Resümees, Rankings, Rückblicke – die letzten Wochen sind voll davon und ich erspar mir so etwas an dieser Stelle.
Die rasante Entwicklung von Facebook und Twitter hat dazu geführt, dass man bei jedem Besuch seiner Social-Network-Startseite das Neueste vom Neuen um die Ohren gehauen bekommt. Meine Abwehrhaltung gegen diese Pseudo-Uptodate-Informanten fängt an, sich zu entwickeln.
Irgendwie zuviel von allem. Immer und immer wiedergekäut
Dennoch sollte sich jeder Kreative in diesen Tagen selbst die Frage stellen, welches Stück Werbung in dieser Lawine von Kreation, unter der man das ganze letzte Jahr begraben wurde, ganz oben schwimmen konnte?
Welche Kampagne oder welche Idee in Deutschland wird man auch im neuen Jahr noch erinnern?
Dabei sollte man nicht die ganzen Awardshows und Online-Archive durchgehen, sondern sich einfach an die Werbung für eine Marke zu erinnern versuchen, der man in seinem täglichen Leben auch wirklich begegnet ist. Die einem im Netz oder im Werbeblock ins Auge sprang.
Da fällt mir persönlich nur eine Kampagne ein. Eine Kampagne, bei der es ob ihrer Erfolge über die letzten Jahre fast schon langweilig ist, sie zu zitieren. Eine Kampagne, die immer wieder überraschende Wendungen nimmt. Und die wahrhaftig existent ist: Hornbach.
Was in meinem total überfüllten Kopf aus dem Jahr 2009 bleibt, sind nackte alte Männer, die auf einer Straße tanzen.
Großartig.
Wer sich nun wirklich ernsthaft fragt, wie gute Werbung funktioniert, der sollte sich Hornbach als ein Vorbild nehmen. Denn das ist eine Marke, die seit mehreren Jahren immer wieder überraschend wie relevant auftritt, innovativ ist und es dadurch schafft, im Kopf zu bleiben.
Viele Verbraucher werden sich über die Jahre nicht einzelne Spots merken, aber sie werden abspeichern, dass sie Hornbach sympathisch finden und eine neue, positive Wahrnehmung der Handelsmarke entwickeln.
Als ich vor einigen Wochen einen Arzt besuchte (muss auch mal sein), den ich noch nicht kannte, fragte er mich, was ich arbeite und in der Folge, für welche Kunden ich Werbung mache. Auf Skoda reagierte er so: "Ach, die machen ja ganz lustige Werbung. Das ist mir aufgefallen".
Nicht, dass er sich an einzelne Spots hätte erinnern können, aber er hatte ein positives Grundgefühl der Marke gegenüber entwickelt.
Hier sind wir an einem ganz entscheidenden Punkt, den leider viele Marketingspezialisten wie Kreative gerne vernachlässigen: einzelne Highlights zu schaffen ist ein Anfang, der sich nicht auszahlt, wenn danach nichts Vergleichbares folgt.
Die Wahrnehmungsveränderung einer Marke (und damit der beabsichtigte "Return on Investment") erreicht man nur, wenn über einen längeren Zeitraum eine Strategie konstant verfolgt und immer wieder kreativ inszeniert wird.
Was zu einem Schlagwort von Umweltschützern geworden ist, sollten auch Kreativen und Marketingexperten für sich entdecken:
Nachhaltigkeit.
Goldideen liefern das eben leider nicht.
In diesem Sinne – ein weiteres Mal – ein großes Kompliment an die Kollegen der Agentur Heimat.
Verbunden mit einem RIP für Jürgen Vossen.
TV-Spot „Hymne“ für Hornbach von der Agentur Heimat, Berlin.
Dienstag, 29. Dezember 2009
Donnerstag, 24. Dezember 2009
Mittwoch, 23. Dezember 2009
Was Praktisches zu Weihnachten. Teil 2.
Die Fortsetzung meines Beitrages von gestern. Texter-Tipps für das Schreiben von Präsentationen, Büchleins, TV-Treatments und e-mails an Kunden:
4. Abwechslungsreich statt wiederholend.
Beispiel: Wir machen eine rhythmische Musik, zu der ausgewählte Darsteller Tanzbewegungen machen.
Besser: Es spielt eine rhythmische Musik. Ausgewählte Darsteller tanzen im Takt.
5. Überschriften nicht im Copyeinstieg wiederholen.
Beispiel: (Überschrift:) Die Microsite: "Orginalteile". (Erster Satz:) Auf der Microsite www.skoda-orginalteile.de zeigen wir alle unsere Kampagnen-Filme.
