Die Zeiten für Kreative auf wirtschaftlich orientierten Kunden sind hart. Besonders hierzulande, denn es gibt – auch nach meinem Urlaub – immer noch wenig Kampagnen, die die folgenden drei Kriterien erfüllen:
1. Beauftragt.
2. Sichtbar.
3. Kreativ.
Aus diesem Grund weichen wir Kreativen bekannterweise auf Goldideen aus - oder eben auf soziale Kampagnen. Im Idealfall: auf beides.
Im sozialen Feld ist nicht nur das Gewissen reiner, sondern auch der Ideen-Freiraum, weil die Non-Profit-Organisationen mehr Chuzpe haben müssen, sonst redet keiner über ihr Anliegen. Und da für die Beauftragung von Agenturen meistens kein Budget vorhanden ist, lautet der Deal zwischen Agentur und Kunde gerne: pro bono arbeiten, dafür pro vokativ sein dürfen.
Dass man soziale Kampagnen auch ohne Provokation erfolgreich inszenieren kann, zeigt die folgende Kampagne gegen die Umweltverschmutzung des Santa Monica Bay.
Der Film ist für meinen Geschmack etwas zu lang geraten, aber die Idee ist schön (gefilmt) und macht deutlich, wo das Problem liegt.
Ein Besuch der Website dagegen lohnt sich – unter kreativen Gesichtspunkten – eher nicht, aber so ist das häufig mit den sozialen Kreativprojekten.
Aussen hui, innen Standard.
Film „The Majestic Plastic Bag“ für Healthebay. Von DDB Los Angeles.
Mittwoch, 25. August 2010
Samstag, 31. Juli 2010
Bin dann mal auf Entzugskur.
Die nächsten drei Wochen ist hier Sendepause.
Ich gönne mir einen Therapeuten-Team, um mich von meinen digitalen Abhängigkeiten zu kurieren.
Meiner Abhängigkeit von Facebook, von Twitter, vom iPhone, vom MacBook, vom Internet.
Ach verdammt, hat früher irgendeiner gefragt, wie abhängig man vom Telefon ist?
Egal, ich verlass mich voll auf die italienischen Therapiespezialisten. Man findet sie zum Beispiel in kleinen oberitalienischen Trattorias.
Ciao.
Ich gönne mir einen Therapeuten-Team, um mich von meinen digitalen Abhängigkeiten zu kurieren.
Meiner Abhängigkeit von Facebook, von Twitter, vom iPhone, vom MacBook, vom Internet.
Ach verdammt, hat früher irgendeiner gefragt, wie abhängig man vom Telefon ist?
Egal, ich verlass mich voll auf die italienischen Therapiespezialisten. Man findet sie zum Beispiel in kleinen oberitalienischen Trattorias.
Ciao.
Dienstag, 27. Juli 2010
Vermisstenanzeige.
Wo kommen gute Ideen eigentlich her? Diese Frage bekommt man von jungen Leuten, die in unsere sogenannte Kreativbranche einsteigen, immer wieder gestellt.
Natürlich gehört zu guten Ideen eine gewisse Portion Talent. Und eine gewisse Portion Intelligenz (mal mehr, mal weniger). Aber vor allem gehört dazu eine große Portion Fleiss.
Der Fleiss, sich akribisch die richtigen Informationen zu besorgen. Genau die, die einen zu besagten Ideen führen.
Das digitale Zeitalter hat uns im letzten Punkt ganz schön viel abgenommen.
Bei einem Pitch beispielsweise können wir alles im Netz recherchieren. In Blogs erfahren wir das Konsumentendenken, bei entsprechenden Service-DotComs bekommen wir die Konkurrenzslogans, Werbemittel und Marktdaten – und wenn wir irgendwelche technischen Details oder weiß der Henker was wissen wollen: Google, Wikipedia oder YouTube machen uns schlauer.
Schlauer vielleicht, aber sie machen uns nicht unbedingt kreativer.
Weil die Kollegen auf genau dieses Material ja auch Zugriff haben, ist die Gefahr groß, dass sie ähnliche Schlüsse ziehen und sich zu ähnlichen Lösungen inspiriert fühlen.
Worauf die Kollegen aber keinen Zugriff haben, sind meine persönlichen Eindrücke, Erfahrungen und Antworten, die ich in einem Gespräch am Tisch, im Laden oder am Fließband mit Kunden bekomme.
