Dienstag, 23. Oktober 2012

Schöne heile Guerilla Welt.

3,8 Millionen Views in 4 Tagen. So viel falsch können die Erfinder der Guerilla-Aktion „Unlock the 007 in you“ nicht gemacht haben.


Der Film, um den es sich hier handelt, wird im Werberdeutsch gerne Case Film genannt. Er dokumentiert, wie diese Aktion abgelaufen ist.

Guerilla Werbung basiert auf dem Konzept, wildfremde Menschen an Orten, an denen sie es nicht erwarten, mit einer ungewöhnlichen Botschaft oder Aktion „zu überfallen“.

Wer so eine Aktion schon mal durchgeführt hat, der weiss, dass der Erfolg, den man sich erhofft, gut geplant werden muss.

Regisseure sagen inszenieren dazu.

Besonders dann, wenn der Aufwand, solch eine Aktion zu erstellen, hoch ist. Wer könnte es vor dem Kunden verantworten, dass sein Budget für eine Guerilla-Aktion nicht die gewünschte Reaktion der „überfallenen“ Menschen bringt und als fehlinvestierter R&D-Aufwand abgeschrieben werden muss?

Also hilft der erfahrene Guerilla-Kämpfer nach und überlässt weder zufällige Protagonisten noch spontane Reaktionen dem Zufall. 

Die Reaktionen der Protagonisten und die Reaktionen der umstehenden Menschen werden so gespielt, wie sich die Kreativen das schon in der Konzeptionsphase ausgemalt haben. 

Was eine gefilmte Dokumentation – ruck zuck – zu einem klassischen Werbespot macht.

Schöne heile Werber-Welt eben.

Da sage noch einer, klassische Werbung funktioniert nicht mehr. Eine Erkenntnis, die ich schon mal vor rund einem Jahr angedeutet habe.

Kommentare:

Alex Feil hat gesagt…

Dass das gefaked ist, sieht sogar meine Mama. Und als Case Film würd ich das nicht bezeichnen, sondern als Viral Film, der ne Scheinrealität darstellt. Und den "War-das-jetzt-echt"-Effekt kennen wir schon von Klassikern wie "Siggi mit dem Mikrofon". Hauptsache ist, dass sich der Film viral verbreitet, und dafür bekommt Duval Guillaume ne 1+.
Das hat aber nix mit klassischer Werbung zu tun - und auch nix mit Guerilla, es ist ein Viral. Und er funktioniert super, weil die Idee super ist. Und die Bezeichnung ist schh....egal.
Nur eben wir Werber werden ebsch, wenn es um die Bezeichnung und Kategorien geht. Denn da geht es um Awards, die unverdient gewonnen werden. Von Zombie-Kreation wird da sogar gesprochen. Naja, zum Glück ist das ja hier nicht der Fall bei 3,8 Mio. Klicks in 4 Tagen.

SZ hat gesagt…

@Alex: schön, von dir zu hören. Guerilla, Viral, TV-Spot – du hast recht, am Ende ist es dem Betrachter egal, wie wir es nennen. Hauptsache, er hat Spaß dran.
Dennoch ist es schon eine Veränderung zu früheren Tagen, dass eine Promotion im Bahnhof gestellt und zu einer Art Commercial gemacht wird, den die Menschen dann im Internet betrachten. Ich glaube dennoch, dass die Anziehungskraft dieses Filmes daraus resultiert, dass viele Menschen denken, es war eine spontane Aktion mit versteckter Kamera. Und der Goodwill der Werber (und Regisseure) für diesen Film kommt daher, dass wir uns Werbung im Idealfall genau so wünschen.
Hoffe, wir sehen uns bald mal wieder. Bist du mal in HH?