Donnerstag, 29. Januar 2009

Gefangen in der eigenen Idee.

Der Gorilla-Spot von Cadbury aus dem letzten Jahr. Wer kennt ihn nicht? Auch ich habe mich darüber schon ausgelassen (hier). Jetzt haben die Kreativen von Fallon in London einen neuen Spot herausgebracht. Bei meinen Recherchen auf YouTube ist mir dann auch noch ein dritter Spot der Kampagne „A liter and a half full of joy“ begegnet.

Hier die Spots:



TVC „Trucks“ für Cadbury Milk.



TVC „Eyebrow“ für Cadbury Milk.

Während ich dem Gorilla-Spot viel Positives abgewinnen konnte, weil er bei mir irgendwie gute Laune verbreitet hat und ich mir eingebildet habe, ok, der Gorilla hat Spaß und der Betrachter hat Spaß, das macht Sinn zusammen mit der Botschaft, ist die Kampagne auf meiner Bewunderungsskala jetzt deutlich abgestiegen.

Die beiden nachfolgenden Werke sind mir zu beliebig und zu irrelevant. Ich hoffe, mein Freund und ewiger Kritiker Bernd aus Frankfurt ist froh über diesen Sinneswandel, denn er hat mich für meine Gorilla-Meinung schon per e-mail an die Wand genagelt.

Das Gepäckwagenrennen auf dem Flugfeld ist weder lustig, noch gut gemacht, noch vermittelt es irgendwie Freude. Der Augenbrauen-Spot ist zwar eine ungewöhnliche Exekution, von der ich mir vorstellen kann, dass sie viele "lustig" finden, aber Spaß vermittelt die mir auch nicht. Mir tun die Kinder eher leid dafür, dass man sie für so einen Quatsch mißbraucht hat.

Früher hätte man gesagt, der Spot ist "l'art pour l'art". Die Kunst einfach nur für die Kunst. Ich bin auf Eure Meinung zu den Werken gespannt.

Was diese Kampagne aber ganz gut veranschaulicht, ist ein Effekt, der einem in diesem Job immer wieder mal begegnet:

Man entwickelt, oft unter Zeitdruck, eine Idee, die ganz tragbar und wirkungsvoll erscheint, man präsentiert sie dem Kunden, der findet die Idee überaschenderweise auch gut und man fängt an, sie umzusetzen.

Doch mit der Zeit realisiert man, dass der eigene Handlungsspielraum eingeschnürt ist und man die Kampagne gerne erweitern oder sogar ändern würde, aber nun ist es der Kunde, der einen auf die selbst formulierten Eckpfeiler der Kampagne festnagelt.

Ein guter Kreativer prüft deshalb, gerade bei großen Projekten, wie tragfähig (poolfähig) seine Idee ist.

Leider findet so etwas aus Zeitmangel oder Bequemlichkeit (man ist ja heutzutage schon froh, dass man überhaupt eine einigermaßen sinnfällige Idee hat) fast nie statt und in der Folge muss man dann in der zweiten und dritten Generation der Kampagne ziemlich rumeiern, um die ursprüngliche Absicht noch aufrecht zu erhalten.

Ergebnis: schlechte Kreation.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht doch noch eine tragfähigere Idee findet.

Schlechter Kalauer, aber der musste heute mal raus.

Tipp 98: Wenn du eine starke Kampagnenidee mit einem starken Film entwickelt hast, denk dir schon mal aus, wie der nächste Film ein halbes Jahr später aussieht. Und in einem Jahr.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

trucks sucks. aber den mit den kids mag ich. durch das klingeln am anfang und dem verschwinden des fotografen wird einem doch eine nachvollziehbare geschichte erzählt. die zwei scheinbar sehr gehorsamen und unscheinbaren geschwister haben sich einen weg ausgeheckt, um richtig spass zu haben. ausserdem finde ich die toll besetzt. die musik richtig geil. und die ballonszene setzt noch mal einen drauf.

dass es schon ähnliche geschichten schon im internet gab, stört mich in diesem falle auch nicht. frei nach dem motto "es kommt nicht darauf an, woher du die idee hast, sondern wohin du sie bringst." finde ich, dass hier genug dazu addiert wurde.

ps. und nach einer woche hat das ding bei youtube schon über 300.000 klicks! auch wenn der nicht so einschlagen wird wie "gorilla" - finde ich ihn eigentlich besser. bei dem kann ich mir wenigstens vorstellen, wie man das ding verkauft.

