Donnerstag, 12. April 2012

Gold-Idee Metastasen.

Vor ein paar Tagen trudelte per Post ein Briefing bei uns ein. Eine bekannte Marke, die durchaus über ein respektables (weil sichtbares) Kommunikationsbudget verfügt, hat uns eingeladen, eine „Gold-Idee“ für ein bedeutendes Projekt zu entwickeln.

Die Einladung ging nicht nur an uns, sondern scheinbar auch an einige andere Agenturen. Es werden die ersten 20 des Kreativ-Rankings gewesen sein.

Die Ideen-Entwicklung sollte nicht umsonst geschehen. Wer seine Idee besagtem Unternehmen zustellt (präsentieren ist nicht erwünscht), wird dafür entlohnt. Der Lohn für diese Arbeit bewegt sich aber eher in einer sehr symbolischen Höhe.

Sollte die Idee je zum Einsatz kommen, erhält die siegreiche Agentur noch einmal ein recht überschaubares Copyright-Honorar. 
Allerdings gibt sie damit ihre Idee auch komplett ab. Sie hat also mit der Herstellung nichts mehr zu tun.

Diese Art Briefing ist mir neu, w
undert mich aber nicht.

Die Ausschreibung ist eine weitere Metastase des Tumors, den Agenturen mit ihrer Gratis-Goldideen-Prostitution bei den Kunden und vor allem Nichtkunden jahrelang gezüchtet haben (also irgendwo anrufen und fragen, ob man ein paar Goldideen – kostenlos für den Kunden – veröffentlichen kann).

Sollten nur 4 oder 5 der 20 angeschriebenen Agenturen mitmachen, bekommt das Unternehmen mit großer Sicherheit seine herausragende Idee – zu einem unglaublich günstigen Tarif.

Kreatives Preis Dumping für kreative Leistung.

Das Vorgehen des Unternehmens kann man vielleicht als respektlos bezeichnen, aber man sollte es dafür nicht verdammen. 
Es nutzt letztendlich nur einen vorhandenen Marktmechanismus gnadenlos für sich aus.

Hier heisst es, sich an die eigene Nase zu fassen und endlich zu verstehen.

Ich hoffe deshalb auf das Verstehen der Kollegen und auf 20 Absagen zu diesem Projekt. B
efürchte aber, dass die Gier nach Gold bei einigen doch wieder dazu führen wird, den Verstand an ihre letzten ADC Nägel zu hängen und mitzumachen.

Wir tun es nicht.

Kommentare:

Nate hat gesagt…

Für weiterführendes Lesen (wenn auch weniger diskret als bei Stefan), empfehle ich folgenden FB Kommentar:

https://www.facebook.com/thomas.strerath

Matthias hat gesagt…

Stefan, Du hast sicher Recht, dass die Agenturen selbst mindestens zum größten Teil zu dieser absurden Situation geführt haben. Und daher ist es auch Aufgabe der Agenturen, den Missstand wieder gerade zu rücken. Und einfach nicht mitzumachen. Aus meiner Sicht ist es allerdings auch eine gute Idee, das offen und unter Umständen auch unter Nennung konkreter Namen zu tun, wie Thomas Strerath dies getan hat. Das wird das Korrektiv durch die Agenturen wahrscheinlich und hoffentlich beschleunigen!

SZ hat gesagt…

@Matthias: Einen Kunden öffentlich wie namentlich für eine Vorgehensweise an den Pranger zu stellen, die eigentlich wir Agenturen ausgelöst haben, ist nicht nach meinem Geschmack.

Anonym hat gesagt…

Geht doch eigentlich eher um das Image der Marke. Wenn Nike zum Pitch einer goldidee zum Geburtstag gerufen hätte wärd ihr alle dabei gewesen. Und nur weil einer sich soooo toll vorkommt machen es die anderen wie die bekloppten nach und boykottieren ebenfalls. Und auch noch öffentlich. Weil man ja so klug ist. Das ist verlogen. wenn die Marken nicht wären, gäbe es auch keine Agenturen.