Dienstag, 30. Dezember 2008

Vorsätze?

Vor ein paar Jahren haben meine Frau und ich vor dem Jahreswechsel zusammen mit unseren Kindern unsere Vorsätze aufgeschrieben. Jeder hate 5 bis 8 Vorsätze auf einem eigenen Zettel formuliert

Natürlich hatten wir beiden Erwachsenen uns vorgestellt, dass die Eigenmotivation der Kinder angestachelt wird und wir ihnen ein paar erzieherische Aspekte unterjubeln können (so was wie: in Mathe eine Note besser werden, Zimmer einmal die Woche aufräumen, etc.)

Ein Jahr später haben wir den Zettel wieder hervor geholt und festgestellt, dass kein einziger Vorsatz (von keinem von uns) auch nur annähernd in die Tat umgesetzt wurde.

Der Fehler ist, sich zu viel vorzunehmen.

Ein einziger Satz verspricht mehr Aussicht auf Erfolg als eine ganze Liste.

Nur einen einzigen Vorsatz formulieren. Vom 1.1. an ganz konsequent im Blick haben. Und alles daran setzen, ihn zu verwirklichen.

Als kleinen Kompromiß kann man sich pro Lebensbereich je einen Vorsatz herauspicken. Einen Vorsatz im Privatleben. Und einen im Berufsleben.

Vorsätze für Kreative gibt es jede Menge. Hier eine Auswahl aus meinen früheren Listen (als ich noch Texter war):

Einen Claim schreiben, den jeder kennt.
Eine gute Idee pro Tag.
Eine Kampagne on air kriegen, die jeder sieht.
Einen neuen Etat gewinnen.
Einen Nagel beim ADC.
Eine Löwen in Cannes.

Der Vorsatz darf nicht illusorisch sein, sondern muss erreichbar erscheinen. Natürlich mit dem Wissen, dass es einer größeren Anstrengung bedarf.

Ich glaube daran, dass Vorsätze eine gute Motivation für unser tägliches Kreativschaffen sind.

Ein Vorsatz ist ja nichts anderes, als für sich selbst ein Ziel zu formulieren.

Auch bei Kunden weisen wir immer darauf hin, dass ein Spot oder eine Kampagne nicht viele verschiedene Ziele erreichen kann. Es war schon immer erfolgversprechender, ein einziges Ziel im Visier zu haben.

Der Jahreswechsel ist ein willkommener Anlass für ein neues Ziel und gibt einem das Gefühl, ganz frisch anfangen zu können.

Man sollte den Vorsatz auf jeden Fall schriftlich fixieren – und zwar so, dass man ihm immer mal wieder automatisch über den Weg läuft. Bau dir einen Bildschirmschoner mit dem Schlüsselwort. Oder leg dir ein weißes Blatt Papier mit dem Vorsatz oben in die Schublade. Oder pack dir den Zettel in die Geldbörse.

Mein Vorsatz?

Ich habe mir vorgenommen, dass unsere Agentur endlich mal im deutschen Kreativranking auftaucht.

Bisher haben wir uns da in den letzten 9 Jahren so gut wie nie aufgehalten und ich würde gerne mal erfahren, was sich mit der Agentur tut, wenn wir unter die ersten 20 kommen.

Wie das während der Finanzkrise bei knapper und knapper werdenden Budgets gehen kann – und wie wir das mit meiner sehr skeptischen Haltung zu Fakes hinbekommen – wird eine große Herausforderung sein.

Wenn der Blog Ende nächsten Jahres noch existieren sollte, könnt ihr mich auf den heutigen Tag und meinen Vorsatz festnageln. Es steht zu befürchten, dass ich mich einigen hämischen Kommentaren ausgesetzt sehen werde.

That’s part of the game.

Im übrigen würde ich es begrüßen, wenn ein paar Leidensgenossen ihre Vorsätze hier auch veröffentlichen, damit ich in einem Jahr nicht so ganz alleine dumm da stehe.

