Mittwoch, 14. Januar 2009

Der Bungalow des Chefs.

Es geht richtig ab im Kommentarwald des letzten Beitrages. Erst ein Thema wie Geld kann eure geschundenen Kreativenseelen scheinbar zum Kochen bringen.

Nicht Ideen, nicht Kampagnen, nicht Awards, nicht Fake-Ads – nein Bruder Kohle (mit seinen hässlichen Schwestern unbezahlte Überstunden, geringes Einstiegsgehalt, schlechte Bezahlung) treibt Euch um.

Ich bin erstaunt. Um etwas entsetzt.

Wo ist die Leidenschaft für ungewöhnliche Ideen? Wo ist der Kampf für das Besondere? Wo ist der Wille, etwas Einzigartiges zu kreieren? Wo ist die harte Auseinandersetzung zwischen dem Guten und dem Besseren?

Überstunden? Darüber diskutieren doch nur Gewerkschafter.

Unsere Währung sind Ideen.

Wer allerdings meint, heute sei es schwieriger, mit dieser Währung einen Blumentopf zu gewinnen, der sucht sein Alibi fürs Mittelmaß.

Jede Epoche hat ihre Mittel und Möglichkeiten, neue Ideen zu entwickeln. In jeder kreativen Quelle, die uns heute zur Verfügung steht (Lürzer’s, Creativity, etc.) entdeckt man immer wieder Kampagnen und Ideen, die ein kreative Nuss, die man selbst schon auf dem Tisch liegen hatte, viel besser geknackt hat als man selbst.

Solche Erkenntnisse sollten dich motivieren, nicht Geld.

Gerade das digitale Zeitalter eröffnet uns unendlich viele neue Wege, mit großartigen Ideen die Verbraucher für unsere Anliegen zu interessieren.

Ob man dazu gleich das Know How aus der Neurowissenschaft oder anderen Forschungsquellen bemühen muss, wage ich zu bezweifeln. Der Mechanismus von Kommunikation ist so alt wie die Kommunikation selbst:

Wer etwas Ungewöhnliches und Faszinierendes erzählt, wird mit Aufmerksamkeit und Interesse belohnt.

Punkt.

Ob da jetzt Belohnungsmechanismen oder irgendwelche anderen Prozesse im Kopf stattfinden, ist doch eigentlich egal, Hauptsache der Verbraucher mag sich das jeweilige Stück Werbung gerne angucken und setzt sich damit auseinander.

Wir Deutschen neigen dazu, die Werbung zu akademisieren. Ich glaube nicht, dass sich brasilianische Kreative mit Neuromarketing auseinander setzen.

Die forschen nicht, die kreieren einfach.

Ich kenne keinen Drehbuch-Schreiber, Theater-Regisseure oder Schriftsteller, der beim Entwickeln seiner Geschichten groß darüber nachdenkt, welche Synapsen in den Köpfen seiner Zuschauer aktiviert werden müssen. Er begibt sich lieber ins normale Leben und beobachtet die Gewohnheiten, Wünsche, Sehnsüchte der Menschen.

Und entwickelt eine spannende Story daraus.

Ein Kreativer sollte immer im Kopf haben, wie er etwas erschaffen kann, das „anders“ ist.

„Anders sein“ ist der Schlüssel, das Herz, der Motor. Ob für Zahncreme oder Auto. Wohlgemerkt: anders sein ohne irrelevant zu sein.

Ich gestehe euch zu, dass Überstunden und Wochenenden – vor allem, wenn sie die Regel sind – nicht zur Motivation eines Kreativen beitragen. Irgendwann muss der Akku auch mal wieder aufgeladen werden. Irgendwann muss auch mal wieder geistiger Input in Form von Kino, Theater, Bücher, Sex, Sport, etc. erfolgen.

Ein Kreativer kann Geistreiches nur rauslassen müssen, er muss auch mal Geistreiches reinlassen dürfen.

Eine gute Idee kann man in Sekunden haben – oder in Wochen. Wenn man das stundenweise bezahlen würde, wären die Agenturen tot.

Bei der Schraubenproduktion läuft das eben anders.

Wir haben unbezahlte Überstunden. Aber dafür haben wir auch kein Fließband, keine Stechkarten, keine Uniformen, keine Bestellzettel für Büromaterial, keine Konzernvorschriften, keine langweiligen Weihnachtspartys, keine etc..