Eine Erkenntnis, die ich in diesem Blog schon an anderer Stelle strapaziert habe, weshalb ich mir schon wie so ein klugscheissender alter Druide in einem schlechten Asterix- und Obelix-Comic vorkomme. Aber in den letzten Wochen und Monaten ist diese Erkenntnis durch verschiedenste Erlebnisse zurück auf meine Gehirn-Agenda gelangt.
Was von Vorteil ist, weil man ja selbst zur digitalen Recherche-Bequemlichkeit neigt.
Ich stelle immer wieder fest, dass ich die besten Ideen (oder zumindest ihre Ansätze) immer dann habe, wenn ich mit den Kunden über ihre Situation, ihre Einschätzungen zum Markt und zur Marke, zur internen Situation und vor allem über ihre persönlichen Erwartungen und Zielen rede.
Da kommen die Halbsätze, die das Potential zu einem Strategieansatz oder einer Kampagnenidee haben können.
Und wenn nicht, dann kann ich zumindest erfühlen, was Kunden mit Sicherheit nicht wollen.
Doch im Zeitalter der digitalen Kommunikation, in der es normal ist, dass man vom Empfang seiner Firma eine e-Mail bekommt, dass man wirklich ganz dringend den wichtigsten Kunden zurückrufen soll, denn es gehe um Leben und Tod, muss man sich nicht wundern, wenn auch die ganzen Hintergrundinformationen der Kunden mehr und mehr als emotionslose PDFs oder DOCs zu einem gelangen.
Online-Pitches, bei denen eine persönliche Kontaktaufnahme in erster Instanz nicht gewünscht sind, sind für mich Unfug.
Wenn man für seine Marke und sein Budget einen neuen Kommunikationspartner sucht, dann sollte man doch mal miteinander reden und sich in die Augen sehen. Schon allein um festzustellen: können wir überhaupt miteinander?
Natürlich ist es für alle Beteiligten in unserem eng – weil digital – getakteten Tagesablauf lästig, die vielen möglichen Agenturen im Screening persönlich zu besuchen, die Reisen auf sich zu nehmen und mit jedem Pitchteilnehmer Gespräche zu führen. Von den Kosten ganz zu schweigen.
Doch wer wirklich an besserer Kommunikation und an seiner Marke interessiert ist, sollte diese chemische Prüfung vornehmen.
Dies gilt im übrigen auch für die Agenturleute, die sich ihrer vermeintlichen Computerallmächtigkeit ergeben haben und sich davor den Arsch platt sitzen statt mit Verve zu versuchen, nicht vielleicht doch ein Gesprächstermin zu erwirken.
Oder für die Kreativen, die Werbung für die Kunden des Supermarktes machen, aber selbst dort nie einkaufen geschweige denn mit solchen Leuten mal reden.
Ich gebe deshalb hiermit eine Vermisstenanzeige auf: Vermisst wird das persönliche Gespräch.
Remake TVC „Diner“ von Pepsi. Agentur TBWA/Chiat Day. Man sieht, dass das persönliche Gespräch auch Rivalen weiter bringt. Das Original des Spots siehe unten.
Leider ist diese original Version für Pepsi (von BBDO) immer noch um Längen besser. Glaubwürdiger erzählt, intensivere Bilder, stärkeres Casting, stimmigere Story und eine bessere Musik.
Joe Pytka war einfach ein Meister seines Faches. Und Remake selten besser als das Original.
Natürlich gehört zu guten Ideen eine gewisse Portion Talent. Und eine gewisse Portion Intelligenz (mal mehr, mal weniger). Aber vor allem gehört dazu eine große Portion Fleiss.
Der Fleiss, sich akribisch die richtigen Informationen zu besorgen. Genau die, die einen zu besagten Ideen führen.
Das digitale Zeitalter hat uns im letzten Punkt ganz schön viel abgenommen.
Bei einem Pitch beispielsweise können wir alles im Netz recherchieren. In Blogs erfahren wir das Konsumentendenken, bei entsprechenden Service-DotComs bekommen wir die Konkurrenzslogans, Werbemittel und Marktdaten – und wenn wir irgendwelche technischen Details oder weiß der Henker was wissen wollen: Google, Wikipedia oder YouTube machen uns schlauer.
Schlauer vielleicht, aber sie machen uns nicht unbedingt kreativer.
Weil die Kollegen auf genau dieses Material ja auch Zugriff haben, ist die Gefahr groß, dass sie ähnliche Schlüsse ziehen und sich zu ähnlichen Lösungen inspiriert fühlen.
Worauf die Kollegen aber keinen Zugriff haben, sind meine persönlichen Eindrücke, Erfahrungen und Antworten, die ich in einem Gespräch am Tisch, im Laden oder am Fließband mit Kunden bekomme.