Schnitt.

Das ziemlich eindeutige Ergebnis meiner "Soll ich weiter machen?"-Umfrage hat zur Folge, dass ich auch nach dem 100. Beitrag den Blog fortsetzen werde. Was bedeutet, dass wir uns also auch in 2009 noch öfter sprechen werden.

Herzlichen Dank für Euer stetig wachsendes Interesse. Mir macht das großen Spaß.

Ich wünsche allen meinen Bloggern einen guten Rutsch.

Und einen trefflichen Vorsatz.


Tipp 83: Lieber nur einen einzigen Vorsatz als eine ganze Liste.



Kobe Bryant/Shaquille O’Neal.



Jason Kidd/Chris Paul



Manu Ginobilli/Steve Nash



Antawan Jamison/Ben Wallace



Derek Fisher/Marcus Camby

Das ist meine internationale Lieblingskampagnen 2009. Einfach und doch irgendwie überraschend. Und sie kommt total auf den Punkt.

There can only be one. Die Kampagne für die NBA-Playoffs im April 2008.
Agentur: Goodby, Silverstein & Partners, San Francisco.

Eine Kampagne wie diese zu entwickeln wäre doch ein guter Vorsatz.

Montag, 29. Dezember 2008

Das goldene Flügelschwein.

Das Jahr schreitet unaufhaltsam seinem Ende entgegen und die Weihnachtsgans hat mich so träge gemacht, das mir nichts Orginelleres einfällt als mein kreatives Resümee zu ziehen.

Dazu werde ich heute – zum ersten Mal – meine goldenen Flügelschweine für wirklich innovative kreative Arbeiten vergeben.

Sollte es in meinen drei Kategorien (Kampagne, Einzelarbeit, Viral) nicht zum goldenen Flügelschwein reichen, gibt es immerhin noch das superrosarote Flügelschwein als Anerkennung.

Und natürlich werde ich auch das zitronengelbe Flügelschwein für meinen Flop des Jahres vergeben.

Fangen wir an.


Welche Kampagne hat in Deutschland einen neuen kreativen Standard gesetzt (eine, die sichtbar und kein Fake war)?






Das goldene Flügelschwein fliegt zu Hornbach und der Agentur Heimat, Berlin.

Hornbach ist momentan die einzige Marke in Deutschland, die sich sehr mutig und sehr ungewöhnlich präsentiert. Und nicht erst seit diesem Jahr.

Der Spot "Vorstellung" und die Botschaft „Du kannst es dir vorstellen. Also kannst du es auch bauen"“ mögen vielleicht nicht das innovativste Stück in der Kampagne sein, aber der gesamte Auftritt besitzt eine kreative Vorreiterrolle in Deutschland.


Welche kreative Einzelarbeit hat einen neuen kreativen Standard gesetzt (eine, die sichtbar und kein Fake war)?






Das goldene Flügelschwein fliegt zum Kein & Aber Verlag und der Walker Werbeagentur.

Nur eine einzige "schlüpfrige" Doppelseite in der konservativen FAZ hat genügt, um die Presse auf Trab und den Verlag sowie den Ratgeber, der hier beworben wird, ins Gespräch zu bringen.


Welcher virale Idee hat in Deutschland einen neuen kreativen Standard gesetzt (eine, die sichtbar und kein Fake war)?






Das goldene Flügelschwein grunzt etwas unglücklich und bleibt im Stall. Aber das superrosarote Flügelschwein fliegt anerkennend zu YouTube und Kolle Rebbe.

Für eine Aktion zur Fußball-Europameisterschaft. Fans drehen kleine Filme zur EM, aus denen dann ein Kinofilm unter der Regie von Detlef Buck produziert wird.

Bleibt noch das zitronengelbe Flügelschwein.


Welche kreativ ambitionierte Kampagne in Deutschland hat sich vergaloppiert?