Wir dürfen ins Tonstudio, zum Filmdreh, aufs Fotoshooting, wir haben mit Modellen und Schauspielern zu tun, mit Künstlern, mit Fotografen, mit Regisseuren – wir treffen immer wieder auf inspirierende Leute, die uns menschlich und fachlich weiter bringen.

Hey Leute, das ist nicht so schlecht. Es gibt sehr viel mehr schlimmere Tätigkeiten.

Und das sogar ohne irgendeine besondere Vorbildung. Talent für ungewöhnliche Ideen reicht.

Du fängst zwar mit einem niedrigen Einstiegsgehalt an, aber wenn du wirklich gut bist, kann sich dein Gehalt in kürzester Zeit verdoppeln und verdreifachen.

Vom Tellerwäscher zum Medalliär in einem Jahr. So etwas gibt es nur in der Werbung (wenn man Überstunden in Kauf nimmt).

Also, legt euer Selbstmitleid zu den Akten, holt euch eure Leidenschaft für gute Ideen wieder zurück. Der ganze andere Rest kommt von alleine.

Menschen, die von 9 bis 18 Uhr denken (abzüglich einer Stunde Mittagspause), werden nie innovative Ideen haben. Gute Ideen rauben einem den Schlaf.

Herrlich!

Solltest du nun immer noch das Gefühl hast, nur noch für den Bungalow des Chefs zu arbeiten und nicht mehr für deine Mappe, dann wechsle die Agentur.

Sollte das auch nichts nutzen, dann denke darüber nach, ob dein Talent für gute Ideen vielleicht doch nicht so ausgeprägt ist wie du es gerne hättest.

Und wechsle den Beruf.

Denn hätten wir alle etwas Vernünftigeres gelernt, wären wir nicht in der Werbung.

Tipp 90: Wer bezahlte Überstunden will, sollte Beamter werden.



Als alter Schwabe stelle ich die Frage: bist du etwa ein Lällabäbbl?

Kommentare:

milchsaeure hat gesagt…

Suchernder, Ich bin total bei Dir. Ist dieser Idealismus doch bei vielen von uns der Grund dafür, diesen Job zu machen. Und die beste Motivation für einen Kreativen ist es immer noch, seine geile Idee im TV, Internet oder Sternspiegelfocus zu sehen.

Aber wie oft kommt das noch vor?

Welchen Kampf meinst Du denn? Der Kampf um die bessere Idee ist in der Marketingrealität doch längst zum Krampf um das Machbare geworden. Und schau ich mir an, was der ADC so gemeinhin auszeichnet, dann ist in den seltensten Fällen eine reale und auch ordentlich sichtbare Kampagne dabei. Stattdessen ergießt man sich in Goldideen, Spoofs, Scams, Fakes oder wie immer man das nennen will. Sowas ist natürlich Verrat an der Kampfkultur, weil der einfachere Weg.

Allerdings kann ich mich daran erinnern, wie auch JR vor vielen Jahren wutentbrannt gegen kreative Nebelkerzen aus B vom Leder zog. Heute wirft man selber welche.

Versteh mich nicht falsch, Suchender, im Kern bin ich bei Dir. Ich wundere mich nur nicht so sehr, warum grade junge Leute auch anders denken. Und komm mir nicht mit Selbstmitleid. Ich liebe meinen Job. Jetzt erst recht.

Anonym hat gesagt…

Hallo Zschaler,

ich weiß ja nicht wie das in ihrer Agentur ist, aber, dass Praktikanten oder Junioren viel im Tonstudio sind, auf Filmdrehs oder sonst was entspricht nicht der Realität. Bei fast allen Agenturen, wird Arbeiten so verstanden, dass man um 9 Uhr in der Agentur ist und vorm Rechner sitzt.

Aber das Thema hatten wir ja schon mal.

Fabian hat gesagt…

Mh, ich sehe das eigentlich auch eher einfach: um ungewöhnliche Werbung etc. zu kreieren braucht man nicht Neuromarketing und den ganzen Kram. Ich finde aber, dass man mit Hilfe des Neuromarketing seine Ideen besser beim Kunden verkaufen kann.

Nehmen wir das Beispiel "Whopper Freakout".
Das ist eine klassische Kreativmechanik: Was wäre, wenn es das Produkt nicht geben würde bla blub.

Und das ganze filmt man. Mh, könnte ganz witzig werden.

