Donnerstag, 9. Juli 2009

Was ist dagegen schon ein Copytest?

Wer nicht weiß, ob er überhaupt in die Werbung soll oder inzwischen von Werbung die Schnauze gestrichen voll hat, der kann hier gleich mal testen, ob er in anderen Berufen besser aufgehoben ist.

Unten folgt der Link zu einem wirklich sehr eigenwillig und technisch toll gemachten Eignungstest für die schwedische Armee.

Man kann drüber streiten, ob der Beruf Soldat noch zeitgemäß ist, aber der Test ist ganz großes Internet-Kino.

Super gemacht.

Ein überzeugendes Beispiel, wie man ein verrufenes „Produkt“ interessanter machen kann.

Link.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Weltuntergangsstimmung.

Gestern nahm ich an einem Briefing-Meeting für ein Klimaschutzprojekt teil. Wenn man mit den blanken Zahlen und Szenarien rund um das Thema Erderwärmung konfrontiert wird, kann einem wirklich mulmig werden.

Man fragt sich, warum die Menschen so selbst zerstörerisch sind. Und warum wir all unsere Energie nur auf Projekte setzen, die eigentlich nachrangig sind.

Was nützt es, den Abverkauf eines Schokoriegels zu steigern – wenn ihn schon bald keiner mehr essen kann, weil er einem in den Fingern zerrinnt?

Ideen sind gefragt, die unseren Lebensraum vor dem Kollaps retten. 

Es geht nicht mehr nur um Eisbären, es geht um Menschen.

Damit diese Ideen endlich auf den Weg gebracht werden, braucht es Kampagnen.

Unser täglicher Job.

Yann-Artur Bertrand und Luc Besson haben mit dem Film „Home“ ihre Art von Kampagne gestartet.

Bob Geldorf und Kofi Annan haben die Klimaschutz-Kampagne „tck tck tck“ bei den Werbefilmfestspielen in Cannes vorgestellt, die auf den G8 Gipfel im Dezember in Kopenhagen hin arbeitet.

Jede Initiative ist willkommen.

Ob der Regisseur Roland Emmerich mit seiner These des Weltuntergangs da noch up to date ist, darf bezweifelt werden. In seinem neuen Actionthriller "Disaster", der im November 2009 in die Kinos kommt, soll die Welt nach dem Ende der langen Zählung des Maya-Kalenders durch den Ausbruch eines Supervulkans im Yellowstone-Nationalpark im Jahr 2012 untergehen.

Zumindest sein Trailer zum Film ist gelungen und bereitet alle, die sich fragen, wie es denn aussieht, wenn die Welt untergeht, visuell schon mal darauf vor.



Trailer zu Roland Emmerichs neuem Actionthriller „Disaster“, der im November 2009 in die Kinos kommt.

Dienstag, 7. Juli 2009

AR.

Diesen Beitrag schreibe ich heute eher für mich selbst. Motto: im Auge behalten.

Eine neue Anwendung gewinnt im Internet an Attraktivität und einige Marken und Agenturen betreiben mit dieser Technik bereits ihre kommunikativen Experimente:

Augmented Reality.

Die "erweiterte Realität" ist eine computergestützte Expansion der eigenen Wahrnehmung.

In den meisten Fällen braucht man dazu (neben einem Computer) eine Webcam und einen Drucker.

Mit dem Drucker zieht man sich aus dem Netz die für „die Wahrnehmungs-Erweiterung“ nötige Druckvorlage, sozusagen eine Art Key Visual, auf die der Computer mit der Webcam reagieren kann und mit der man den jeweiligen Zinnober in sein Heim überträgt. Die Druckvorlage kann natürlich auch in einer Anzeige geliefert werden.

AR wird bei Spielen sehr gerne eingesetzt, man kann aber auch gewisse Produktdemonstrationen damit vollziehen.



Wie repariere ich meinen Wagen? Augmented Reality für BMW.