Das zitronengelbe Flügelschwein fliegt zu Mini und der neuen Online-Kampagne für sein Cabriolet.

Hält man die Einführungsanzeige oder ein Blatt Papier hier vor seine Webcam, erscheint unter gewissen Systemvoraussetzungen (nerv) auf dem Monitor das neue MINI Cabrio als virtuelles Modell, das man über die Bewegung der Anzeige bzw. des Papieres drehen und wenden kann.

Problem: es dauert lange, beim Drehen kommt man sich ziemlich albern vor und der Wagen sieht dazu noch unvorteilhaft aus. Das alles geklammert mit der nun wirklich sehr plumpen Botschaft für ein Cabriolet: "Immer offen".

Da lobe ich mir einen soliden 360˚ Drehteller, mit dem ich den neuen Wagen im Internet begutachten kann.

Diese Aktion zeigt:

Tipp 82: Neu sein nur um des Neuseins Willen reicht alleine nicht für eine starke Kampagne.

Samstag, 27. Dezember 2008

Altes Kreativ-Europa vs. neues Kreativ-Europa.

Die Einführung des neuen VW Golf (VI) vor ein paar Wochen in Deutschland hat sicher jeder noch im Kopf. Nicht, weil sie so ungewöhnlich war. Eher, weil man als Kreativer natürlich interessiert beobachtet hat, wie eine Ikone der Automobilindustrie im Heimatmarkt werblich präsentiert wird.

Der TV-Spot „Wertigkeit“ (von DDB Berlin):



Mit zeitlicher Verzögerung wird der gleiche Wagen nun in England eingeführt. Seit gestern läuft das folgende Stück Werbung.

Der TV-Spot „Fight“ (von DDB London):




Unterschiedlicher kann die werbliche Einführung des gleichen Wagens kaum sein.

Hier die reine Produkterotik, die aber in keiner Faser ihres Auftrittes überrascht und sehr rational geprägt ist.

Dort ein rasanter Actionfilm, der die Stilelemente von Kinohits wie Matrix und Bourne Identity aufgreift und den Betrachter zu verblüffen versucht.

Ein Film, wie man sich als Kreativer gut gemachte Kommunikation vorstellt. Kommunikation von heute.

Wie kommt so ein riesiger Unterschied zustande?

Nicht durch extensive Planningprozesse. Nicht durch Marktforschung. Nicht nur Konzept-Pretests.

Durch unterschiedliche Geschmäcker.

Am Ende aller vor-kreativen und kreativen Prozesse entscheiden die Entscheider.

Die Menschen, die in den jeweiligen Unternehmen das letzte Wort für die Kommunikation haben.

Das kann mal ein Vorstand sein, der sich mit Marketing und Kommunikation nicht täglich beschäftigt, aber es sich (zurecht) vorbehält, zu entscheiden, was von seinem Unternehmen an die Öffentlichkeit gelangt.

In diesem Fall hängt es davon ab, wie sein Vertrauen zu den Leuten ist, die für die Kommunikation zuständig sind.

Das kann aber auch ein Marketing Director sein, der vom Vorstand mit großer Entscheidungsbefugnis ausgestattet ist.

Ob der eine oder der andere: Was man immer wieder unterschätzt ist, dass die kreative Entscheidung vom ganz persönlichem Geschmack der Entscheider abhängt. Von ihrem Bauchgefühl. Von ihren eigenen Reflexionen. Von ihrem individuellen Verständnis für Kommunikation.

Beim deutschen Golf-Einführungsfilm haben die Entscheider Wert darauf gelegt, die Qualität des Autos herauszustellen. Sie glauben daran, dass sich der heutige Konsument in einem Werbeblock von solch einem Spot überzeugen lässt und motiviert wird, sich mit dem Wagen auseinander zu setzen. Ja, vielleicht sogar am nächsten Tag zum Händler gehen.

