Dienstag, 13. April 2010

Schwimmen, nicht filtern.

Kommunikation in den sozialen Netzwerken funktioniert nicht so, wie wir klassischen Werber es gewohnt sind. Da beisst die Maus keinen noch so strammen Faden ab, auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen.

Kontrollverlust ist sicher ein wichtiger Grund, warum sich viele Kunden hierzulande immer noch nicht voller Überzeugung an dieses Medium heran trauen. Obwohl man mit guten Konzepten viel erreichen kann. Bei weniger finanziellen Einsatz.

Ich bin seit einiger Zeit bekanntlich auf Facebook und Twitter unterwegs und ja, es geht mir teilweise gehörig auf die Nerven, was meine Freunde da so an Informationsmüll absondern.

Aber ich kann sie ja verbergen. Oder wieder entfernen.

Und auch ich sondere für viele meiner Freunde sicher "Müll" ab (siehe mein neuestes Portraitbild rechts - hat mich gleich 3 "Freunde" gekostet).

Es bleibt aber mir überlassen, welchen Kreis von „Informanten“ ich aufbaue, um mich mit der Chance auf Neuigkeiten versorgen zu lassen, die mich wahrscheinlich interessieren würden.

Letzte Woche zum Beispiel wurde ich in meinen sozialen Netzwerken auf ein Interview der Fachzeitschrift Horizont hingewiesen, über das ich erst heute erst etwas reflektieren kann.

Der Zukunftsforscher und Organisationspsychologe Peter Kruse hat sich zu der „Erscheinung“ der sozialen Netzwerke und einem sinnvollen Umgang geäußert.

Das Interview bietet dem Facebook- oder Twitter-Junkie nicht so viel Neues, allerdings ist eine seiner vielen Antworten so treffend, so dass ich sie hier zitieren möchte.

Es geht darum, wie man die für einen interessanten Informationen in den sozialen Netzwerken aus dem permanenten Strom an Informationen herausfiltert. Für ihn ist das keine Sisyphus-Aufgabe, sondern eine Frage der Informationsverarbeitungsstrategie.

Zitat:

„Wenn man alle Informationen in den sozialen Netzwerken detailliert nachvollziehen wollte, wie beim Lesen eines Buches – detailsicher bei Kontext und Zitat – dann platzt einem irgendwann die Birne. Es gilt Unschärfen zu akzeptieren.

Nämlich wie?

Schwimmen, nicht filtern.

Dann spürt man die Strömung, die Dynamik der Welt.

Wenn jemand anfängt zu twittern, frag ich mich immer: nutzt er Twitter als PR-Instrument, will er kontrollieren oder will er wirklich mitschwimmen, möchte er Teil dieser Dynamik werden?

Es geht darum, angekoppelt zu sein, es geht um die Lust an der Unkalkulierbarkeit.

Es ist eine Form zu leben, anstrengend aber anregend – eine Bereicherung.

Wer „Herr oder Frau der Lage“ bleiben will, für den ist das Internet inzwischen ein sehr unangenehmes Medium.

Wer einen Ameisenhaufen aufräumen möchte, wird sich schnell überfordert fühlen. Wer aber beobachtet, welche Wege die Ameisen gehen und wie sie ihren Staat organisieren, für den ist das ein faszinierendes Geschehen.

Aber, wem es dennoch auf Dauer nicht gelingt, Muster zu erkennen, der läuft Gefahr, einfach ins Driften zu geraten. Das verbraucht nur viel Zeit und bringt nichts und ist noch am ehesten der unproduktiven Gedankenflucht in einem psychotischen Schub vergleichbar.“

Bingo.

Hier das vollständige Interview.

Kommentare:

martinsponticcia hat gesagt…

Peter Kruse mit Anderen im letzten ZDF Nachtstudio. Es ging auch umd das Thema.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1004980/nachtstudio-vom-11.-April-2010#/beitrag/video/1004980/nachtstudio-vom-11.-April-2010

Anonym hat gesagt…

auch wenn es immer häufiger vorkommt gezielte werbebotschaften in sozialen netzwerken einzuschleußen geht es trotzdem in aller erster linie immer noch um freunde, was sie machen, was sie bewegt, interessiert, usw. auch wenn mich nicht immer interessiert wann einer aufs klo muss oder welche dummen kommentare abgesondert werden, sind diese botschaften authentisch und echt. die sind mir dann immer noch lieber als solche pseudofreunde oder botschaften die mich auf irgend ein produkt lenken. und wenn es um ein paar ecken geht. man weiß doch gar nicht mehr wem man trauen kann, was überhaupt war ist, etc... es fängt schon eher an zu nerven...

aber das mit dem schwimmen ist schon sehr schön getroffen...