Dienstag, 26. Mai 2009

Blogmüdigkeit: darauf gefurzt.

Ich habe eine Themenkrise. Zur Zeit fällt es mir schwer, interessante Beiträge für meinen Blog zu schreiben.

Woran liegt's?

Sicher daran, dass durch die „Krise“ (ich kann das Wort nicht mehr hören) weniger in der Szene los ist und sich alle etwas bedeckt halten. Da wird kein Stoff geliefert. Nicht mal auf Amir kann man sich mehr verlassen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich im Blog sehr viele Themen schon abgefidelt habe und natürlich jetzt davon abhängig bin, über neueste Entwicklungen zu sprechen. Da gibt es momentan aber keine (oder habe ich eine übersehen?).

Es kann aber auch sein, dass sich eine gewisse Blogroutine eingestellt hat (beim Schreiber wie beim Leser) und es einfach nicht mehr so interessant ist, den Beiträgen zu folgen.

Die Besuchszahlen lassen etwas nach, was aber an dem Wonnemonat und den vielen Brückentagen liegen kann. Und an dem bezaubernden Wetter.

Twittern ist inzwischen auch schon eine gewisse Routine für mich (wer mich "followen" will: texteregsucht). Ich kann nicht behaupten, dass ich "twittern" sensationell aufregend finde. Für mich ist es die Verlagerung infantiler sms-Texte ins Web, wobei man natürlich gegenüber dem Handy den Vorteil hat, Bilder und Verlinkungen hinzu zu fügen – und das Texten auf 140 Anschläge reduziert ist.

Twitter ist zumindest eine spannende neue Entwicklung im Netz. Man kann den Hype nur (versuchen zu) begreifen, wenn man da regelmäßig mitmacht.

Ich frage mich trotzdem, wie ein ganz normales Individuum heutzutage seinen Alltag in 24 Stunden noch geregelt kriegen soll, wenn man – neben Telefon, email, sms, Facebook (verweigere ich), Xing (verweigere ich auch), Linkedin (wurde ich zu genötigt), StudiVZ/SchülerVZ (überlasse ich meinen Kindern) – jetzt auch noch über Twitter mit anderen kommuniziert.

Der totale Vernetzungs-Wahn.

Aber gut.

Ich wollte ja in die Werbung/Kommunikation.

Ich befürchte, dass ich da einfach durch muss und so werde ich eben in den nächsten Wochen etwas häufiger das ein oder andere „vorbildhafte“ oder auch „abschreckende“ Beispiel kommentieren, das sich anzusehen oder nicht anzusehen lohnt, wenn mir kein subsantielleres Thema über den Weg läuft (wenn ihr ein Thema habt, das ihr von mir behandelt wissen wollt, bitte posten).

Heute ist das Beispiel ein neuer Spot des Regisseurs Noam Murro (der hat auch unseren Timberland-Spot „Delirium“ gedreht) für eine amerikanische Hotelkette.

Der Spot zeigt furzende Menschen. Aber sehr salonfähig.

Nett gemacht, nett anzusehen.

Unser neuer CD Willy Kaussen meinte, der Spot gewinnt was in Cannes.

Ich halte dagegen (ein Kasten Bier, Willy).



TVC „So relaxed“ für Extended Stay Hotels. Agentur: Toy, New York (ganz nette Website). Regisseur: Noam Murro.

Kommentare:

Puller hat gesagt…

Vielleicht wäre es ja ein Thema, warum ein neuer CD
(eurer) offensichtlich die Qualität eines Spots danach
bemisst, ob er in Cannes was gewinnt. Möglicherweise
wohnt er auch gern in einem solchen Hotel, man ist eben gern unter Seinesgleichen. Puller

Anonym hat gesagt…

Make yourself at home. Schönes Ding!

jochens hat gesagt…

ganz nett. wäre subtiler lustiger. (ohne das flattern der blätter usw...) und 40sek hättens wohl auch getan. büschen zu lang. cannes? nö!

milchsaeure hat gesagt…

Alte Idee: Mann fühlt sich in Hotel sosehr zuhause, das er in Unterhose beim Kaffeetrinken furzt. Im Speisesaal vor allen anderen Gästen.
Claim: We'll make you feel at home. City Lodge. (Regie: Lou van Rensburg; Production: freshwaterfilms).
Kann also gut sein, das der in Cannes gewinnt. Gruss an Willy.