Anonym hat gesagt…

Ich finds behindert. Der Gorilla Spot war ganz okäse, weil er zumindest in der Werbewelt für Gesprächsstoff sorgte. Irgendwie war es auch was neues. Naja, und jetzt ist das so ne Geschichte. Man muss einen hinterher setzten. Es hat nichts mehr mit dem Produkt zu tun, bzw. man (der Werber) ist auch nicht mehr überrascht über die Idee oder Exikution, weil man den Gorilla Spot kennt und weiß wie die ticken. Besser hätte ich es gefunden, wenn Fallon jetzt auf einmal wieder etwas völlig anderes gemacht hätte. Weg von diesen: lass mal was witziges, abstruses machen. Jeder erwartet sowas, und doch hätte man die Leute wieder überraschen können.

hunzbua hat gesagt…

Ein viraler Spot muss nix mit dem Produkt zu tun haben. Sonst wärs ja ein ganz normaler Spot. Ich schließe mich oberer Meinung an. Autorennen langweilig. Augenbrauen zum Totlachen. Werde ich weiterleiten.

Anonym hat gesagt…

Hä? Ein viraler Spot muss nichts mit dem Produkt zu tun haben - sonst wäre es ein normaler Spot?

Achso, cool. Dann geh ich jetzt raus und drehe einen Krimi. Am Ende hau ich noch nen Packshot rein mit ner Milchtüte. Achso, na klar: noch ne Botschaft. Mh ...

...


...

Unsere Milch ist spannend.

Reason why:
Die Oberfläche unserer Milch hat eine ganz besondere Spannung. Denn bevor wir unseren Kühen die Milch abzapfen, erschrecken wir sie. Und deswegen schmeckt die Milch besonders spannend. JEAH!

Danke für den Tip man!

Anonym hat gesagt…

Als ich den Gorilla-Spot das erste Mal gesehen habe, fand ich ihn ziemlich geil. Vor allem die Exekution.

Aber da ich den Absender nicht kannte, dachte ich, es handele sich um eine Postproduktion, die Eigenwerbung auf ziemlich hoehem Niveau macht.

"Trucks sucks" kann ich mich nur anschließen. Augenbrauen find ich ganz okay, sackt gegenüber Gorilla aber ab.

HerrMosh hat gesagt…

Mich persönlich schockt keiner der drei Spots. Die Trucks finde ich komplett ideenbefreit, die Kids... naja, ein müdes Augenzucken, sage ich mal (und entschuldige mich im gleichen Atemzug für das böse Wortspiel) und der Gorilla ist mir zu schwammig in der Botschaft.

In Letzterem konnte ich noch nie die Idee ausfindig machen, die ihm alle (Werber-)Welt andichten wollte. Und die Folgespots beweisen ja nun wohl auch, dass da eine Idee recht herz- und hirnschmalzlos umgesetzt wurde.

Ich hoffe, dass jetzt auch die letzten Werber REALISIEREN, dass das alles keinen SInn MACHT. Genauso wenig, wie der letzte Satz einen SInn ergibt :)! Verfluchte Anglizismen!

robzn hat gesagt…

Wie heißt die Idee für die Spots?

1.) Wir lassen einen Gorilla Schlagzeug spielen weil das lustig aussieht und am Ende blenden wir unser Produkt ein, damit jeder weiß, wofür das alles sein soll?