Finden wahrscheinlich nur nicht die Marketingspinner beim Kunden. Bla, schlechte PR und so. Was weiß ich...

Wenn ich jetzt aber mit den Argumenten des Neuromarketing um die Ecke komme - die Leute fahren extra zu Burger King. Nehmen Fahrzeit, eine Schlange vor der KAsse in Kauf etc etc. und das alles nur um einen Whopper zu essen, den es nirgendwo anders auf der Welt gibt außer bei BK, dann ist der Whopper für diese Leute die Belohnung für all ihre "Mühen" den zu bekommen.

So, und wenn jetzt diese Belohnung ausfällt, kommt es zu heftigen Reaktionen. Und die Filmen wir.

Na, das denke ich hört sich schon viel spannender an - für die Marketingfuzzis.

Denn ich habe ein Interesse geilen Scheiß zu machen - mit dem Kunden und für den Kunden. Und nicht für Awards.

Und da denke ich, wird uns das Neuromarketing den Rücken stärken.

Was meinen Sie?

Anonym hat gesagt…

Was war denn da los?

Kreation des Tages

Unterbelichtet

Werbung für einen modernen Design-Klassiker gehört zu den dankbareren Aufgaben für eine Agentur - wenn man's richtig macht. Aber damit hat Leagas Delaney offenbar ein Problem. Okay, die Idee mit dem Licht aus dem Nasenloch ist nicht schlecht (wenn auch nicht wirklich appetitlich). Aber wetten, dass das Motiv nicht lange zu sehen sein wird? Denn man muss keine hysterische Gluckenmutti sein, um zu erkennen: das geht nicht. Das gibt Ärger. Und zwar zu Recht. Denn wer damit wirbt, dass Kinder Miniaturteile in Körperöffnungen stecken, ist eindeutig unterbelichtet.

Anonym hat gesagt…

ja aber vom geld leben wir nun mal... nicht das drum herum und wie toll ich doch bin. wenn ich keine miete zahlen kann bringen mir auch die besten ideen nichts. und es kann doch nicht sein das wir uns hier vom gehalt her mit supermarkt-mitarbeitern oder müllfahrern vergleichen.

z.b. ein praktikant. wie willst du einem bei 400 euro pro monat noch dazu bringen überstunden zu machen. und das auch noch gerne und ohne murren. und im nachbarzimmer lacht sich der chef nen arsch ab weil er gerade seinen nächsten maledivenurlaub gebucht hat.

und entschuldigung. ich hab doch kein abi gemacht und studiert damit mir hier jemand sagt das man ja eigentlich gar nichts für den beruf braucht. außer vielleicht vitamin b

und meckern über bezahlung allgemein okay, aber es geht doch ums prinzip. wenn ich jeden monat so einen kontoauszug hätte wie mein chef oder lass es den cd sein dann hätte ich auch kein problem mit überstunden. und auch wenn der ad oder cd die idee hatte. ich muss sie umsetzen! beide sitzen die gleiche zeit dran.

ja ich bin so oft beim shooting in afrika, lerne die tollsten frauen kennen, speisse aus goldenen tellern... das machen doch auch wieder die chefs und cd´s.

Anonym hat gesagt…

Super Brandrede. Am Anfang der Karriere muss man halt ein bisschen mehr investieren. Und das kriegt man schon noch früh genug zurück.

Der Suchende. hat gesagt…

@milchsaeure: Es gibt so viele Beispiele, wo gute Kreation den Weg an die Öffentlichkeit schafft (siehe den Heineken-Spot "walk-in fridge). Dieser Spot ist nicht so, dass ich glaube, deutsche Marketingmanager hätten sich gegen eine solche Idee gewehrt.
Ich habe das Gefühl, dass zu oft der Kunde Schuld ist, das schlechte Kreation draußen sind. Aber vielleicht sind wir Kreativen manchmal einfach nicht selbstkritisch oder haben nicht genug Power, eine noch bessere Idee zu finden, wenn wir schon eine gute haben.
Ich denke, viele Kreative beschäftigen sich zu lange mit dem ganzen Drumherum und regen sich über die Kunden oder die Briefings auf, statt sie zu akzeptieren und sich daran zu machen, auf einem schwierigen Briefing trotzdem eine starke Idee zu entwickeln.
Da hat sich inzwischen ein Virus in den kreativen Köpfen eingeschlichen, nämlich für den Kunden macht man halt Dienst nach Vorschrift und seine Energie setzt man auf die Goldidee.