Besser: (Überschrift:) Microsite "Originalteile". (Erster Satz:) Unter www.skoda-originalteile.de präsentieren wir alle Filme der Kampagne.
6. Claim nicht zum Konzeptnamen machen.
Beispiel: Das Konzept "Originalteile bestimmen dein Schicksal".
Besser: Konzept "Täuschung".
(Man verrät manchmal schon durch den Konzeptnamen zu viel. Kurze Namen kann man sich zudem besser merken).
7. Der, die, das – nicht so übertrieben einsetzen.
Beispiel: Das Konzept "Rallyefahrer". Oder: Die Idee: "Fremdschämer".
Besser: Konzept "Rallyefahrer". Oder: Idee "Fremdschämer".
(Das Konzept. Die Idee. Das Ziel. Wirkt in Büchleins so überpointiert.)
8. Präzisere Worte oder Vergleiche wählen.
Beispiel 1: Wir machen eine Parodie.
Besser: Wir inszenieren eine Parodie.
Beispiel 2: Die dicke nimmt die hagere Frau in den Schwitzkasten. Beide
raufen sich.
Besser: Die dicke nimmt die hagere Frau in den Schwitzkasten. Eine Szene wie auf dem Schulhof.
Beispiel 3: Ein Mann schleudert eine Tragetasche im Kreis um sich.
Besser: Ein Mann wirbelt eine Tragetasche wie ein Hammerwerfer um sich.
9. Verbrüderungen vermeiden.
Beispiel: In einem Skoda Superb auf einer Straßenkreuzung bei strömenden Regen. Wir halten und plötzlich klopft es an der hinteren Tür.
Besser: Es regnet in Strömen. Ein Skoda Superb hält auf einer Straßenkreuzung. Plötzlich klopft es an der hinteren Tür. Der Fahrer zuckt zusammen.
("Wir halten, wir befinden uns, wir gehen, wir erkennen in, etc." – wirkt in Filmskripten aber auch in Büchlein manchmal etwas anbiedernd. Genauso wie Formulierungen "Wir zeigen unsere TV-Filme".
10. Slang- oder Fremdwörter nur, wenn sie zur Idee gehören.
Beispiel 1: Er entdeckt den Wagen und findet ihn super.
Besser: Er entdeckt den Wagen und findet ihn einzigartig.
Beispiel 2: Dieses Thema werden wir sukzessive ausarbeiten.
Besser: Dieses Thema werden wir schrittweise ausarbeiten.
Beispiel 3: Das Promotion-Team hat einen mit unserem Logo gebrandeten Overall an.
Besser: Das Promotion-Team trägt einen Overall mit Logo.
Ausnahmen bestätigen die Regel: Diese Tipps solltest du beim Schreiben von Konzepten oder Treatments verinnerlichen, aber natürlich nicht dogmatisch anwenden.
Es gibt sicher Texte, da kannst du die Tipps vergessen. Doch es hilft dem
Verkaufen von Ideen, wenn du einfach bleibst.
Einfach heisst möglichst kurz, möglichst präzise und möglichst verständlich.
Es ist wahrlich mühsamer, mehrere kurze Sätze aus einem langen Gedankenbandwurm zu bilden, den man gerade passend im Kopf hat.
Aber es lohnt sich.
Dienstag, 22. Dezember 2009
Was Praktisches zu Weihnachten. Teil 1.
Unter Zeitdruck passiert es häufig, dass man die Worte für die Beschreibung von Strategien oder Konzepten so wählt, wie sie einem gerade in den Sinn kommen. Nur damit etwas da steht.
Einen Tag später in der Präsentation oder beim Vortrag merkt man dann, dass das Geschriebene sehr umständlich klingt. Oder gar schwer verständlich ist.
Neulich habe ich ein paar Tipps zusammengestellt, wie wir unsere Texte in Präsentationen, Büchleins, TV-Treatments oder auch in e-Mails präziser gestalten können.
Neulich habe ich ein paar Tipps zusammengestellt, wie wir unsere Texte in Präsentationen, Büchleins, TV-Treatments oder auch in e-Mails präziser gestalten können.
Um an Weihnachten nicht ohne Geschenk für die treuen Leser dieses Blogs dazustehen, will ich diese Tipps gerne weitergeben.
Hier die ersten 3 Tipps:
Beispiel 1: In die Fussgängerzonen aller großen Städte schicken wir ein Promo-Team mit Logo-Overalls herum und verteilen Flyer, auf denen unser Aktionsmotto "Es lebe die Präzision" auf der Rückseite steht.
Besser: Wir schicken ein Promotion-Team in Fussgängerzonen großer Städte. Sie tragen Overalls mit unserem Logo. Die Teams verteilen Flyer. Auf der Rückseite der Flyer steht unser Motto: "Es lebe die Präzision".