Beim englischen Einführungsfilm haben die Entscheider Wert darauf gelegt, die Betrachter zu überraschen und ein großes Stück ungewöhnlicher Werbung zu präsentieren. Werbung, die unterhält. Werbung, über die man spricht.

Hier war die Aufgabe, erst einmal aus dem Meer der Informationen herauszustechen mindestens genauso wichtig wie die, Botschaften zu verankern.

Ich denke, das ist eine gute Überlegung.

Man hat es jeoch nicht getan, ohne auch gewisse Tugenden, für die der Wagen steht, zu dramatisieren: deutsche Ingenieurskunst.

Natürlich glaubt man als Kreativer, ja man hofft es förmlich, dass die kreative Überraschung das kühle Präsentationsdiktat von Materialien schlägt.

Ob dem so ist, werden die nächsten Jahre klären, denn die Kommunikation vollzieht gerade einen großen Wandel.

Ich meine damit nicht die Medien selbst, sondern die Art, wie Inhalte präsentiert werden.

Für mich ist der deutsche Golf-Spot die alte kreative Schule. Und der englische Golf-Spot die neue kreative Schule.

Alte Schule: Werbung diktiert. Neue Schule: Werbung unterhält.

Wir werden lernen müssen, dass Werbung mehr und mehr eine Form von Geschäft wird: Wir (die Absender) bieten eine gewisse Form von Unterhaltung. Und wenn sie interessant gemacht ist, beschäftigt sich er (der Betrachter) zum Dank mit unserer Botschaft.

Die gegenläufige Entwicklung der beiden „Schulen“ hat sich in diesem Jahr stark zugespitzt.

Sehr viele große und tradierte Marken haben begonnen, im Internet ein ganz anderes Gesicht zu entwickeln. Manche investieren viel Geld in dieses Gesicht. Siehe unter anderem hier.

Es wird interessant zu beobachten sein, wie der Prozess weiter geht, denn je nach Entscheider bzw. Agentur werden wir hier noch den ein oder anderen Zusammenprall der Kulturen erleben.

Als Kreativer muss man überlegen, wie man seinen Kunden da weiter helfen kann, ohne sie zu überfordern oder zu verunsichern. Und wie man ihre persönlichen Geschmäcker – die oft noch die Geschmäcker der digitalen Immigranten sind – an die Geschmäcker der digitalen Eingeborenen, den jungen Konsumenten (euch?), heranführt.

Wie groß die Aufgabe und wie steinig dieser Weg ist, zeigt auch die Tatsache, dass der deutsche Golf-Film aus einer Agentur kommt, in der der Kreativchef nicht müde wird, öffentlich vom Paradigmenwechsel in der Werbung zu predigen.

Willkommen in 2009.

Tipp 81: Werbung wird zum Tauschgeschäft: Unterhaltung gegen Information.

Dienstag, 23. Dezember 2008

Heute keine Werbung.

Ich wünsche jedem Leser dieses Blogs ein Fest, das so läuft, wie er es für perfekt hält.

In den nächsten Tagen bis zum Jahreswechsel werde ich hier sicher noch das ein oder andere absondern, allerdings nicht jeden Tag.

Wem also langweilig sein sollte, der kann gerne vorbeischauen.

Um ein bisschen in Stimmung zu kommen, habe ich den besten Weihnachtssong aller Zeiten für Euch aufgelegt.

Als Original. Und als Kopie. (Das passt einfach so gut zur Werbung).

Vielen Dank für euer Interesse und eure Kommentare.

Frohe Weihnachten.

Tipp 80: Es muss auch mal ein Leben ohne Werbung geben.




I believe in Father Christmas. Original von Greg Lake (ex Emerson Lake Palmer)



I believe in Father Christmas. Kopie von U2.