Der Suchende. hat gesagt…

@ Hallo Zschaler-Anonymus: unser momentaner Text-Prakti war neulich erst mit im Tonstudio.
Wir versuchen immer, dass einer aus dem Team, das die Idee hatte, mit dem CD zum Dreh oder zum Shooting gehen kann. Wenn der Dreh natürlich in Australien ist, dann kann es sein, dass das nicht klappt. Aber grundsätzlich geben wir denen, die die Idee hatten, in der Regel auch die Chance, die folgende Produktion zu begleiten.

Der Suchende. hat gesagt…

@Fabian: Sorry, mein Lieber, aber die Argumentation mit dem Neuormarketing als Argumentations-Sprungbrett für den Kunden im Falle Burger King klingt etwas hin theoretisiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Boguskys sich das alles so kompliziert gemacht haben.
Nichts gegen neuro-wissenschaftliche Erkenntnisse, aber diese Wissenschaft als Grundlage für ein kreatives, fast promotionhaftes (Achtung Denglisch) Konzept zu nehmen, ist momentan noch viel Augenpulver. Im Neuromarketing geht es momentan eher um Markenwahrnehmung, Erinnerungsmechanismen, ideale Werbeumfelder und den ganzen Zinnober.
Mach es dir doch nicht so schwer.

Der Suchende. hat gesagt…

@ Kreation-des-Tages-Anonymus: Wir haben uns köstlich amüsiert. Irgend so eine gelangweilte Redakteurin bei wuv hat gemeint, mit einem flachen, substanzlosen Text die Maglite-Motive zum Flop der Woche zu küren. Zur gleichen Zeit ruft das Schwesterblatt der wuv an, der Kontakter, bei uns an und macht die Kampagne zur Kreation der Woche.
Ehrlich gesagt, Journalisten, die für Werbefachblätter schreiben und sich nicht auskennen, sind keine Offenbarung und man sollte nicht zu viel Zeit damit verschwenden. Wen interessiert der Flop des Tages wirklich?

Was diese Angst angeht, wir würden Kinder ein Vorbild geben, sich eine Taschenlampe in die Nase zu stecken, so kann ich nur sagen: typisch deutsches Bedenkenträgertum. Immer das Schlechte sehen statt sich über das Motiv zu amüsieren. Das sind die wahren Kreativbremsen. Ich find das Motiv aufmerksamkeitsstark und auf den Punkt.

Der Suchende. hat gesagt…

@ Kontoauszugs-Anonymus: also, ich kann verstehen, dass das kein Zuckerschlecken ist am Anfang, wenn man für 400 Euro irgendwie über die Runden kommen muss. Aber ich habe neben meinem Studium und meinem Praktikum jahrelang noch abends bei einer Autovermietung gearbeitet, um was zu Beißen zu haben und in einer WG wohnen zu können.
Es ist ein ganz normaler und auch sinnvoller Prozess, dass man am Anfang in seine Ausbildung und sein Know How investiert. Ein bisschen Einsatz kann man verlangen zu Beginn einer Karriere, oder?
Ich finde, dass es in der Werbung sogar sehr viel schneller geht, mehr Geld zu verdienen als in vielen anderen Branchen, wo alles tariflich geregelt ist.
Und wie gesagt: wenn du sehr gute Ideen hast, musst du nicht lange mit nur 400 Euro auskommen.
Dieser Sozialneid auf die Chefs langweilt mich auch etwas, irgendwie haben die in ihrem Leben etwas unternommen oder gewagt, so dass sie es jetzt zum Maledivenurlaub und Porsche gebracht haben. Vielleicht hatten sie auch einfach gute Ideen. Aber wenn dir ihre Unternehmensphilosophie auf die Eier gehen, dann zieh die Konsequenzen. Es gibt auch Agenturen, in denen das anders läuft. Ich fahre Skoda.

Anonym hat gesagt…

Hallo Suchender,
genau wie ein Modell eine ausgeprägte Schönheit als Grundvoraussetzung mitbringen muss, ist es bei Kreativen das Talent.

Und genau wie ein attraktives Äußeres ist naturgegebene Kreativität rar gesät. Alles was selten ist, ist teuer. Das ist Marktwirtschaft. Wenn Du als Chef einen guten Texter haben willst, musst Du nicht nur ein Suchender sein sondern auch ein Zahlender.

