Sonntag, 26. September 2010

Spezialisten fordern Spezialisten ohne Spezialisten.

Die Mediaagenturen haben eine Kampagne gestartet. Mediaagenturen? Vereinfacht formuliert sind das Firmen, die sich um die Planung und den Einsatz der richtigen Werbemedien für eine Kampagne kümmern.

Eine präzisere Jobdescription liefert die OMG (Organisation der Mediaagenturen) hier.

Jetzt haben diese Agenturen also eine Kampagne für sich selbst geplant, realisiert und geschaltet.

Unten seht ihr ein Motiv, die weiteren findet z.B. bei Horizont.

Was mir die Kampagne zuerst sagt, ist die Tatsache, dass wohl immer mehr Kunden mediaspezifische Disziplinen selbst übernehmen. Sonst wäre der Leidensdruck, so eine Kampagne zu wählen, nicht vorhanden.

Es ist positiv herauszuheben, dass ein Verband diese Initiative zeigt. Das schaffen die wenigsten Verbände, weil sich die Mitglieder nicht über Inhalte, Finanzierung und Umsetzung einigen können.

Was mich allerdings amüsiert, ist die kreative Qualität der Kampagne.

Ich empfinde sie im wahrsten Sinne als "omg". Uninspiriert und platt. Zu viele Claims auf einmal. Der Betrachter bekommt das Gefühl, als müssten sich die Mediaagenturen für irgendwas rechtfertigen. Als seien sie gar beleidigt, dass "Fachfremde" darüber nachdenken, ihre speziellen Fähigkeiten selbst in die Hand zu nehmen.

Wenn ich nun mit einer Kampagne das "Spezialistentum" in Ehren halten will, sollte ich für die Kreation nicht besser auch Spezialisten holen?

Vielleicht ist das auch geschehen und die Kreativen, die engagiert wurden, hatte einfach einen schlechten Tag.

Oder liege ich mit meiner Einschätzung total daneben und die Kampagne ist ein kreativer Volltreffer?

Was meint ihr?
























Kampagne "Nee, das wird nix" von der OMG – Organisation der Mediaagenturen.

Kommentare:

Tobias hat gesagt…

mit den headlines gewinnt man aber immerhin locker bei jedem bullshit-bingo.

Bob Hope hat gesagt…

Umgedreht, aber dann nicht mehr im Sinne der Mediaagenturen, wär die Kampagne gerade noch ok... a la: unsere Technik macht alles so einfach, da kann das sogar Oma. Es wäre keine glanzlistung, aber ein guter AD würds bestimmt retten.

Allerdings die jetzige Kampagne wird ihre Wirkung verfehlen, behaupte ich jetzt einfach mal. Denn für die Leute, für die sie gemacht wurde, ist es der falsche Ansatz... Erstens wollen sie als Marketingentscheider ernst genommen werden und nicht als "blöde Oma" etc. abgestempelt werden, sie wollen hören: "Ihr seid klug und könnt das auch, aber wir kennen die Insidertipps, die euch den gewissen Vorteil verschaffen."
Sie verhalten sich vielleicht oft so, wollen aber nicht wie kleine Kinder angesprochen werden, oder gar so gesehen werden. Das passt nämlich rein gar nicht zu dem Eindruck, den man selbst von sich hat.
Die Kampagne ist typisch für die alte Zeit und alte Werber, bzw... noch typischer ist sie deutsch: Schön den Zeigefinger erheben und mit Angst drohen; mit Konsequenzen die keiner absehen kann.

Genauso spricht eine Printkampagne Bände über die Kompetenz der Agenturen, die "richtigen" Kanäle für eine erfolgreiche Kampagne auszuwählen ;)

rehm hat gesagt…

omg.

Anonym hat gesagt…

Robin: Das geilste Motiv ist eindeutig: "Personal Trainer Sam" mit SL: "Sam, Fitnesstrainer". Haben es jetzt auch alle geblickt? Der Typ heißt Sam und ist Fitnesstrainer. Oder Personaltrainer?

Fritz Iversen hat gesagt…

So etwas passiert, wenn man alles Geld in die Media steckt und nichts in die Kreation...
Auf der Website kann man lesen, was diese Kampagne alles soll und tut ("Kein anderer Bereich hat sich in den vergangenen Jahren so dramatisch, schnell und nachhaltig verändert wie die Mediabranche...."), aber das Ding kommt daher wie von der Fliesenleger-Innung, Finger, Leute, da muss der Fachmann ran, aber nachgewiesen wird nichts, nur ein paar Worte aus dem eigenen Fachjargon hingerotzt, um die Abnehmerschaft einzuschüchtern. Schade, weil man ja die Millionen tatsächlich süpurlos verballern oder hoch effizient einsetzen kann. Das Problem dieses Werbeunglücks ist in meinen Augen weniger der unelegante Ansatz als die Unglaubwürdigkeit, der Mangel an Überzeugunsgkraft. Aber mache mal einer eine Kampagne für die Kreativ-Agenturen. Ich wäre neugierig, ob da was Gutes und Überzeugendes herauskommt.

recipient hat gesagt…

Den ersten Satz Fritz Iversens würde ich gerne mit einem Textmarker hervorheben. Der bringt es auf den Punkt.

Aber als so genannter Kreativer freut's mich natürlich. Man könnte ja selbst kaum besser für sich werben.

Insofern: Danke für diese Kampagne.

MARKENLOTSE hat gesagt…

Flott. Für alle, die es noch nicht kennen: Mit der "Make-my-logo-bigger-cream" (Für alle, die die noch nicht verwenden, hier der legendäre Spot) wäre das nicht passiert...