They said there’ll be snow at christmas
They said there’ll be peace on earth
But instead it just kept on raining
A veil of tears for the virgins birth
I remember one christmas morning
A winters light and a distant choir
And the peal of a bell and that christmas tree smell
And their eyes full of tinsel and fire

They sold me a dream of christmas
They sold me a silent night
And they told me a fairy story
till I believed in the israelite
And I believed in father christmas
And I looked at the sky with excited eyes
till I woke with a yawn in the first light of dawn
And I saw him and through his disguise

I wish you a hopeful christmas
I wish you a brave new year
All anguish pain and sadness
Leave your heart and let your road be clear
They said there’ll be snow at christmas
They said there’ll be peace on earth
Hallelujah noel be it heaven or hell
The christmas you get you deserve

Sonntag, 21. Dezember 2008

Mehr e-Gnoranz entwickeln.

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich früher 10 bis 20 mal zum Postkasten draußen gelaufen bin und nachgesehen habe, ob noch ein Brief angekommen ist. Auch saß ich nicht den ganzen Tag neben meinem Telefon. Und wenn es mal geklingelt hat, als ich gerade auf dem Klo war, habe ich nicht alle meine Bekannten abtelefoniert um zu fragen, ob sie gerade versucht haben, mich anzurufen.

Die Segnungen der digitalen Welt bringen auch eine Entwicklung mit sich, die unsere Konzentriertheit und unsere Fokussierung mächtig stören.

Besonders für Kreative können e-Mails, ob über BlackBerry, iphone oder Computer empfangen, sehr destruktive Wirkungen mit sich bringen.

Ich beobachte es an mir selbst. Ich beobachte es an meinem Umfeld. Ich beobachte es eigentlich jeden Tag.

Beobachtung eins: Ich sitze vor einer kreativen Herausforderung, sagen wir mal, ich schreibe eine Präsentation oder denke über einen TV-Spot nach. Ich komme nicht weiter und der Blick fällt auf mein Labtop, das da vor mir steht. Zwar etwas weg gerückt, aber aufgeklappt.

Natürlich habe ich diesen nervigen Signalton abgestellt, der einen darauf aufmerksam macht, das eine neue e-Mail eingetroffen ist. Aber es gibt ja noch den gelben kleinen Briefumschlag auf lilafarbenem Entourage „e“, der mir über die Menüeleiste besagt: Du hast Post.

Schnell bin ich geneigt, den Briefumschlag zu eliminieren und in Entourage nachzusehen, ob das wichtige Mail, das der Kunde telefonisch avisiert hat, bereits eingetroffen ist.

Ich bin, wenn man ehrlich ist, gar nicht so unfroh darüber, denn ich kam ja gerade eh nicht weiter oder hatte keine Idee.

Nennen wir dieses Angewohnheit mal: e-Ablenkung.

Beobachtung zwei: Ich komme zu jemanden ins Zimmer um mit ihm einige Dinge für das nächste Kundenmeeting zu diskutieren. Immer wieder fällt der Blick meines Gegenüber auf sein Labtop. Er nickt zu meinen Äußerungen, brummt zustimmend, doch nebenher tippt er immer wieder auf seiner Tastatur herum.

Als ich ihn frage, wann er denn die besprochenen Schritte umsetzt, kommt als Antwort: "Äh, wie? Äh, sorry, ich habe gerade nicht zugehört".

Noch mal erklären. Noch mal darüber diskutieren.

Nennen wir diese Angewohnheit: e-Energieverlust.

Beobachtung drei: Ich halte eine wichtige Präsentation, suche den Augenkontakt zu den Entscheidern. Ich merke, dass der eine Entschieder mit seinem BlackBerry unterm Tisch beschäftigt ist und der andere Entscheider gerade aufsteht, weil sein iphone vibriert. Er verlässt den Meetingraum. Wenn man Glück hat, murmelt er noch eine Entschuldigung in den Raum.

