Freitag, 14. Mai 2010

Gold minus?

Es ist Freitag morgen. Sehr früh am morgen. Es läuft der „ADC-Gipfel“ in Frankfurt. Und es gehen tatsächlich mehr als angenommen hin. Allen Unkenrufen zum Trotz (auch meinen eigenen) fühlt sich der diesjährige ADC-Wettbewerb bisher ganz gut an.

Ob es an der ziemlich angesagten Bar im Hotel Roomers liegt? Oder doch eher an der ernsthaften Stimmung, die mir die Juroren in den vergangenen zwei Tagen in der Messehalle 5 vermittelt haben?

Noch steht das Gesamtergebnis überhaupt nicht fest. Und die Ergebnisse, die ich kenne, werde ich natürlich nicht vorweg nehmen.

Dennoch möchte ich euch ein paar – quasi live – Eindrücke aus meiner Jury Film 1 und aus meinen sonstigen Jury-Begegnungen zu früher Stunde liefern.

Das Briefing durch den Jurypräsidenten war klar und wird von mir vollstens unterstützt: ein ADC-Nagel muss wieder mehr wert sein.

Als Konsequenz dieser Forderung wurden die Juroren gebeten, mehr Strenge walten zu lassen. Gerade bei den Gold- oder Silbermedaillen sollen die Arbeiten von einer Klasse sein, die Maßstäbe setzt. Bei Gold internationale Maßstäbe.

Diese Maßgabe wurde in meiner Jury von allen Juroren mitgetragen und wird sich in unserem Ergebnis zeigen.

Auch meine Gespräche mit Juroren aus anderen Kategorien könnte einen zu der Wette verleiten, dass die kreative Wertanlage Goldnagel in diesem Jahr seltener auf der Bühne abgeholt wird als in den Jahren zuvor.

Eine Vermutung, die nicht nur der präsidialen Vorgabe geschuldet ist, sondern vor allem auch der mäßigen Ausbeute kreativer Höchstleistungen im deutschen Lande anno 2009/2010.

Welches Stück Kommunikation hat man im Kopf, das pures Gold wert ist? Das Cannes-Beständigkeit zeigt? Oder D+AD-Tauglichekeit?

Um Gold zu bekommen, muss man als Idee in seiner Kategorie Maßstäbe setzen und international konkurrenzfähig sein.

Ich meinte zu spüren, dass viele Juroren begriffen haben, dass es nicht darum geht, sich selbst bzw. seine Agentur zu beglücken, sondern dass die Glaubwürdigkeit des Clubs und damit auch seine Daseinsberechtigung auf dem Spiel steht.

Vielleicht werde ich mich am Samstag abend, wenn die Verleihung vorbei ist und das Gesamtergebnis feststeht, mit meiner Meinung um 180 Grad drehen (müssen).

Aber Stand heute komme ich zu dem Schluss, dass es einer der konsequentesten Jurierungsprozesse seit langem war.

Auch wenn ich auf gerade eben auf Facebook schon die ersten habe lamentieren sehen, die beim ADC nur Auszeichnung bekommen haben, obwohl ihr Werk irgendwo anders international bei einem Wettbewerb etwas gewonnen hat.

Ich hoffe auf ein dünneres Buch als früher, auf jeden Fall aber auf ein weniger metallhaltiges Buch. Das entspäche meiner Wahrnehmung vom kreativen Output im letzten Jahr und wäre doch ein sehr guter Anfang gegen die vermeintliche "Medaillenbeliebigkeit", die dem Club gerne vorgeworfen wird.

Und es wäre auch ein guter Anfang für Frankfurt. Einer Stadt, die schon immer besser war als ihr Ruf.


















Alle Juroren traten in der Messehalle 5 in Frankfurt zum Gruppenfoto im "Auditorium" an. Blick aus der letzten Reihe.

Kommentare:

drikkes hat gesagt…

Wir werden sehen, abgerechnet wird zum Schluß. Seit Jahren habe ich niemanden sagen hören: "Der ADC ist gut, so wie er ist." Wirklich jeder kritisiert ihn, aber geändert hat sich (wenig bis) nichts.

drikkes hat gesagt…

178 Nägel, sicher alles brillante Arbeiten. Und nun? Ich bin gespannt auf Deinen nächsten Post.

Anonym hat gesagt…

Krass,bin jetzt echt mal auf die ADC-Diskussion gespann...bin schockiert...nicht, weil so wenig bahnbrechendes Zeug dabei war (war halt auch echt ein schwieriges Jahr), das ist schon ok, aber man kann dann doch nicht inflationär Alles auszeichnen. Dann konsequenterweise auch nur ein paar Nägel für die wenigen guten Sachen.

Dietmar Henneka hat gesagt…

die sog. flut der nägel ist das ergebnis, weil wir heute viel mehr kategorien und spezialdisziplinen haben. das sollte man bedenken. die klassische werbung ist jetzt nur eine von vielen bereichen. trotzdem war das grösste gedrängle in der ausstellung bei der flachware, vulgo anzeigen.

SZ hat gesagt…

Korrekt gebrüllt, Schwabe :-)

Anonym hat gesagt…

Der ADC lag wie so oft i den letzten Jahren sehr daneben mit seinen Preisen. Warten wir mal ab, was Hornbach & die Raifeisenbanken in Cannes so reissen. bei der OneShow und beim DA&D: Fehlanzeige. Nur mal so dazwischengeworfen.