Samstag, 5. September 2009

Der erste Wettbewerb gegen Fake Ads.

Der amerikanische OneClub, mit seiner OneShow nach Cannes und D+AD der weltweit renommierteste Kreativwettbewerb, hat den Kampf gegen Fake Ads in die nächste Phase geführt.

In einem Statement auf seiner Website verkündet der President des Clubs, dass jeder Einsender, der eine Arbeit für einen nicht existierenden Kunden oder eine Arbeit ohne Kundenerlaubnis einschickt, mit 5 Jahren Ausschluß bestraft wird.

Der Ausschluß trifft nicht nur die Agentur, sondern auch die in den Credits stehenden Beteiligten.

Falls also ein Kreativer in den folgenden 5 Jahren die Agentur wechselt und auf anderen Kunden mit seinem Team auszeichnungswürdige Werbung entwickelt, aber das Team diese nicht einschicken kann, wird es richtig dramatisch.

Stellt euch nur vor, dass in Zukunft bei einem Bewerbungsgespräch ein Einstellungskriterium sein kann, ob ein Kreativer bei renommierten Wettbewerben verbrannt ist oder nicht.

Weiter heisst es in dem Statement:

Eine Agentur, die ein Werbemittel für einen existierenden Kunden einmal selbst geschaltet hat, um es einschicken zu können, wird mit 3 Jahren Verbannung bestraft.

Der OneClub definiert Fake Ads wie folgt: Anzeigen, die für nicht existierende Kunden enwickelt und/oder ohne Genehmigung des Kunden geschaltet wurden. Oder Anzeigen, die ausschließlich für Kreativwettbewerbe gemacht sind und nur einmal geschaltet werden, um die Einsendebedingungen zu erfüllen.

Natürlich muss in Einzelfällen diskutiert werden, ob Kunden extra für einen bestimmten Event einen Einzelmeister in Auftrag gegeben haben, der dann auch nur einmal geschaltet wurde (z.B. eine Anzeige in einem Programmheft für einen Event, den es nur einmal im Jahr gibt).

Der OneClub behält sich daher das Recht vor, diese Präzedenzfälle zu prüfen.

Das Fass zum Überlaufen brachte ein Motiv von DDB Brazil für den WWF.

Das Motiv „Tsunami“ hat wohl auch in der Kommunikationsbranche einen solchen ausgelöst, weil es nur einmal irgendwo in einem brasilianischen Käseblatt ohne Einverständnis des Kunden geschaltet wurde.

Ich finde, dass dieser Schritt mutig und richtungsweisend ist.

Mutig, weil er den Einsende-Erlös für den OneClub verringern wird. Richtungsweisend, weil er die Glaubwürdigkeit der Branche wieder herstellen kann.

Deshalb folgt die entscheidende Textpassage am Ende des Präsidenten-Statements:

Der OneClub fordert andere Wettbewerbe auf, sich dieser Regelung anzuschliessen. Er wird ausserdem eine Initiative gründen, um Agenturen, Kreative und Kunden für den Kampf gegen „Fakes“ zu sensibilisieren.

ADC: bitte folgen.

(Weitere Beiträge zum Thema Fake: Hier, hier, hier und hier).




Fake-Motiv "Tsunami" von DDB Brazil für den WWF.

Kommentare:

Fabian hat gesagt…

Hab sogar gelesen, dass WWF DDB Brazil wegen unerlaubter Benutzung des Logos verklagen will. Auch witzig: DDB Brazil meinte irgendwie zunächst, dass wäre nicht von denen gewesen ist, sondern ein paar Idioten, bis heraus kam, dass DDB Brazil es nach Cannes geschickt hat.
Oh man.

Jetzt müssen Scholz und co. sich aber ganz genau überlegen, wo sie einsenden.

Marc hat gesagt…

Das Problem ist nicht, Fakes abzustrafen, sondern sie (rechts-) sicher zu definieren und zu erkennen. Das ist wie mit der Steuergesetzgebung: Für jede Lücke, die man schließt, finden die Betrüger irgendwo eine neue. Denn ganz ehrlich: Wer ist denn noch so doof und schaltet ohne Erlaubnis des Kunden eine Anzeige oder reicht etwas ein, das gar nicht geschaltet wurde? Oder, ganz absurd, macht eine Kampagne für einen Kunden, den es gar nicht gibt? Da ist man doch heute viel subtiler. Der Vorstoß des One Club hat eine gute Außenwirkung, zielt aber am eigentlichen Problem vorbei.