Ganz abgesehen, dass dieses Verhalten für die geleistete Arbeit des Präsentierenden nicht gerade eine große Respektsbezeugung ist, führen solche Nebentätigkeiten der wichtigen Personen oft dazu, dass die anschließende Diskussion die präsentierte Kampagne kurzerhand beerdigt.

Vielleicht, weil einige Personen in den wichtigen Phasen gerade abwesend waren?

Nicht nur Zeit verloren. Sondern auch Geld. Und vielleicht eine großartige Idee.

Nennen wird diese Angewohnheit: e-Leichtfertigkeit.

Beobachtung vier: In unserer Firma geht ein Anruf für mich ein. Der Empfänger des Anrufes schickt ein e-Mail an mich, dass ich dringend innerhalb der nächsten Stunde den Kunden zurückrufen soll.

Kein weiterer Kommentar: e-Dummheit.

Beobachtung fünf: Irgendein Projekt ist in der Agentur in die Hose gegangen. Es folgen lange Erklärungsmails eines Beteiligten an alle anderen Beteiligten, warum das genau so gekommen ist. Und dass er vorher schon darauf hingewiesen hat (per e-mail), dass es so kommen wird, wenn das und das nicht eingehalten wird.

Aber: das Mail rettet weder das Projekt. Noch den eigenen Arsch, wenn man wirklich dafür verantwortlich ist.

Diese Angewohnheit ist: e-Alibi.

e-Ablenkung, e-Energieverlust, e-Alibi: Es gibt sicher noch viele andere e-Abarten. Und mal ehrlich, jeder von uns schreibt solche Mails wie ich sie oben beschrieben habe. Oder spielt in Meetings an seinem BlackBerry bzw. iphone herum.

Zuallererst muss man feststellen, dass es verdammt unhöflich ist, so zu agieren.

Darauf könnte man entgegnen, e-Verhalten gehört zum Lauf der Zeit und manche Präsentationen sind einfach totlangweilig. e-Mails sind eben der Schriftverkehr der Moderne.

Das e-Zeitalter hat wirklich ein paar Vorzüge, die man nicht mehr missen will.

Aber jeder sollte sich ab und zu überprüfen, inwieweit man durch e-Mails und weitere e-Konsorten von seiner Arbeit abgelenkt wird, wie man sie als Alibi benutzt, gewisse Dinge nicht gleich angepackt zu haben oder wie man versucht, Verantwortung los zu werden („wieso, ich hab dir doch ein e-Mail geschickt, da stand alles drin, wenn du da nicht reagierst, kann ich doch nichts dafür“).

Es gibt Firmen, die e-Mail-freie Tage eingeführt haben (Beispiel hier).

Ich weiß nicht, ob dass die perfekte Lösung ist, aber ich verstehe die Absicht dahinter.

Mitarbeiter sollen lernen, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren und spüren, wie viel Energie und wie viel Konzentration sie durch das „e“ verlieren.

Für einen Kreativen, der davon lebt, sich zu fokussieren, sich zu konzentrieren und in andere Welten einzutauchen, kann der Computer auf dem Tisch manchmal sehr kontraproduktiv sein.

Ich persönlich komme viel weiter, wenn ich mich eine Stunde voll auf einen aktuellen Job konzentriere statt über zwei bis drei Stunden immer mal wieder 15 Minuten lang versuche, zurück in das Thema zu zu finden – und mich sonst mit e-Mails und anderen Themen beschäftige.

Es ist Weihnachten. Es ist Sonntag. Man blickt zurück. Man reflektiert. So entsteht ein Artikel wie dieser.

Mit großer Wahrscheinlichkeit habe ich diesen Text primär an mich selbst gerichtet.

Ein guter Vorsatz für das neue Jahr:

Tipp 79: Beim kreativen Arbeiten öfter mal den Computer ausmachen.



Für manche Berufe kann es von Vorteil sein, wichtige Nachrichten zu irgnorieren.

TV-Spot „Referee Training“ für Budweiser.