Donnerstag, 19. Januar 2012

Mehr Ostwestfalen an die Macht.

Mit dieser Schlagzeile in den größten Tageszeitungen des Bundeslandes wurde einst Gerhard Schröder von einem unbekannten Gönner unterstützt. Jeder kannte ihn irgendwann trotzdem.

Auch der Texter dieser Zeile ist beileibe kein Unbekannter. Aber das sind olle Kamellen.

Die Anzeige hat das Vorhaben von Gerhard Schröder bekanntlich nicht verhindert.

Gehen wir ins Jetzt. Die Zeile zum politischen Kontext dieser Tage lautet: Der nächste Bundespräsident muss kein Niedersachse sein.

Wie sehr das Image die Attraktivität einer Marke oder auch einer Person prägen, zeigt mal wieder die Causa Wulff.

Falsches Verhalten zur falschen Zeit (gleich schlechte Produktleistung). Gepaart mit schlechter Kommunikation.

Glaubwürdigkeit verloren, Image beschädigt.

Um das Image geht es auch bei Imageprofile. In der jährlichen Erhebung durch das Manager Magazin, gerne auch deutsche Marken-Olympiade genannt, spielt Kommunikation eine ganz große Rolle.

In insgesamt neun Kategorien wurden gestern abend im alt ehrwürdigen Hotel Atlantik in Hamburg die Sieger 
gekürt. Neben den üblichen Erfolgsfloskeln 
(hoher Qualitätsanspruch, starker Teamspirit, innovative Produkte) merkte man den Vertretern der Gewinnerunternehmen an, dass sie eins gemeinsam haben: konsequente Strategie und konsequente Haltung.

All das, was wir Kommunikationsfuzzis unseren Kunden immer wieder empfehlen und vorschlagen.

Was bei einer Unternehmensstrategie zum Erfolg führt, kann bei einer Kommunikationsstrategie nicht falsch sein.

Was alle wissen, können nur wenige umsetzen: eben dieses konsequente Handeln.

Auffällig war, das unter den 27 Finalisten drei Unternehmen aus dem unscheinbaren Ostwestfalen stammen, zwei davon sogar Sieger in ihrer Kategorie (Miele, Bertelsmann).

Vielleicht ist die vielzitierte ostwestfälische Sturheit ein guter Nährboden für Konsequenz.

Das angenehme Auftreten dieser Unternehmenslenker war denn auch geprägt von Bescheidenheit gegenüber dem Erfolg, Fairness gegenüber den Mitarbeitern und Demut gegenüber den Herausforderungen.

Auf die Frage, wie denn die Unternehmensprognose für Miele dieses Jahr lautet (nach einem sehr erfolgreichen 2011), kam die Antwort: Wir geben keine Prognose. Zumindest öffentlich.

Ein nicht-börsennotiertes Familien-Unternehmen kann es sich leisten, diese Aussage zu treffen. In einem Wirtschaftsumfeld, in dem die Psychologie der Börse und Finanzzocker den Wert eines Unternehmens (und neuerdings auch eines Landes) massiv beeinflusst.

Was im übrigen auch ganz viel mit Kommunikation zu tun.

Man streut zur richtigen Zeit eine vermeintlich schlechte Nachricht wie „Ergebnis kann trotz schweren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gehalten werden“ – schon wird das als Anzeichen interpretiert, mit dem Unternehmen gehe es bergab

Börse braucht Wachstum. Eine konstant verlässliche Betriebsleistung ist da kein Erfolg. Lieber Wachstumsluftblasen kaufen als stabile Leistungswerte.

Krank.

Diese verquere Logik führt dazu, dass Leistungen nicht mehr real bewertet werden.

Eine reale Bewertung seines Handelns ist auch unserem Mann an oberster Stelle des Staates abhanden gekommen.

In einem Jahr ist alles vergessen.

Wenn er sich da mal nicht täuscht.

Schlechtes Images verfolgen eine Marke länger, als man denkt.

Ich finde, der nächste Kanzler oder Präsident sollte mal ein Ostwestfale sein. Um Mutmaßungen gleich vorzugreifen: ich bin keiner.

Kommentare:

Matt hat gesagt…

Bin Westfale.

Hoffe auf Deine Agentur als Wahlkampfhelfer zurückkommen zu dürfen.

Matthias hat gesagt…

Dass in einem Jahr alles vergessen ist, glaube und hoffe ich auch nicht, zumindest in Sachen Wulff. Bei Unternehmen sieht es hingegen oft dann doch anders aus. Und das ist wiederum meist eine Sache der Kommunikation.
Als Shell 1996 als Partner von Ferrari und mit Michael Schumacher in die Formel 1 eingestiegen ist, stiegen die Imagewerte innerhalb kürzester Zeit von Brent Sparr auf den Stand von zuvor und darüber hinaus.
Wir "Kommunikationsfuzzis" sollten von Glück sagen. Denn für unsere Kunden besteht Hoffnung. Für Wulff wohl eher nicht...

Anonym hat gesagt…

ganz schön BILD_lastig eure Ausführungen.

man könnte die sache auch von hinten beleuchten und die frage stellen, ob es im Interesse aller ist, das es sich Deutschlands grösstes Schundblatt erlaubt Menschen und deren Privatangelegenheiten öffentlich zu machen und einen dafür an den Pranger zu stellen.

Noch spitzer formuliert bin ich der Auffassung das es geschmacklos und beschämend ist, wenn eine Zeitung Menschen und Karrieren beenden.

Armes Deutschland. Lässt sich von der Bild-Zeitung und dem Oberlutscher Diekmann regieren.

Dabei geht es mir nicht darum was ach soooo schlimmes der Wulff gemacht hat (stimmt, euch haben bestimmt noch nie Freunde geholfen - aber ja stimmt der Präsident darf das ja nicht), sondern es geht darum das ständig Leistungsträger, Lenker und Denker in Deutschland nur mies gemacht werden. Anstatt stolz zu sein solche Leute im land zu haben wird man nur mies gemacht und das Haar in der Suppe gesucht.

Und ob Ostwestfalen wirklich die besseren Politiker wären mag ich zu bezweifeln.

Nate hat gesagt…

"Noch spitzer formuliert bin ich der Auffassung das es geschmacklos und beschämend ist, wenn eine Zeitung Menschen und Karrieren beenden."

Da liegst du leider falsch. In der Regel beenden diese Menschen/Politiker ihre Karrieren selber. Und zwar, wie auch in der Causa Wulff, durch hochgradig fahrlässige und dumme Dinge, die sie tun oder sagen.

Welches Medium diese Nachricht (in aller Schmierigkeit) verbreitet, ob nun BILD oder die Sportkolummne der Märkischen Allgemeinen kann uns zum Glück Latte sein. Nennt sich, glaube ich, Vierte Gewalt. Schau mal nach Anonym...

Und in Anlehnung an deinen polemischen Satz: Armes Deutschland. Lässt sich von einem Windhund und Trickser wie Wulff repräsentieren.