Eine Erkenntnis, die ich in diesem Blog schon an anderer Stelle strapaziert habe, weshalb ich mir schon wie so ein klugscheissender alter Druide in einem schlechten Asterix- und Obelix-Comic vorkomme. Aber in den letzten Wochen und Monaten ist diese Erkenntnis durch verschiedenste Erlebnisse zurück auf meine Gehirn-Agenda gelangt.
Was von Vorteil ist, weil man ja selbst zur digitalen Recherche-Bequemlichkeit neigt.
Ich stelle immer wieder fest, dass ich die besten Ideen (oder zumindest ihre Ansätze) immer dann habe, wenn ich mit den Kunden über ihre Situation, ihre Einschätzungen zum Markt und zur Marke, zur internen Situation und vor allem über ihre persönlichen Erwartungen und Zielen rede.
Da kommen die Halbsätze, die das Potential zu einem Strategieansatz oder einer Kampagnenidee haben können.
Und wenn nicht, dann kann ich zumindest erfühlen, was Kunden mit Sicherheit nicht wollen.
Doch im Zeitalter der digitalen Kommunikation, in der es normal ist, dass man vom Empfang seiner Firma eine e-Mail bekommt, dass man wirklich ganz dringend den wichtigsten Kunden zurückrufen soll, denn es gehe um Leben und Tod, muss man sich nicht wundern, wenn auch die ganzen Hintergrundinformationen der Kunden mehr und mehr als emotionslose PDFs oder DOCs zu einem gelangen.
Online-Pitches, bei denen eine persönliche Kontaktaufnahme in erster Instanz nicht gewünscht sind, sind für mich Unfug.
Wenn man für seine Marke und sein Budget einen neuen Kommunikationspartner sucht, dann sollte man doch mal miteinander reden und sich in die Augen sehen. Schon allein um festzustellen: können wir überhaupt miteinander?
Natürlich ist es für alle Beteiligten in unserem eng – weil digital – getakteten Tagesablauf lästig, die vielen möglichen Agenturen im Screening persönlich zu besuchen, die Reisen auf sich zu nehmen und mit jedem Pitchteilnehmer Gespräche zu führen. Von den Kosten ganz zu schweigen.
Doch wer wirklich an besserer Kommunikation und an seiner Marke interessiert ist, sollte diese chemische Prüfung vornehmen.
Dies gilt im übrigen auch für die Agenturleute, die sich ihrer vermeintlichen Computerallmächtigkeit ergeben haben und sich davor den Arsch platt sitzen statt mit Verve zu versuchen, nicht vielleicht doch ein Gesprächstermin zu erwirken.
Oder für die Kreativen, die Werbung für die Kunden des Supermarktes machen, aber selbst dort nie einkaufen geschweige denn mit solchen Leuten mal reden.
Ich gebe deshalb hiermit eine Vermisstenanzeige auf: Vermisst wird das persönliche Gespräch.
Remake TVC „Diner“ von Pepsi. Agentur TBWA/Chiat Day. Man sieht, dass das persönliche Gespräch auch Rivalen weiter bringt. Das Original des Spots siehe unten.
Leider ist diese original Version für Pepsi (von BBDO) immer noch um Längen besser. Glaubwürdiger erzählt, intensivere Bilder, stärkeres Casting, stimmigere Story und eine bessere Musik.
Joe Pytka war einfach ein Meister seines Faches. Und Remake selten besser als das Original.
Mittwoch, 21. Juli 2010
Heute sag ich mal nix.
Sondern lass Musik sprechen. Und unterstütze mit meinem kleinen kurzen Beitrag diese charmante und sehr substantielle Kampagne (inklusive der Website) von „Why music matters“. Gemacht von Musikern und Künstlern.
Music Matters - Kate Bush (23-3-10) from Music Matters on Vimeo.
Film „Kate Bush“ vom Illustrator Elliot Dear für die „Why music matters“-Kampagne.
Music Matters - Kate Bush (23-3-10) from Music Matters on Vimeo.
Film „Kate Bush“ vom Illustrator Elliot Dear für die „Why music matters“-Kampagne.
Montag, 19. Juli 2010
Gefällt mir: Härtetests.
Wie oft begibt sich unser einer auf die Suche nach dem Funken Wahrheit, der ein Produkt besser macht als das andere?
Zusammen mit leidgeprüften Strategen wälzt man die verschiedensten Optionen und Perspektiven, um schleißlich einen künstlichen USP zu kreieren, dessen Relevanz in Frage zu stellen ist.
