Freitag, 29. Mai 2009

Das Wort zu Pfingsten.

Kommt heute von Robbie Williams und fasst die Aufgabe von uns Kreativen perfekt zusammen.

Auf die Frage, wie man es schafft, immer wieder neue Songs zu schreiben, hat er geantwortet, dass das eigentlich ganz einfach ist, weil es nur zwei Arten von Popsongs gibt:

Entweder Du singst: Baby, komm zu mir, ich liebe dich.

Oder du singst: Baby, komm zurück zu mir, ich liebe dich.

Genau so verhält es sich mit der Werbung.

Entweder deine Botschaft lautet: Verbraucher, komm zu mir, ich bin der Beste.

Oder sie lautet: Verbraucher, komm zurück zu mir, ich bin noch besser geworden.

(Ok, es gibt in diesen Zeiten vielleicht noch die Promotion-Variante: Verbraucher, komm zurück zu mir, ich gebe dir Discount).

Dazu passt der folgende Spot zwar überhaupt nicht. Aber er ist zumindest auch mit einem wahnsinnigen Ex-Rocker. 

Und der nimmt sich selbst darin ganz nett auf die Schippe.

TVC „Ozzy Osbourne“ für das Mobile Phone Samsung Propel. Von Leo Burnett, Chicago (wem es gefällt, es gibt zwei weitere Spots für Samsung mit dem Altrocker).

Donnerstag, 28. Mai 2009

Die kreative Blendkraft großer Namen.

Es gibt ein Phänomen in Jurys, dass sich mehr und mehr auch in den vielen Online-Archiven bemerkbar macht.

Der Beurteilungsbonus bei großen Namen.

Seien es die Namen award-verwöhnter Kreativagenturen (CP+B, W+K, Mother) oder seien es die Namen großer Marken, die für kreative Werbung stehen.

Kaum gibt es eine neue Arbeit, wird sie sogleich für gut befunden, nur weil die oben genannten, vermeintlichen Gütesiegel in den Credits stehen.

Auf Twitter poppte bei mir vorgestern folgende Nachricht einer dieser Online-Werbebanken entgegen: Go for a fantastic commercial by adidas. Dazu der Link. (Sie schreiben aber gerne auch so was wie: Shocked by the new breathtaking ad for XY).

Das hat mich natürlich neugierig gemacht und ich habe mir den Spot angesehen:

TVC „Spark“ für den neuen adidas Fußballschuh F50i von der Agentur 180, Amsterdam. Mit Zinedine Zidane und Lionel Messi.

Sicher, das ist ein Spot, der aus der Masse heraus sticht und natürlich allein durch die Starkombi Aufmerksamkeit erzeugt.

Doch aus meiner Sicht war es das auch schon.

Der Spot ist zu lang, zu konstruiert und nicht besonders überraschend. Ich finde ihn auffällig, aber nicht fantastisch. Schon gar nicht „breathtaking“.

Dennoch schwärmt die halbe Werbewelt davon und auf YouTube hat er natürlich volle Sternzahl.

Dieses Phänomen ist typisch für Jurys. Sobald eine Arbeit von Nike, Adidas oder sonst einem Kreativ-Etat auftaucht, ist die Beachtung und der Goodwill weitaus höher als bei unbekannten Namen.

Ich finde dieses Phänomen nicht dramatisch, denn die Agenturen und Marken haben sich diesen Ruf irgendwie auch hart erarbeitet.

Aber man sollte wissen, dass es existiert und nicht immer sofort die Lemminge-Haltung annehmen.


Mittwoch, 27. Mai 2009

I'm not Dave.

Nach meinem kleinen Schwächeanfall gestern (Symptom: Themenausfall) danke ich erst einmal für den allgemeinen Zuspruch. Genau das ist es, was Menschen brauchen, die Motivationsrobleme haben. 

Ihr, die Leser, habt das perfekt diagnostiziert und die richtige Medizin in den Kommentaren angewandt.

Ich möchte deshalb nur kurz auf einen anonymen Kommentator eingehen, der anregte, dass ich doch „etwas weniger Scamp und etwas mehr Dave“ verfolgen sollte.

Kurze Erläuterung für all diejenigen, die bei diesem Zitat auf der Leitung stehen: Scamp meint einen ziemlich bissigen englischen Blog über Werbung, verfasst von einem CD bei BBH (hier). Da wird teilwiese richtig abgelästert. Das Ding wurde meines Wissens auch schon mal kurz vom Netz genommen.

Dave dagegen meint den Blog des Werbeveteranen Dave Trott (hier), der fast jeden Beitrag mit den Worten a few years ago, a couple of years back, over the years, when I was, after school, etc. beginnt und seine Erfahrungen der letzten 30 Jahre zelebriert.

Eine etwas altväterliche Märchenonkelsprache („once upon a time“) und etwas altklug daher kommend. Aber meistens vertritt Dave Trott sehr gute Prinzipien und beschreibt sie auch intelligent. Ich finde nur, es wiederholt sich irgendwann.

Ich möchte betonen, dass ich beide Blogs gelegentlich überfliege und genieße – aber keiner von beiden sein will.

Ich will ich sein.

Mein Blog soll heute eher ein Spiegelbild der Seele eines Creative Directors sein, der zu den Themen schreibt, die ihn gerade beschäftigen – im Gegensatz zu den Anfängen, als ich meine "Erfahrungsberichte" zum besten gegeben habe (September 2008 bis Dezember 2008).

