Es gab viele Jahre, da konnte man beim ADC
Wettbewerb selbst mit bestem Willen keinen Grand Prix vergeben. Dieses Jahr
schafften es im ersten Wahlgang gleich sieben Arbeiten auf die Shortlist. Ich war Juryvorsitzender in der
Kategorie Film und an der Grand Prix Wahl beteiligt. Aus meiner Sicht hätten fünf Arbeiten den Grand Prix verdient gehabt. Zwei Kampagnen
haben sich am Ende förmlich um den Titel gestritten. Und zwar Kampagnen, die man
im Werbealltag gesehen hat.
Relevanz. Dieses durch die vielen Award-Diskussionen verschlissene Wort mag man kaum noch aussprechen, aber dieses Jahr sind die meisten Nägel mitten rein gehämmert worden. Fast schon sinnbildlich, dass an erster Stelle der Hornbach Hammer steht.
Totgesagte leben
länger. Wer an der Relevanz des Clubs zweifelte (was sehr häufig vorkommt), dem
hat der ADC mit diesem Wettbewerb die richtige Antwort gegeben. Hornbach
„Hammer“, Edeka „Supergeil“, Sky „Livespots“, Misereor „PlaCard“ oder mit etwas
Augen-zu-drücken wie Augenzwinkern Die Partei „iDemo“ – alles würdige Vertreter
für höhere kreative Weihen. Und alle von jeweils einer anderen Agentur. Wenn
man weiter die Goldmedaillen für starke Messeinszenierungen von Audi und
Mercedes oder das Audi Mailing "Test Drive Cube" betrachtet, kann dieses
Ergebnis durchaus motivieren.
Warum das so gekommen
ist, lässt sich nur vermuten. Ich merke in vielen Treffen mit Kunden, dass sie
den herkömmlichen penetranten und profillosen Kommunikationsauftritten immer mehr abschwören wollen und müssen,
weil damit kein Interesse beim Verbraucher mehr zu generieren ist. Der Druck, mit
Kommunikation wieder Wirkung zu erzeugen, nimmt enorm zu. Wirkung erzeugt man heute
mehr denn je mit außergewöhnlichen Ideen.
Hornbach, Edeka oder
Die Partei bieten Content, den man gerne teilt. Oder gar kauft (Hammer). Sky
und Misereor überraschen durch nie dagewesene Formate (ein Spot im Werbeblock,
der live Sequenzen aus einem gerade laufenden Champions League Spiel zeigt oder
ein interaktives Plakat, mit dem man direkt per Kreditkarte spenden kann).
Ich kann weiteren Beispielen gar nicht gerecht werden, die es ebenso verdient hätten, hier erwähnt zu
werden. Ich kann aber feststellen, dass dieses Ergebnis genau das ist, was so ein
Kreativ-Club braucht: realitätsnahe Exzellenz.
Mag sein, dass die
Awardshow wieder zu lang war, aber schließlich hatten die Organisatoren dieses
Jahr viel mehr Arbeiten und ihre Macher zu würdigen. Vielleicht ist auch die
Tatsache, dass die Besucher viele Arbeiten schon kennen, ein kleiner Nachteil. Doch
lieber so als anders herum.
Für mich bleibt die
Erkenntnis, dass wir uns als Agentur echt verdammt viel mehr anstrengen
müssen, um wieder besser beim ADC abzuschneiden als dieses Jahr. Und genau darum geht
es: die kreative Ambition bloß
nicht zur Ruhe kommen lassen.
Ich finde, der ADC hat dieses Jahr einen großen Schritt nach vorne gemacht.
Ich finde, der ADC hat dieses Jahr einen großen Schritt nach vorne gemacht.
Zwei meiner Lieblingsarbeiten des diesjährigen Wettbewerbs, die nicht so sehr im Rampenlicht standen, weil sie von den vielen anderen starken Ideen etwas überstrahlt wurde: Audi Test Drive Cube und Back to Vinyl.