Aber oftmals lässt die Marktsituation von Kunden sowie ihre Ziele und Vorstellungen nichts anderes zu.
Umso mehr Respekt habe ich deshalb vor echten Härtetests. Selbst wenn die Konkurrenz etwas Ähnliches beweisen könnte – sie werden immer nur Zweiter sein, wenn sie es denn nachahmen wollten.
Der beigefügte Spot zeigt die Robustheit einer Autobatterie. Selbst als sie von einer Gewehrkugel zerstört wird, behält sie ihre Funktionsfähigkeit.
Dazu der wirklich eingängige Name der Batterie: DieHard.
Das Unternehmen hat sich den „Härtetests“ geradezu verschrieben, wie ihre YouTube-Trackliste zeigt.
Natürlich setzt dieses kompetitive Auftreten voraus, dass die gezeigte Produktleistung samt Inszenierung der Wahrheit entspricht.
Volvo Amerika hatte vor Jahren in einem Spot einen LKW auf das Dach seiner neuen Limousine setzen lassen. Später stellte sich heraus, dass beim Dreh zur Sicherheit nachgeholfen wurde.
Die darauf folgende PR kann man sich vorstellen.
Die Kreativen, die sich über Autobatterien Gedanken machen müssen, scheinen dennoch eine besondere Liebe zu harten Prüfungen zu haben. Ich erinnere mich an einen Cannes-Gewinner-Spot, der aber auch schon längst Staub angesetzt haben dürfte.
Die Story: Ein Geier näherte sich einem total verrosteten Autowrack, das irgendwo neben einem verfallenen Schuppen auf einer verlassenen Wiese vor sich hin gammelte. Das Wrack war schon vom Unkraut überwuchert und besaß keine Glasscheiben mehr.
Der Geier flog erst auf die offene Fahrertür, dann hüpfte er auf das Lenkrad – und flog dann sofort wieder erschrocken davon. Die Hupe gab doch tatsächlich noch einen Laut von sich.
Trotz dieser beeindruckenden Beispiele: immer schön das Licht am Auto ausmachen.
Spot „DieHard Battery vs. the Bullet“ von Y&R Chicago.
Zusammen mit leidgeprüften Strategen wälzt man die verschiedensten Optionen und Perspektiven, um schleißlich einen künstlichen USP zu kreieren, dessen Relevanz in Frage zu stellen ist.
Aber oftmals lässt die Marktsituation von Kunden sowie ihre Ziele und Vorstellungen nichts anderes zu.
Umso mehr Respekt habe ich deshalb vor echten Härtetests. Selbst wenn die Konkurrenz etwas Ähnliches beweisen könnte – sie werden immer nur Zweiter sein, wenn sie es denn nachahmen wollten.
Der beigefügte Spot zeigt die Robustheit einer Autobatterie. Selbst als sie von einer Gewehrkugel zerstört wird, behält sie ihre Funktionsfähigkeit.
Dazu der wirklich eingängige Name der Batterie: DieHard.
Das Unternehmen hat sich den „Härtetests“ geradezu verschrieben, wie ihre YouTube-Trackliste zeigt.
Natürlich setzt dieses kompetitive Auftreten voraus, dass die gezeigte Produktleistung samt Inszenierung der Wahrheit entspricht.
Volvo Amerika hatte vor Jahren in einem Spot einen LKW auf das Dach seiner neuen Limousine setzen lassen. Später stellte sich heraus, dass beim Dreh zur Sicherheit nachgeholfen wurde.
Die darauf folgende PR kann man sich vorstellen.
Die Kreativen, die sich über Autobatterien Gedanken machen müssen, scheinen dennoch eine besondere Liebe zu harten Prüfungen zu haben. Ich erinnere mich an einen Cannes-Gewinner-Spot, der aber auch schon längst Staub angesetzt haben dürfte.
Die Story: Ein Geier näherte sich einem total verrosteten Autowrack, das irgendwo neben einem verfallenen Schuppen auf einer verlassenen Wiese vor sich hin gammelte. Das Wrack war schon vom Unkraut überwuchert und besaß keine Glasscheiben mehr.
Der Geier flog erst auf die offene Fahrertür, dann hüpfte er auf das Lenkrad – und flog dann sofort wieder erschrocken davon. Die Hupe gab doch tatsächlich noch einen Laut von sich.
Trotz dieser beeindruckenden Beispiele: immer schön das Licht am Auto ausmachen.
Spot „DieHard Battery vs. the Bullet“ von Y&R Chicago.
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