Montag, 17. Mai 2010

Überzeugendes Punktspiel.

Der große Coup des diesjährigen Gipfels war die Preisverleihung selbst.

Nicht die Show, nicht der Moderator, nicht das Bühnenbild, nicht die Location - nein, es war das Punktesystem, nach dem die Arbeiten vorgestellt und auf der Bühne präsentiert wurden.

Um möglichst vielen Preisträgern gerecht zu werden, hatte das ADC-Team im Vorfeld alle ausgezeichneten Arbeiten nach dem folgendem Punkteschlüssel zu einem Ranking zusammengefasst:

Auszechnung: 1 Punkt.

Bronze: 3 Punkte.

Silber: 6 Punkte.

Gold: 10 Punkte.

Alle Arbeiten ab 5 Punkte wurden auf der Bühne gezeigt und mit mindestens einem Nagel (oder aber mehreren) honoriert.

Eine ausgezeichnete Arbeit musste also mindestens in mehreren Kategorien prämiert worden sein, um für die Vorstellung im Auditorium des Frankfurter Congress Centers geeignet zu sein. Also entweder 1 x Bronze und zwei Auszeichnungen (5 Punkte), 5 Auszeichnungen (5 Punkte), 2 x Bronze (6 Punkte), 1x  Silber (6 Punkte) usw.

Am Ende der Show wurden die drei Arbeiten/Kampagnen besonders hervor gehoben, die am meisten Punkte gesammelt hatten.

Und siehe da, es waren zwei Arbeiten darunter, die man in der ganzen Republik kennt und die man im vergangenen Jahr auch gesehen hat: die Kampagne von Hornbach und die Kampagne der Volks- und Raiffeisenbanken.

Soviel zum Thema Relevanz und Glaubwürdigkeit.

Dazu kam die Spiegel-Kampagne (Plakate, Anzeigen, etc.), die auch in einigen Medien zu sehen war – vielleicht nicht mit der Präsenz der beiden anderen Kampagnen – aber der ADC zeichnet nicht Mediapräsenz aus, sondern Ideen.

Dieses "Punktespiel" ist aus meiner Sicht wegweisend für die Zukunft. Ich hoffe sehr, dass das Buch auch nach diesem Schlüssel konzipiert wird.

Was mich überzeugt: das Punktesystem honoriert die einzelnen Werke (den Funkspot, die Anzeige, das Banner, die Mediaidee etc) sowie deren Umsetzung (Text, Typografie, Sound etc.), aber ganz ganz oben – quasi als Aushängeschild – stehen am Ende auch nur die ganz ganz großen Ideen.

Dieser Modus wird der Veränderung unserer Branche in großem Maße gerecht. Nur wer über ganz viele Disziplinen eine herausragende Kampagne geschaffen hat, wird die meisten Punkte bekommen. Da wird die Luft dann auch für Fakes ziemlich dünn.

Für diese Verleihungs-Innovation möchte ich den Machern ein großes Kompliment aussprechen.

Die Arbeit des ADC wurde belohnt von einem Publikumsinteresse, das Berlin noch nicht gesehen hat. So ist neben dem ADC-Vorstand und dem Orga-Team auch die Stadt Frankfurt ein großer Gewinner des Gipfels.

Ich weiss, die Nörgler und Missgünstler werden genug Argumente auffahren, warum das alles immer noch schlecht ist.

Ich gebe nur zu bedenken, dass der ADC noch so streng sein könnte, es würde immer Leute geben, die nicht verstehen, warum es für X eine Bronzemedaille gibt und für Y nicht.

Auch Juroren sind Menschen. Und auch die strengsten Bewertungskriterien lassen sich unterschiedlich auslegen.

Lasst uns aber den Lichtsreif am Horizont zum Anlass nehmen, mal das Positive zu feiern und mit Optimismus in die kreative Zukunft sehen.

Für mich als Berufspessimist sowieso schon eine Riesenleistung.



Die einzige (verdiente) Silbermedaille in meiner Kategorie Film 1: der Spot "Hymne" von Hornbach. Agentur Heimat.

Kommentare:

Frankfurt. hat gesagt…

Danke.

drikkes hat gesagt…

Ich will ja gar nicht so miesepeterig klingen, wie das hier vielleicht rüberkommt. Auch ich erwarte ja nicht, daß sich auf einen Schlag alles zum Guten ändert. Es soll ja auch mal der Wille zur Veränderung gelobt werden. Amir ist da sicher zu sehr hauruckelig vorgegangen, um erfolgreich zu sein.

Die Wünsche das Buch betreffend teile ich jedenfalls mit Dir. Denn nur so kann die Idee, noch eine zweite Wertung über die erste zu hängen, am Ende wirklich etwas bringen. Ob das dann auch so klappt, muß wohl abgewartet werden. Aber es könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein, hoffentlich.

darfichmichheikonennenobwohlichinechtsoheiße? hat gesagt…

Wie ich das von früher nicht anders kenne, hast Du natürlich recht: die Award Show Dramaturgie war wirklich gut.

Du warst ja am Freitag auch so tapfer, Dich der Testjurierung anzuschließen. Vermutlich ebenfalls aus Neugierde, wie das funktionieren soll. Was ich jetzt sehr spannend finde, ist, dass am ganz anderen Ende der gesamten Veranstaltung - nämlich der Award Show - ganz unerwartet ein Dreh gefunden wurde, den wirklich relevanten Ideen im wahrsten Sinne ein Bühne zu geben.

Meiner Meinung nach macht das den Versuch einer komplett neuen Kategorisierung wie wir sie Freitag ausprobiert haben überflüssig. Jetzt könnte man für Presse und Kunden noch mal alle Preise nach Branchen aufdröseln und veröffentlichen und gut is. Die Kraft einer Idee steht jedenfalls dank der Award Show Dramaturgie wieder im Mittelpunkt.

SZ hat gesagt…

@Heiko: Dein letzter Absatz trifft es perfekt. Plus: die große Bühne wird für Fakes sehr schwer erreichbar.