Anonym hat gesagt…

Ein Versuch ist es wert und die Strafe ist meiner Meinung schon Abschreckung genug für d ganzen Deppen die es versuchen

ich würde noch ergänzen das man den Titel auch noch im Nachhinein aberkannt bekommen kann. Und falls man dann selber merkt da ist was faul ist man meist auch nie alleine

Teo hat gesagt…

Na, dann! Ich jedenfalls werde die wunderbaren Printarbeiten aus Südamerika und Südostasien, die unglaublich lustigen Filme aus New York und die brillanten deutschen Mailings wirklich vermissen.
Man, man, lasst den Leuten doch ihren Spaß! Ihr müsst sie doch nicht honorieren, ihr könnt die Leute gerne scheiße finden, euch in den Blogs das Maul über sie zerreißen. Aber die Kreativen, die wirklich für Spaß und Freude sorgen mit ihren Arbeiten, sind genau die, die gerade verbannt werden – und nicht die, die hier ihre Kommentare abgeben.
Kann mir jemand sagen, warum ihr es so schlimm findet, dass es Agenturen gibt, die 100.000$ oder mehr dafür ausgeben, bei Wettbewerben etwas zu gewinnen? Keiner zwingt euch da mitzumachen! Macht euch doch das Leben nicht so schwer. Macht lieber eure Arbeit so, wie ihr es richtig findet. Und lasst die Leute doch nachts ihre Sonderideen schrubben, während ihr im Bett liegt und von einer besseren Welt träumt!
Ich will nicht das Sprichwort mit den zu hoch hängenden Trauben bemühen, die dann als zu sauer abgekanzelt werden. Aber manchmal hab ich wirklich das Gefühl, dass da was dran zu sein scheint.

SZ hat gesagt…

@Teo: Die Tour de France war einstmals ein hoch angesehener Sportwettbewerb. Durch das Doping hat der Wettbewerb viel Glaubwürdigkeit bei den Zuschauern verloren. Man weiß, dass einige immer noch dopen und andere nicht. Das macht die TdF einfach nicht mehr so attraktiv. Unsere Zuschauer sind die Kunden. Sie wissen inzwischen auch, dass bei Kreativwettbewerben gedopt wird. Denn immer noch betreiben viele Agenturen einen immensen Aufwand, um Fake-Ideen nicht als Fake-Ideen erscheinen zu lassen. Und so fliegen manche gute Fake-Ideen raus, weil sie als Fake entlarvt wurden. Während andere drin bleiben, die es cleverer angestellt haben. Das ist einfach keine gerechte und spannende Ausgangsbasis mehr. Wenn man deinen Ansatz konsequent zu Ende denkt, sollte man einfach alle Ideen zulassen. Egal ob erschienen oder nicht. Mit diesem Anspruch würden wir es tatsächlich schaffen, dass Agenturen in kurzer Zeit obsolet werden und Unternehmensberatungen unsere Arbeit übernehmen. Denn die kümmern sich um die ernsthaften kreativen Business-Ideen. Das kann nicht das Ziel von Wettbewerben sein, die erfolgreiche kreative Werbung auszeichnen wollen.

chris hat gesagt…

Der Vergleich mit der Tour hinkt.
Ich kann es zwar nicht 100%ig wiedergeben (bitte berichtigen falls falsch) aber meines Wissens wurde dieses Jahr die Nada massiv behindert oder nicht eingebunden. Und von Wem? Von Veranstalter. Und warum? Weil die geschnallt haben, dass sie enorme Verluste im Hinblick auf Finanzen und Glaubwürdigkeit erlitten haben. So wahrt man dann lieber den Schein, als sich selbst ins Fleisch zu schneiden.
Das lässt sich auch auf die Festivals übertragen. Auf dauer würde einfach das kreative Produkt und wie Teo sagt der Spaß auf der Strecke bleiben. Also ich bin nach wie vor für Fakes (solange nicht der Kunde übergangen oder erfunden wird) denn eine Idee ist immer real, ob sie jetzt 1 Mio oder 1 mal geschalten wird.