Das Ganze ist noch in einem Videospielstadium und wirkt teilweise etwas hölzern, aber auch diese Technik wird sich schnell weiterentwickeln und zu einer dieser Anwendungen gehören, die "angesagt" ist.

Ich mag mich nicht wiederholen, aber der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass man sich als Kreativer entscheiden muss, ob man einfach nur etwas Neues macht, um etwas Neues zu machen. Oder ob es zur Strategie und Kampagnenidee passt.

Zumindest wissen wir alle jetzt, worum es bei AR geht.

Das Online Archiv Bannerblog hat die 35 besten Beispiele aufbereitet (hier).

Geschmackssache.

Freitag, 3. Juli 2009

Besser verstehen.

Ich befinde mich gerade in Österreich und nehme an einer Oldtimer-Rallye im Montafon (Schruns/Tschagguns) teil.

Die Rallye wird von einem unserer Kunden veranstaltet. Der Kunde heisst Motorpresse Stuttgart und das Produkt, um das es geht, ist die Zeitschrift Motor Klassik.

Motor Klassik ist das deutsche Oldtimer-Magazin. Und das Magazin richtet drei Oldtimer Rallyes im Jahr aus: die Silvretta Classic, die Sachsen Classic und die Eiffel Classic.

Der Kunde hat mir schon häufiger von der Faszination alter automobiler Klassiker und von der Leidenschaft vieler Menschen für Oldtimer erzählt. Und am Meetingtisch meint man als Werber schnell, dass man diese Liedenschaft nachvollziehen und in Kommunikation umsetzen kann.

Doch erst wenn man selbst die "Produkterfahrung" gemacht hat, kann man den Enthusiasmus des Kunden wirklich nachvollziehen – und in neue und bessere Werbeideen umsetzen.

Ich nehme an so einer Rallye das erste Mal teil – und bin ziemlich begeistert.

Ich bin sicher, dass sich mit dieser Begeisterung ganz andere Ansätze und Ideen entwickeln lassen als ohne diese Erfahrung.

Wenn ich nun den letzten Beitrag als harten Kontrast dazu nehme (einen Beitrag, in dem es darum geht, dass Kunden ihre Etats im Internet ausschrieben und man als Kreativer null Chance hat, die Stärken und die Faszination für das Produkt real mit dem Kunden zu teilen), dann wird noch mal deutlich klar, wie sinnlos dieses Unterfangen eigentlich ist.

Und was es für eine Energieverschwendung darstellt.

Es sei am Rande erwähnt, dass ich (als Novize) nach dem ersten Rallyetag mit meinem Teampartner auf Platz 25 liege (von 178 Teilnehmern).

Hinter uns im Ranking liegen immerhin einige ehemalige deutsche Rallyefahrergrößen.

Was zeigt, dass es nicht auf Schnelligkeit, sondern auf Geschicklichkeit ankommt.

Und dass es den sprichwörtlichen Anfängerdusel (auch Dummenglück genannt) wirklich gibt.




Die Silvretta Classic ist eine Oldtimer-Rallye in und um das Montafon. Es kommt nicht auf Schnelligkeit, sondern auf Präzision und Geschicklichkeit an. Und auf den richtigen Umgang mit Stoppuhren und Lichtschranken.




Der Kenner weiss a) in was für einem Auto mein Teampartner und ich gefahren sind und b) was für ein automobiler Klassiker uns voraus fährt.

Klick picture to enlarge.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Pitch via Internet.

Seit geraumer Zeit tauchen  Wettbewerbsausschreibungen immer häufiger im Internet auf. Besonders öffentliche oder staatliche Einrichtungen nutzen das Web, um ihren gesetzlich vorgegebenen Ausschreibungsregeln „gerecht“ zu werden.

Je nach Ausschreibung gibt es einen vorgelagerten Filter, der für den Kunden klärt, ob die Agentur die in Frage kommende Aufgabe bewältigen kann (Größe, Mitarbeiter, Kunden, Know How, etc.). 

