sondern im richtigen Augenblick.

Orientiere dich an herausragender Werbung (z.B. in den von mir genannten Quellen – Beitrag vom 16.9.2008) und versuche, dich davon inspirieren zu lassen.

Inspirieren heißt aber nicht kopieren. Wer nur kopiertes Zeug in der Mappe hat, fliegt bald wieder. Im Job entlarvt man Leute schnell, die nur Alibi-Kreative sind.

Tipp 14: Absolviere kein Text-Praktikum, sondern häng dich voll rein.




Das ist eine der aktuell erfolgreichsten kreativen Arbeiten aus Deutschland.

Ein Spot für Windenergie von der Agentur
Nordpol. Er hat bei allen nationalen und internationalen Wettbewerben abgeräumt.

Es scheint zwar, dass es sich um eine scam-ad handelt (erst entwickelt die Agentur eine Idee, dann sucht sie einen Kunden – zum Zweck der Selbstvermarktung).


Das tut der Qualität der Idee aber keinen Abbruch. Und ist für dich eine gute Meßlatte.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Eigentlich sogar: Bruder eines Argenturinhabers dreht mit seinem Viking Collective einen Film. Der Agenturinhaber-Bruder findet den toll und sucht dann einen Kunden.

Das ist zwar als Meßlatte durchaus richtig und schön, ist aber dadurch auch ein Auslöser dafür, dass deutsche Werbung größtenteils so beschissen ist.

Als Junior lernt man, dass es eigentlich egal ist, was man auf Kunden macht und nur gucken muss ab und zu Scams zu produzieren und damit dann zu gewinnen.

Das wird auch noch eine Zeit lang gut gehen, aber in England und den USA produziert man solche genialen Arbeiten für Kunden und hat deshalb ein großes Budget mit dem sich nicht nur das Ideen sondern PRoduktionsniveau schon hochhalten lässt. Und mit unseren Gold-Produktinos-Budgets können wir irgendwann nicht mehr so toll mithalten wie noch zurzeit.

Der Suchende. hat gesagt…

Ich verstehe, dass du bei diesem Kommentar anonym bleiben willst.

Aber danke für die Bestätigung.

Ich finde es akzeptabel, dass Agenturen sich über Scam-Ads vermarkten, aber es ist widerlich scheinheilig, wenn sie so tun, als wäre das alles auf einem realen Briefing entstanden.

Ich plädiere hiermit für ehrlichen Scam!

(Ist das schön paradox).

Im übrigen sehe ich das genau so wie du, mit der Scam-Bewegung in der Werbung, irgendwann schiessen wir uns damit richtig ins Knie.

Ich finde es absurd, wenn man als seriöse Agentur bei einem Kammerjäger anruft, um ihm eine Kampagne samt Schaltung zu schenken und er antwortet, dass er gerade noch ein paar Kampagnen von Jung von Matt, Scholz & Friends und Springer + Jacoby vor sich liegen hätte – und sich jetzt in Ruhe die beste aussuchen würde.

Real passiert. Vor 5 Jahren.
Zur besten ADC Einsendezeit.

In der Tat, unsere englischen Kreativkollegen schütteln über dieses verzweifelte Scam-Ad-Marketing nur den Kopf.

Denen ist das Fairplay wohl immer noch nicht aus der DNA gerutscht.

SiegtnieWillaber hat gesagt…

Um die Kommentarebene von diesem "Scam-Spot" zurück zur eigentlichen Aussage des Blogs zu führen, möchte ich meine persönlich-wichtigste Frage so unverschämt nackig in den Raum stellen. Mein Problem bezüglich der Entscheidung: jung + Idee hier und dort- Bock auf Werbetexter? ist: kann ich das überhaupt? Ist das, was ich an Ideen zu ganz konkreten Problemstellungen liefern kann, eben das, was als kreativ so evaistisch daherkommt? Diese Fragen können nur Präpraktikanten stellen, alle anderen konnten sie sich selbst beantworten. Was den Wert dieser Frage nicht mindern darf.

Der Suchende. hat gesagt…

Hi, ob du zum Werbetexter/Kreativen taugst, findest du nur raus, wenn du den ein oder anderen Copytest bearbeitest und merkst, ob dir das Spaß macht.

Und wenn es dir Spaß machst, dann die Arbeiten an Agenturen schickst und dich für ein Praktikum bewirbst.

Ob du dann mit den Reaktionen umgehen kannst, zurück ins Kämmerlein gehst und neu denken kannst (und nicht getroffen und frustriert bist), das wird ein Schlüsselerlebnis für deine Zukunft sein.

Vor dem Preis kommt der Fleiß. Auch in der Werbung. Den kannst du nur selbst entwickeln.

Und jetzt hau rein!

Marc hat gesagt…

Hallo

ich habe im Prinzip die gleiche Frage wie der Kollege vor mir. Momentan sitze ich hier mit einem abgeschlossenen Studium (Medienwissenschaften BA). Dass kreativ Arbeiten will ist mir schon länger klar. In der Vergangenheit habe ich zwei Copytests bearbeitet zu welchen ich leider nie Feedback bekam. Einer ist leider verschollen, da meine Festplatte sich verabschiedet hat. Der andere ist noch da und liegt so rum. Mit Bezug auf den Namen dieses Blogs ist daher meine Frage ob der Suchende sich das ganze einmal anschauen würde und mir sagt, ob ich mir Potential nur andichte, oder wirklich welches vorhanden ist.

Beste Grüße

Stefan Zschaler hat gesagt…

@Marc: Wie du den Datum entnimmst, ist der Beitrag rund 7 Jahre alt. Und der Blog ruht seit rund 1 Jahr. Dennoch biete ich dir an, mal einen Blick über deinen Copytest zu werfen. Schick ihn an jobs@ldhh.de und zu meinen Händen. Gruß Stefan

Marc hat gesagt…

Schade, dass er ruht. Ist ein sehr guter Blog.

Vielen Dank für die Antwort. Ich schicke den Test gleich ab.

Beste Grüße