Der Blog gibt natürlich auch weiterhin Erfahrungen oder Tipps preis, wenn ich denke, es tut not. Der Blog erfreut sich an guter Arbeit, erzürnt sich an schlechter Arbeit und bietet ein persönliches digitales Forum für Kreative (damit ich ganz egoistisch weiterhin Erfahrung im Umgang mit ebensolchen digitalen Medien sammeln kann).

Der Blog hier gibt euch einen kleinen Einblick, wie der Kreativchef einer Agentur denkt (was nicht heisst, das alle so denken, eher im Gegenteil) und er gibt euch die Chance, jegliche Hemmschwellen zu vergessen und mit diesem Typen in (gerne auch anonymen) Dialog zu treten.

Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Hier geht es nicht um Werbung für unsere Agentur, sondern um Werbung als Leidenschaft.

Stay tuned.

P.S. Wer einen Blog mit einer richtigen Idee sucht, oder überhaupt gerade eine Idee sucht, der sollte sich den neuen Blog von zwei ehemaligen Agenturkreativen ansehen: steal our ideas.

Dienstag, 26. Mai 2009

Blogmüdigkeit: darauf gefurzt.

Ich habe eine Themenkrise. Zur Zeit fällt es mir schwer, interessante Beiträge für meinen Blog zu schreiben.

Woran liegt's?

Sicher daran, dass durch die „Krise“ (ich kann das Wort nicht mehr hören) weniger in der Szene los ist und sich alle etwas bedeckt halten. Da wird kein Stoff geliefert. Nicht mal auf Amir kann man sich mehr verlassen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich im Blog sehr viele Themen schon abgefidelt habe und natürlich jetzt davon abhängig bin, über neueste Entwicklungen zu sprechen. Da gibt es momentan aber keine (oder habe ich eine übersehen?).

Es kann aber auch sein, dass sich eine gewisse Blogroutine eingestellt hat (beim Schreiber wie beim Leser) und es einfach nicht mehr so interessant ist, den Beiträgen zu folgen.

Die Besuchszahlen lassen etwas nach, was aber an dem Wonnemonat und den vielen Brückentagen liegen kann. Und an dem bezaubernden Wetter.

Twittern ist inzwischen auch schon eine gewisse Routine für mich (wer mich "followen" will: texteregsucht). Ich kann nicht behaupten, dass ich "twittern" sensationell aufregend finde. Für mich ist es die Verlagerung infantiler sms-Texte ins Web, wobei man natürlich gegenüber dem Handy den Vorteil hat, Bilder und Verlinkungen hinzu zu fügen – und das Texten auf 140 Anschläge reduziert ist.

Twitter ist zumindest eine spannende neue Entwicklung im Netz. Man kann den Hype nur (versuchen zu) begreifen, wenn man da regelmäßig mitmacht.

Ich frage mich trotzdem, wie ein ganz normales Individuum heutzutage seinen Alltag in 24 Stunden noch geregelt kriegen soll, wenn man – neben Telefon, email, sms, Facebook (verweigere ich), Xing (verweigere ich auch), Linkedin (wurde ich zu genötigt), StudiVZ/SchülerVZ (überlasse ich meinen Kindern) – jetzt auch noch über Twitter mit anderen kommuniziert.

Der totale Vernetzungs-Wahn.

Aber gut.

Ich wollte ja in die Werbung/Kommunikation.

Ich befürchte, dass ich da einfach durch muss und so werde ich eben in den nächsten Wochen etwas häufiger das ein oder andere „vorbildhafte“ oder auch „abschreckende“ Beispiel kommentieren, das sich anzusehen oder nicht anzusehen lohnt, wenn mir kein subsantielleres Thema über den Weg läuft (wenn ihr ein Thema habt, das ihr von mir behandelt wissen wollt, bitte posten).

Heute ist das Beispiel ein neuer Spot des Regisseurs Noam Murro (der hat auch unseren Timberland-Spot „Delirium“ gedreht) für eine amerikanische Hotelkette.

Der Spot zeigt furzende Menschen. Aber sehr salonfähig.

Nett gemacht, nett anzusehen.

Unser neuer CD Willy Kaussen meinte, der Spot gewinnt was in Cannes.

Ich halte dagegen (ein Kasten Bier, Willy).



TVC „So relaxed“ für Extended Stay Hotels. Agentur: Toy, New York (ganz nette Website). Regisseur: Noam Murro.

Freitag, 22. Mai 2009

Hard Selling hat Konjunktur.

Durch die angespannte Wirtschaftslage haben bereits zu Beginn des Jahres viele Unternehmen in Deutschland ihre Kampagnen umgestellt.

Selbst in den kreativen Hochburgen wie USA oder England scheint diese Entwicklung nicht spurlos an den werblichen "Vorzeige-Etats" vorüber zu gehen. Die neuen Spots für Volkswagen in Amerika sind aus meiner bescheidenen Sicht nicht von der Qualität der früheren Spots.

Zwar immer noch anders als der normale Hard Selling Kram, aber so richtig locken sie mich nicht hinterm Ofen hervor.

Bildet euch selbst ein Urteil: Meet the Volkswagens.



Meet the Volkswagens. Die neue Kampagne von VW America von CP+B. Hat die Krise auch die kreativen Überflieger in den Griff bekommen?