Beispiel 2: Als er zurückkommt und die Fahrertür öffnet, sitzt da plötzlich ein langhaariger Rocker-Freak auf dem Beifahrersitz und nickt mit dem Kopf wie auf einem Rockkonzert zu lauter Musik.
Besser: Der Mann kommt zurück. Er öffnet die Fahrertüre. Ein Rocker-Freak sitzt plötzlich auf seinem Beifahrersitz. Der Freak nickt mit dem Kopf zu lauter Musik als wäre er auf einem Rockkonzert.
2. Sätze mit "Subjekt-Prädikat-Objekt" beginnen statt mit anderen nebensächlichen Satzteilen.
Beispiel 1: Außerhalb grosser Städte lassen wir Plakat-LKWs mit unseren Motiven rumfahren.
Besser: Wir lassen LKWs mit Plakaten ausserhalb großer Städte herumfahren.
Beispiel 2: Um die Präsenz der Marke in Stadtzentren zu erhöhen, wollen wir eine Guerilla-Aktion starten.
Besser: Wir starten eine Guerilla-Aktion in Stadtzentren, um die Präsenz der Marke zu erhöhen.
(Zugegeben, hängt etwas davon ab, welchen Satzteil ich besonders betonen möchte).
3. Selbstbewusst statt zweifelnd.
Beispiel 1: Man könnte auch in Supermärkten die Durchsagen mit followfish-Sprüchen buchen.
Besser: followfish wirbt mit Durchsagen in Supermärkten. Oder: followfish präsentiert Durchsagen in Supermärkten.
Beispiel 2: Für diesen Event empfehlen wir eine Bauchtanztruppe.
Besser: Für diesen Event engagieren wir eine Bauchtanztruppe.
Teil 2 folgt morgen.
Mittwoch, 16. Dezember 2009
Die neueste digitale Sau.
In den einschlägigen sozialen Medien des deutschsprachigen Raumes ist ein neues soziales Medium der Held.
formspring.me. wird gerade durch die Twitter und Facebook Dörfer getrieben und scheint eine Welle zu sein, die ausnahmsweise mal von den Deutschen losgetreten wird. Obwohl diese Website ein reiner Marketinggag eines amerikanischen Unternehmens für Online Formulare ist.
Weitere Hintergrundinformationen findet ihr hier.
Vielleicht liegt es ja daran, dass wir Deutschen etwas verklemmter sind als die Amerikaner. Denn die Idee von formspring.me ist, anonyme Fragen an eine Person seiner Wahl zu stellen – wenn diese Person auf formspring.me gemeldet ist.
Wie ihr rechts seht, bin ich dort jetzt anwesend und werde eine Woche lang dieses Ding testen und brav alle Fragen beantworten. Quasi die Aktion "Anonyme Woche": Leser fragen Blogger.
Das kommt mir eigentlich ganz gelegen, denn es gibt immer wieder den ein oder anderen Leser, der ein Anliegen hat, das zwischen den anderen Kommentaren unter geht. Oder der sich einfach nicht traut.
Hiermit habt ihr jetzt die Gelegenheit, Fragen jeder Art zu stellen. Und ich kann in meiner digitalen Selbstfindung die nächste Stufe erklimmen.
Formspring me now, please.
formspring.me. wird gerade durch die Twitter und Facebook Dörfer getrieben und scheint eine Welle zu sein, die ausnahmsweise mal von den Deutschen losgetreten wird. Obwohl diese Website ein reiner Marketinggag eines amerikanischen Unternehmens für Online Formulare ist.
Weitere Hintergrundinformationen findet ihr hier.
Vielleicht liegt es ja daran, dass wir Deutschen etwas verklemmter sind als die Amerikaner. Denn die Idee von formspring.me ist, anonyme Fragen an eine Person seiner Wahl zu stellen – wenn diese Person auf formspring.me gemeldet ist.
Wie ihr rechts seht, bin ich dort jetzt anwesend und werde eine Woche lang dieses Ding testen und brav alle Fragen beantworten. Quasi die Aktion "Anonyme Woche": Leser fragen Blogger.
Das kommt mir eigentlich ganz gelegen, denn es gibt immer wieder den ein oder anderen Leser, der ein Anliegen hat, das zwischen den anderen Kommentaren unter geht. Oder der sich einfach nicht traut.
Hiermit habt ihr jetzt die Gelegenheit, Fragen jeder Art zu stellen. Und ich kann in meiner digitalen Selbstfindung die nächste Stufe erklimmen.
Formspring me now, please.
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