Zwar habe ich Spaß an guter Kreation, aber ich sitze hier um Geld zu verdienen. Wenn ich meinen Idealismus ausleben möchte, tue ich das bestimmt nicht in der Werbewirtschaft. Ich tue was ich tue, weil ich es kann. Nicht weil ich von Ideen träume, die außerhalb des Mikrokosmos Werbung niemanden interessieren. Außer meiner Mutter.

Anonym hat gesagt…

Jetzt ist mir klar, warum Du ein Suchender bist und kein Findender.

Anonym hat gesagt…

Die beste Werbung kommt von den besten Kreativen.

Wenn du ein begnadeter Texter bist, schreibst du heutzutage besser eine richtige Geschichte in Form eine klasse Buches anstatt des oberflächlichen Schwachsinns, den wir täglich in den Massenmedien in Form von Werbung sehen. Und als begnadeter Art Director wirst du Künstler.

Werbung ist einfach nicht mehr so sexy wie damals. Und jetzt stell' dir nur mal vor, du hast als Autor oder Künstler Erfolg. Wie viel mehr Ansehen, Ruhm, Erfolg und innere Befriedigung ist da möglich im Vergleich zur Werbung.

Anonym hat gesagt…

habt ihr gestern auf rtl gesehen "was wir deutschen verdienen?" sehr interessant.

ich stehe am anfang meiner karriere. arbeite seit 2 jahren und hätte auch sehr gerne mehr geld. auch überstunden finde ich manchmal etwas daneben (gerade wenn man den tag über nicht so ausgelastet war aber 10 minuten vor 18h noch jemand kommt hier wir brauchen da noch was).

auch ein joe ackermann hat den reißwolf kennen gelernt und beigebracht bekommen wie der chef (damals noch als es der kleine joe war) den kaffee will.

jeder fängt klein an. man muss nur strampeln um nach oben zu kommen.

mich tröstet es zu hören das auch in unserer branche noch gut zu verdienen ist. hoffen wir mal.
das gibt mir mut nicht aufzuhören jeden tag mein bestes zu geben.

aber hängt denn wirklich alles nur von preisen ab?
darf ich in diesem jahr überhaupt nach einer gehaltserhöhung überhaupt fragen? und wieso reden wir uns selber schlecht?

milchsaeure hat gesagt…

Wenn man diese Kommentare hier verfolgt, ahnt man, was ein bisschen das Problem ist.

Ich habe Kreation immer als Spielen verstanden. Als Spielen, für das man – selbstverständlich – auch bezahlt wird. Immerhin verdient mein Arbeitgeber gutes Geld mit mir, also muss auch ein bisschen was für mich drin sein.

Aber auch weil ich Freude an meinen Job haben will. Spielen macht Spaß. Sonst könnte ich z.B. nicht wie heute nacht bis um halb 1 in der Agentur sitzen. Ich habe immer Angst vor Leuten, die Kreation als Arbeit betrachten. Die sind unzufriedener, eher zuhause und man merkt es auch den Arbeiten an.

Und ich finde, wir werden gut bezahlt. Im Durchschnitt jedenfalls (liebe Praktikanten, ich nehme Euch hier ausdrücklich aus.) Und wenn man eines Tages auch als über 40jähriger noch seine Brötchen in Agenturen verdienen kann, dann ist Werbekreativer auch langfristig betrachtet ein feiner Job. Zumindest was das Ideen machen betrifft.

milchsaeure hat gesagt…

@suchender
Welche Öffentlichkeit meinst Du? ADC, Cannes, Clio oder die im echten Leben? Und soviel Heinekenfilme kenne ich auch nicht. Und ob deutsche unden die Idee gnauso genommen hätten? Schau doch einfach mal selber: Warsteiner, Krombacher, Bitburger, Becks, Radeberger … Astra gildet nicht!

Anonym hat gesagt…

ich glaube nicht das man unbedingt besser ist, nur weil man abends länger im büro sitzt. dann dürfte sich ja keiner mehr trauen als erster tschüss zu sagen weil man dann gleich als nicht so interessiert hingestellt wird.

es gibt auch manche die sich ihre zeit gut einteilen.

ich gehe auch lieber früher als mir die nacht um die ohren zu schlagen. dafür gebe ich aber auch in der regulären arbeitszeit richtig gas. und sobald ich aus der agentur bin denke ich trotzdem noch weiter.

manchmal ist es gar nicht so schlecht aus dem gewohnten umfeld zukommen. dann betrachtet man auch die dinge anders. hat vielleicht noch den einfluss des partners oder der freunde, usw. und kommt am ende auf dinge die einem selbst mit den engagiertesten teampartner am wochenende in der agentur nicht gekommen wären.

ich finde es sogar großartig das manche agenturen an einem wochenende (reicht ja auch 1mal im jahr) mal auf den berg fahren und ausdenken. weit ab vom rechner und agenturumfeld.