Festzuhalten sei auch, dass es sich um Award-Shows handelt und Shows sind nunmal Shows. Definition: Eine Show ist ein Ereignis mit Unterhaltungs-, zum Teil auch mit Informationscharakter.

Hier auf dem Land nennt man das auch Leistungs- oder Werkschau. Unternehmen zeigen was Sie können. Dort würde auch niemandem einem Schreiner oder Achitekten irgendwas vorwerfen, wenn der für Mercedes oder Weissderkuckuck einen Entwurf oder einen Stuhl präsentiert.

SZ hat gesagt…

@chris: Kommt drauf an, wie man Spaß definiert. Mir persönlich würde es einfach mehr Spaß machen, wenn ich mir sicher sein kann, dass bei einem Wettbewerb ausschließlich reale Arbeiten (Kunde sucht Idee für reale Problemlösung) ausgezeichnet würden statt gegen die Masse von Goldideen (Idee mit sucht ausgedachter Problemlösung sucht Kunde) zu konkurrieren.
Sind einfach zwei verschiedene Qualitätslevel. Aber vielleicht bin ich da zu altmodisch.

MissPitchBitch hat gesagt…

Exakt so sehe ich das auch. Ist Haute Couture denn nicht auch fake? Oder wird der Zuckerbäckerstil der Pariser Edelschneider wirklich auf der Straße getragen? Nein. Und dennoch ist es eine Leistungsschau. Es wird gezeigt, was möglich ist, was möglich sein kann. Würde man alle Kreationen für die Haute Couture Shows unter dem Aspekt der Tragbarkeit und Straßentauglichkeit betrachten, wäre dies das Ende der Haute Couture. Und genau so verhällt es sich auch mit den Awardshows der Werbebranche. Oder habe ich da was falsch verstanden?

chris hat gesagt…

@sz
natürlich ist das auszeichnungswürdiger und es wird auch ausgezeichnet - Branchenintern. Das einzige ist: es gibt keine reale Auszeichnung dafür. Aber reicht nicht bereits die Gewissheit mehr geleistet zu haben und die Hochachtung der Kollegen?

Idee sucht Kunde geht mir als Junior auch gehörig auf den Keks, aber andersrum rennt man da täglich gegen Windmühlen bestehend aus CDs und Beratern wenn man mal mit etwas neuem oder innovativem ankommt, ein jeder hat mehr Angst, weil das Projekt ja 'echt' und 'superwichtig' ist. Da bleibt dann meistens der Spaß auf der Strecke. Eine Lösung dafür habe ich leider noch nicht gefunden.

Genausowenig wie für das Award-Problem. Vielleicht könnte man ja wie beim D&AD die Kategorien nach Schaltung einteilen, finde ich aber wenig Sinnvoll oder nach Relevanz wie auch immer das gehen mag. Aber am besten man lässt es so und beurteilt die Stärke der Idee.

milchsaeure hat gesagt…

Den Academy Award vulgo Oscar gibt es auch nur für reale Filme und nicht für Heimkino.

Den Nobelpreis gibt es nur für echte Forschungsergebnisse und nicht für vorgetäuschte.

Den WM-Pokal bekommt man nur, wenn man mehr echte Tore geschossen hat, als die anderen und Boxchampion wird man, wenn man den anderen K.O. schlägt und nicht, weil man die bessere Beinarbeit hat.

Werbung interessiert aber ohnehin nur Werber.

Anonym hat gesagt…

Das Problem an Fake-Einreichungen ist, dass Agenturen die real produzierte Arbeiten einreichen keine Chance gegen die Fake-Arbeiten haben, trotzdem aber viel Geld ausgeben. Das treibt sie dann irgendwann dazu ebenfalls das falsche Spiel mitzuspielen. Ich meine beim ADC werden Online Banner als Fake eingereicht die niemals hätten geschaltet werden können, da das Internet sich ständig aufhängen würde. Aber...hat beim ADC angesahnt. Klar können sich die Kreativen da nicht austoben, aber man sollte bei der Realität bleiben. Oder die Kunden dazu antreiben tatsächlich mal was zu wagen und kreative Werbung produzieren zu lassen.