Donnerstag, 4. März 2010

Reden. Vor vielen.

In den letzten 14 Tagen durfte ich bei drei verschiedenen "Business-Veranstaltungen" in kurzer Zeit wieder mal so genannten Key Note Speakern lauschen. Unter ihnen sogar unsere Bundeskanzlerin.

Dabei fiel mir auf, dass eine "Rede halten" sehr viel mehr mit Werbung zu tun hat, als sich so mancher eingestehen mag.

Es fängt schon an, dass man mit einer guten Rede Werbung für sich selbst macht. Und mit einer schlechten das Gegenteil bewirkt. Gerade wenn man prominent ist, kann eine schlechte Rede den eigenen Mythos zerstören, weil die hohen Erwartungen des Publikums nicht erfüllt werden.

Eine weitere Gemeinsamkeit mit Werbung ist, dass sich der Redner zwingend damit befassen sollte, an wen sich seine Rede richtet (Zielgruppe). Und in welchem Rahmen (Umfeld/Thema) sie stattfindet.

Klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht.

Vor zwei Tagen hörte ich der Grundsatzrede eines sehr profilierten Theater- und Opern-Intendanten zu, der zu Werbe- und Medienleuten in einem festlichen Rahmen sprach.

Seine langatmige Nuschelrede hatte leider nicht die Bohne mit der Veranstaltung zu tun. Ausser vielleicht der Stadt, in der sie stattfand.

Er hatte sich fühlbar keine Mühe gegeben, seine Standardrede mit einem Kontext zu versehen, der das Publikum und das Thema der Veranstaltung einfangen konnte (gerade von einem Intendanten sollte man das aber erwarten können).

Das zumindest hatte die Bundeskanzlerin ein paar Tage zuvor wesentlich professioneller gelöst.

Ich möchte unterstreichen, dass ich absolut kein guter Redner bin. Aber ich bin nun mal bei vielen Reden anwesend. Ich habe hohen Respekt vor guten Rednern und muss immer wieder erstaunt feststellen, wie schlecht vorbereitet und laberig die meisten rüberkommen. Denn was ich hier verkünde, ist ja keine neue Wissenschaft.

Ich gewinne immer wieder den Eindruck, dass die Mehrzahl der Redner möglichst viele Botschaften in möglichst intelligent klingenden Worten vermitteln wollen.

Doch bei einer Rede ist es ähnlich wie bei einem TV-Spot. Wenn der Redner es nach 5 Minuten nicht geschafft hat, seine Zuhörer in den Bann zu ziehen, dann verwandeln die sich ganz schnell zum Minutenzähler.

Einzig der prüfende Blick auf die schwindende Zahl der Manuskriptblätter bringt einen in solchen Situationen noch dazu, ans Rednerpult zu blicken.

Wie in der Werbung darf eine gute Rede ruhig eine Idee haben - oder zumindest einen roten Faden. Und sie sollte eher kürzer als länger sein, denn lieber die Leute kurz und knackig überzeugen als ausgedehnt langweilen.

Lieber einige drängende Fragen offen lassen als viele irrelevante Fragen beantworten.

Es ist durchaus mutig, kurze Reden zu halten, weil von einem Key Note Speaker immer eine lange Rede erwartet wird. Aber wer von uns kann schon länger als 20 Minuten konzentriert lauschen? Vor allem dann, wenn die Rede ganz weit weg von Brillanz ist?

Bei einer Rede kommt es logischerweise auch auf die Fähigkeit des Sprechers an, Blickkontakt zu halten, deutlich zu sprechen und so wenig wie möglich abzulesen.

Es scheint eine besondere Gabe von Amerikanern zu sein, ohne Manuskript und im verbindlichen Plauderton ihr Anliegen vorzutragen. Würde mich nicht wundern, wenn sie auch den Teleprompter erfunden haben.

Wer diese Freie-Rede-Fähigkeit besitzt, ist ganz weit vorne.

Es ist eine echte Kunst, gute Reden zu halten. So wie es eine echte Kunst ist, gute Werbung zu machen.

Steve Jobs, ein anerkannt guter Redner und Präsentator (sehr empfehlenswert: The Presentation Secrets of Steve Jobs von Carmine Gallo) entwickelt für jede Rede eine "Geschichte" (create a story).

Nichts anderes tut ein Kreativer, wenn er eine gute Kampagne entwickelt.

1 Kommentar:

Joachim hat gesagt…

http://www.youtube.com/watch?v=cCyPAaubENE&feature=player_embedded

hrmm...