Der Suchende. hat gesagt…

@all: danke für die rege Teilnahme, sehe mich aber heute etwas überfordert, auf all eure interessanten Aspekte einzeln einzugehen.

Nur so viel an den einen Anonymus, der meint, Idealismus ist in der Werbung fehl am Platz.

Ohne diesen meinen Idealismus hätte ich es in dieser Branche nicht 24 Jahre ausgehalten.

Ich finde schon, dass man sich in dieser Branche wie in wenigen selbst verwirklichen kann. Die Kunst ist, die Bedenkenträger aus dem Weg zu räumen und nicht müde zu werden, zu räumen und räumen und räumen.

Schöne Überstunden noch.

Anonym hat gesagt…

Ganz schön hitzig heute hier. Kühlt eure Gemüter am ersten Lesertipp.

Leser-Tipp Nr. 1: In der Werbung macht man Geld. Auch in Zukunft.

Die Kernbotschaft von Werbung lautet: "Mach mir Geld." Der Kunde schreibt eine E-Mail an die Agentur, in der drin steht: "Mach mir Geld." Und die Agentur sagt: "Jep!"

Die Chefs instruieren die CDs und die Kreation mit dieser Aufgabe und diese versuchen das Ganze möglichst originell aussehen zu lassen. Im günstigsten Fall kommt ein Kurier vorbei, der dem Kunden einen dicken Haufen Geld vor die Tür legt. Der Kunde ist zufrieden. Kein Pitch.

Aber man kann das Briefing auch anders auffassen. Die Aufgabe lautet nach wie vor: "Mach mir Geld." Die Chefs instruieren die CDs und die Kreation mit der Aufgabe und diese versuchen das Ganze möglichst originell aussehen zu lassen.

Der Texter sagt dem Art Direktor: "Schreib: 50 Euro." Der Art Direktor sagt dem Grafiker: "Schreib: 50 Euro. Und lass es möglichst originell aussehen." Der Grafiker reißt sich den Arsch auf und sitzt bis tief in die Nacht, aber schließlich steht "50 Euro" auf einem Geldschein. In der Reinzeichnung werden diese klitzekleinen Linien richtig angeordnet und der Produktioner hat in der Ostmongolei zufällig die gleiche Papiersorte aufgetan wie sie die Bundesbank benutzt.

Schließlich liefert die Druckerei eines Morgens einen dicken Haufen Geld vor die Agentur und die Beratung schickt es dem Kunden. Ebenfalls kein Pitch. Ginge doch auch. Und man müsste damit nicht mal an die Öffentlichkeit.

Florian hat gesagt…

Glasklar.

Florian hat gesagt…

Sollte es sich bei diesem Blog inkl. aller Kommentare um ein wahnsinnig aufwendiges Fake handeln, dann bin ich wirklich sehr begeistert. Chapeau. Selten so eine spannend verdichtete Zusammenführung aller gängigen Klischees gelesen.

Der Suchende. hat gesagt…

@Florian: Verdammte Scheisse, jetzt bist du mir doch tatsächlich auf die Schliche gekommen.

Ja, ich habe diesen Blog nur geschrieben, um ihn in den Kategorien Text und Digitale Medien einreichen zu können.

Ok, das war es dann Leute, ich höre auf.

Florian hat gesagt…

Schöner Kommentar, lieber Florian.

Ich hoffe der Suchende ist ein ebenso beißender Zyniker und alles geht hier weiter wie eh und je.

Anonyma hat gesagt…

Geht es wirklich darum, sich in der Werbung zu verwirklichen? Geht es nicht viel mehr darum, Mehrwert für unseren Kunden zu schaffen und ihn optimal zu beraten?

Müssten wir dazu nicht viel öfter aus dem Mikrokosmos Werbung heraustreten in das normale Leben? Wieder neu zu lernen, wie der Endverbraucher denkt? Uns in Demut zu üben, die wir uns abtrainiert haben?