2.) Wir lassen Gepäckwaren ein Wettrennen machen weil das lustig aussieht und am Ende blenden wir unser Produkt ein, damit jeder weiß, wofür das alles sein soll?

3.) Wir lassen Kinder mit den Augenbrauen rumzucken weil das lustig aussieht und am Ende blenden wir unser Produkt ein, damit jeder weiß, wofür das alles sein soll?

Gratulation!

Idee für den vierten Spot: Ein paar Handwerker sitzen auf einem Stahlträger - gehalten von einem riesigen Kran - irgendwo über den Dächern einer Stadt, weil das lustig aussieht und essen Cadburys irgendwas. Das ist dann nämlich näher am Produkt und am Menschen.

Banause hat gesagt…

Ich verstehe das Problem überhaupt nicht. Alle drei Spots vermitteln das, worum es bei Schokolade geht: sinnloses Vergnügen.

Damit wir uns richtig verstehen, ich finde weder den trommelnden Primaten noch die beiden anderen Spots besonders gut. Meines Erachtens sind sie jedoch einigermaßen gleichwertig und passen zur Kampagnenidee.

Um ehrlich zu sein, mag ich sogar den Spot mit den Trucks am liebsten. Die Umsetzung ist sehr liebevoll und der Humor grenzt nicht so an Klamauk wie bei den Grimassen schneidenden Blagen.

Anonym hat gesagt…

die viral diskussion kann man sich hier sparen. das ist ja ein tv spot. der einfach im netz premiere hatte. hier wird / wurde mit offenen karten gespielt. idee hin oder her - ich finde, die ist erkennbar, nicht so verschlüsselt, wie bei gorilla - die leute schicken ihn weiter! das zählt! das ist die hürde, die es nehmen gilt - und genommen wurde.

Anonym hat gesagt…

So ne Scheiße schicke ich nicht weiter. Die Dinger haben nur einen Erfolg WEGEN dem Gorilla Spot. Jeder will sich natürlich angucken, was nxh ihm kommt. Und ist enttäuscht.

Anonym hat gesagt…

Das ist so nen Mario Barth Phänomen. Total behindert und unlustig und die dumme Masse feiert es ab.

Anonym hat gesagt…

16.14: geile logik. ich verstehs nicht ganz. alle sind total enttäuscht, aber jetzt sinds schon über 400.000 klicks bei youtube...

Anonym hat gesagt…

Weil alle den Nachfolger vom Gorilla sehen wollen. 400.000 Klicks: bedeutet doch nicht, dass die das toll finden.

Anonym hat gesagt…

schlechte werbung ist auch werbung. aber schwachsinn schlägt alles.

und das cadburry nach dem gorillaspot so viel mehr umsatz macht kann man ja nun auch nicht sagen.

Anonym hat gesagt…

Hat irgendwann mal irgendwer festgelegt, dass Werbespots die Vorteile des Produkts zeigen müssen? Die Betonung liegt auf MÜSSEN! Ist das so ne Art Gesetz?
Warum kann man nicht einfach für etwas werben, ohne die einzigartigen supermegakrassen (meist eh unglaubwürdigen) Produktvorteile auszuloben. Hauptsache das Zeug oder der Name bleibt im Gedächtnis. Vor allem für Schokolade (die doch eh immer gleich schmeckt) kann man doch mal was anderes, einfach lustiges machen. Und wenn man den Spot cool findet (und der mit der Augenbraue ist es auf jeden Fall) wird man auch das Produkt cool finden. Stellt euch mal vor: dieser Augenbrauenspot zwischen all der gähnend langweiligen Zahnpasta- oder Waschmittelwerbung in einem deutschen Werbeblock - das bleibt garantiert hängen! Und schon allein aus Dankbarkeit des Konsumenten, dass er in der Pause endlich mal etwas Unterhaltsameres sehen darf, wird er sich mit der Schokolade sympathisieren.