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass schon die Bearbeitung dieses Filters nicht unerheblich Zeit und Aufwand erfordert.

Passiert man ihn, erhält man online das Briefing.

Da es keinen realen Ansprechpartner gibt (höchstens eine Assistentin, die logistische oder organisatorische Fragen beantwortet), mit dem man über die Ziele, Probleme, Hintergründe und Möglichkeiten der Marke reden kann, fällt das komplett weg, was bei einer „klassischen“ Vorgehensweise das Salz in der Suppe ist.

Der nicht geschriebene Input.

In Gesprächen mit den Vertriebs- oder Marketingverantwortlichen erfährt man oft Dinge zwischen den Zeilen, die Stoff für eine tragfähige Strategie sind. In einem Nebensatz kann eine Information zu Tage kommen, die Grundlage für eine ganze Kampagnenidee sein kann.

Im digitalen Zeitalter scheint diese Qualität auf dem Altar des Wandels geopfert zu werden. In der Not stürzen sich Agenturen natürlich in die ein oder andere online Ausschreibung – auch um Erfahrungen zu sammeln, wie sich dieser neue Prozess anfühlt.

Was ich bisher erfahren konnte, so fühlt er sich höchst oberflächlich und unseriös an.

Oberflächlich, weil man als Agentur wichtige Informationen und Hintergrunderfahrungen nicht ergründen kann.

Unseriös, weil eine wahnsinnige Energie verschwendet wird und der Anstand einer geschäftlichen Zusammenarbeit mit Füßen getreten wird.

So gibt es große Ausschreibungen, an denen sehr viele (auch renommierte) Agenturen teilgenommen haben. Es haben viele Leute viele Tage an dem Projekt gearbeitet, um es dann am Tag X an eine Person (besagte Assistentin) zu schicken.

Dann hört man nichts mehr.

Wenn man Glück hat, liest man Monate später in der Fachpresse, wer den Pitch gegen welche Finalisten gewonnen hat.

Aber man bekommt keine offizielle Absage.

Keinen Kommentar, warum die eingesandte Präsentation nicht in die engere Wahl gekommen ist.

Nichts.

Mir erscheint so ein laxer Umgang mit den Ressourcen von Agenturen fahrlässig und respektlos.

Es spricht nichts dagegen, wenn ein Kunde das Netz nutzt, um Agenturen nach der Eignung für seine Aufgabe zu selektieren.

Es mag für den einen oder anderen Kunden sogar Sinn machen, mit einem Internet-Auswahlverfahren erste Ideen zu prüfen um zu sehen, ob die Art und Weise, wie eine Agentur kreativ an die Aufgabe rangeht.

Um dann einen kleinen Kreis von Agenturen noch mal persönlich zu treffen und über die Aufgabe zu reden.

Dagegen finde ich es fraglich, einen großen Pitch über das Internet auszurufen, womöglich über hundert Agenturen in einen zeit- und kostenaufwendigen Arbeitsprozess zu schicken – um dann die Präsentationen sang- und klanglos in irgendwelchen Archiven verschwinden zu lassen.

Ganz abgesehen davon, dass in einer persönlichen Präsentation einfach viel mehr Details und Emotionen einer Kampagne vermittelt werden können.

Klare Entgegnung: man muss ja nicht mitmachen.

Aber in Zeiten wie diesen will man sich natürlich den ein oder anderen Blue Chip Pitch nicht entgehen lassen und denkt darüber nach, es doch mal zu probieren.

Da empfinde ich eine Onlne-Idee von Turkish Airlines in Istanbul wenigstens so clever, dass sie die Suche der Marke nach der richtigen Agentur ein Teil der Kampagne werden lässt. 

Sie haben das Briefing für einen neuen online Job im Netz versteckt. Agenturen können es in einer virtuellen Schnitzeljagd entdecken. Wer es finden will, muss aber gewisse Fähigkeiten entwickeln, auf die der Kunde bei der Bearbeitung des neuen Jobs wert legt.

Wer es mag.