Eine neue Form der Werbung erfinden, die nicht immer an die gleichen Wände rennt? Wo der Kunde nicht Hindernis, sondern Partner ist?

Eine Nachdenkliche.

Matt hat gesagt…

Kleine Anmerkung zur Life/Work/Idea/Ruhm-Ehre & Geld - Balance:

Du erwartest preisverdächtige Kreation.

Von Leuten, die eben zuviel Zeit mit Werbung fürs jetzt verbringen und nicht genug Zeit finden - wann auch? - um Ihren Geist weit anzureichern mit den Dingen, die in 2-5 Jahren die Welt bewegen werden.

Wenn man mal frei hat - versucht man in der Tat mal Sport, Spaß, Sex oder sonstwas angenehmes oder triviales zu tun......

Aber eigentlich ist doch nur ein wacher, neugieriger Geist die Grundlage für Ideen... geniale Ideen, die in der Zukunft neue Maßstäbe setzen werden.

Und für eben diesen Hunger nach Neuerungen - die Entwicklung der Online-Welt ist das beste Beispiel - bleibt keine Zeit mehr.

WEDER für die überarbeiteten Kreativen, die obendrein noch Lürzers und dergleichen checken müssen, um Dir keine Gab´sSchons auf den Konfi-Tisch zu legen - NOCH für Dich selbst, der in der Abstimmung so eine Genialität erkennen und begreifen und beurteilen können muss.

Du hattest 10 Jahre keine Zeit dich mit dem Wunder des Web und seiner rasanten Eigendynamik zu beschäftigen.

Wie solltest Du denn eine Über-geniale Idee beurteilen können,
wenn einer Deiner Kreativen sie Dir auf den Tisch legen würde?

Das ist das Problem.
( Und es ist toll, dass Du mit diesem blog einen Einblick bekommst
und eine eigene Urteilsfähigkeit erwirbst)

In der Work/Life/Belohnungs Balance muss IMHO Platz bleiben, um hungrig zu bleiben. Und zwar nicht hungrig auf verwerberte Werber-visual-headline Preisanzeigen - sondern auf die Welt da draussen in ihrer ganzen Komplexität und Vielfalt.


Viel zu viele mächtige Kreative geben dann auf - weil sie meinen, dass sie keine Chance/Zeit mehr haben "die jungen Leute" und das Web so richtig zu druchdringen und zu verstehen - und kaufen dann ein "Competence-Center" mit so ein paar total wirsch aussehenden Web2.0 Marketing-Schwaflern dazu, die einem dann fürs eigene Alibi Web1.0 Blenderzeugs unterjubeln.

Du bist wenigstens so mutig wirklich in den Shark-Tank zu springen und Dich von "uns2.0" zerfleischen zu lassen.

Gruss, Matt.

Der Suchende. hat gesagt…

@Matt:

Ohne Druck geht bei mir gar nichts, und ich kenne viele Kreative, die sich gerne verlieren, wenn sie keinen Druck haben.

Aber 24/7-Druck ist überhaupt nicht gut, also muss man für sich die richtige Balance finden und eine Agentur, die einem diese geben kann.

Das ist schwer und man wird immer Kompromisse machen müssen.

Ich finde, wenn eine Agentur nur noch die totale in-search-of-was-auch-immer-auspress-Mentalität fährt, dann ist man in der falschen Agentur.

Auf der anderen Seite sollte ein guter Kreativer auch so selbstkritisch sein und sich fragen, ob dieses ganze ich-hab-zu-wenig-Zeit-lamentiere nicht auch Feigheit vor der Aufgabe ist.

Zum online-Thema: Ja, ich blogge, um mich den Dynamiken des Netzes auszusetzen und daraus zu lernen. Aber es ist nicht so, dass ich vorher noch nie was von Internet gehört hattee. Und es ist auch nicht so, dass ich mich nicht täglich mit guten Ideen auseinander setze. Die Zeit nehm ich mir. Wenn es sein mus, auch zu Hause. Das macht mir ja Spaß.

Ich behaupte, in 85% aller Fälle erkenne ich eine gute Idee. Und manchmal habe ich einfach einen anderen Geschmack. Das ist dann eben das Pech meiner Leute.

Ich muss dafür auch die Birne hinhalten. Und die halte ich am liebsten vor das, wovon ich auch überzeugt bin.

15% Ideen-Frustrationsrate sind für unsere Kreativen aber ertragbar, hoffe ich.