Der 2. Film auf:
http://chillibean.net/perl/sohosoho/player/player.pl?token=GY01HLLS&autoplay=1

Fabian hat gesagt…

Hi Stefan, mich würde mal interessieren, was in sogenannten Kreativagenturen vor sich geht, wenn man z.B. den aktuellen Spot von der VHV Versicherungen sieht, mit Dieter Bohlen (S&F).

http://www.horizont.net/kreation/tv/pages/protected/show-2456.html

Wie weit kann man eigentlich die Schere aufmachen, zwischen den Sachen, die man für den ADC macht und den Sachen, die man real macht. Das ist doch grausam. Zeichnet sich eine Kreativagentur nicht auch dadurch aus, dass man es schafft seine Arbeiten dem Kunden zu verkaufen. Für mich ist das Schizo.

Diese Arbeit hätte auch von GREY kommen können. Da wird ohne kreatives Rückrat der Kunde zufrieden gestellt.

Viele reden in Deutschland davon, dass wir als kreative Unternehmensberater auftreten sollen. Dabei müssen wir doch erstmal als Kommunikationsdienstleister ernst genommen werden.

Das muss man sich erarbeiten und dazu, finde ich, braucht man einen gewisssen Stolz.

WER WILL SOLCH EINE WERBUNG SEHEN?

milchsaeure hat gesagt…

Seit wann ist S&F eine Kreativagentur. Goldideenbude triffts besser. Auf großen Marken machen Sie nur Schrott. Wer erinnert sich nicht an Iglo Rahmspinat oder Honda Accord?

foren hat gesagt…

Hi Stefan,

nicht verzagen, weiter bloggen und tweeten ;-). Momentan glaube ich ( oder bilde mir ein), dass es den Freien, den Zulieferern und Dienstleistern hilft, sich schneller in die Denke einer Agentur oder der Kreativen einzufinden. Wer täglich in einer Agentur unter Seinesgleichen ist, hat vielleicht eher das Gefühl, dass der Austausch dort sinnvoller ist. Für Freie sind Blogs wie dieser, oder Twitter durchaus wertig, gerade wenn sie für unterschiedliche Kunden arbeiten...my 2 cent.

Anonym hat gesagt…

irgendwie ganz nett aber ob der was in cannes gewinnt?! ich kann es mir ja nicht vorstellen. es sagt doch fast jedes hotel von sich das man sich wie zu hause fühlt. und furzen tun alle und überall. da brauch ich auch kein hotel...

und mal hier nicht hängen lassen. wie wäre es dann mal mit spanischen, italienischen oder brasilanischen wochen? was geht denn bei denen so ab? ist hamburg immer noch werbestadt nr.1? oder haben uns andere städte überholt?

Fabian hat gesagt…

Werbestadt Nr. 1? Vielleicht in den 90's.

Anonym hat gesagt…

dranbleiben! als tipp - oder inspiration: schöpf doch ein bisschem mehr aus deinem erfahrungsschatz. in der branche erlebt man so viel zwischenmenschliches, verrückte geschichten, lernt so viele leute kennen... da werden doch in zwanzig jahren einige zusammen gekommen sein. oder anders ausgedrückt: etwas weniger scamp - dafür etwas mehr dave.

was ich persönlich gerade ziemlich spannend finde, ist "integriert" zu arbeiten. ich sitze in einer guten aber doch auch sehr klassischen agentur. der wunsch und die anstrengungen sind groß, dinge ganzheitlich anzufassen. die ideen leisten es oft auch. aber sobald es dann konkreter wird, bleiben wir wieder in den klassischen medien hängen. woran es scheitert? in meiner erfahrung überraschend oft beim kunden. macht ihr bspw. für skoda auch den internetkram? oder macht das die onlineagentur, mit der ihr zusammensitzt? oder haben die da einfach eine andere? kriegt ihr es dann hin, euren leitgedanken durch die kanäle durchzusetzen, obwohl ihr dann mit völlig anderen agenturen zu tun habt?

Anonym hat gesagt…

Ein paar Tipps und Tricks für Juniors würde ich wieder sehr spannend finden.

lg

Anonym hat gesagt…

Oh, da möchte ich mich meinem annonymen Vorredner gerne anschließen.

SZ hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
SZ hat gesagt…

@Anon15:22h + 15:53h: Habt ihr schon die ersten 100 Tipps inhaliert (siehe Beiträge September - Dezember 2008)?

SZ hat gesagt…

@Fabian: Das Problem der zwei Agenturgesichter (Tagesmaske Reklame, Nachtmaske Goldideen) ist ein Phänomen, das sich besonders große Agenturen zulegen. Wie du richtig sagst, hat das etwas mit Stolz zu tun. Mit Haltung. Mit Philosophie. Aber wie viele Menschen in deiner Umgebung kennst du, die diese Eigenschaften haben? Eben! Warum soll es mit Agenturen anders sein.

Anonym hat gesagt…

Gewinnt nix!