Donnerstag, 30. Dezember 2010

GNJ.

Falls noch jemand nach Vorsätzen für das nächste Jahr sucht, hier ein paar Vorlagen von Jorge Luis Borges, argentinischer Schriftsteller (1899-1986):

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte.

Im nächsten Leben würde ich versuchen,
mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht so perfekt sein wollen.
Ich würde mich mehr entspannen.

Ich wäre ein bißchen verrückter, als ich es gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben.
Ich würde mehr riskieren, mehr reisen,
Sonnenuntergänge betrachten, mehr Bergsteigen,
mehr in Flüssen schwimmen.

Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten.
Freilich hatte ich auch Momente der Freude,
aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, viel mehr gute Augenblicke zu haben.

Falls du es noch nicht weißt:
aus diesen besteht nämlich das Leben,
nur aus Augenblicken – vergiß nicht den jetzigen.

Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an
bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
Und ich würde mehr mit Kindern spielen,
wenn ich das Leben noch vor mir hätte.
Aber sehen Sie, ich bin 85 Jahre alt und weiß,
dass ich bald sterben werde.


Gutes Neues Jahr.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

FW.

Ich möchte mich bei allen Lesern bedanken, die meinen Beiträgen auch dieses Jahr wieder ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Stay tuned.


Helander - Rare Exports Inc
Hochgeladen von Morpheus51100. - Sieh weitere Film & TV Videos.

Dienstag, 21. Dezember 2010

Rien ne va plus.

Ich bin vergangene Woche der Einladung gefolgt, als Jury-Mitglied beim 10. Cristal Festival in Crans Montana (Schweiz) tätig zu sein.

Das Cristal Festival nennt sich ein europäisches Festival und ist der Nachfolger des Méribel Festivals (falls sich einer fragt, wo man diesen Wettbewerb einordnen soll).

Dass neben Arbeiten aus Europa auch Werke aus dem Mittleren Osten und Kanada (dem französisch-sprachigen Teil) zugelassen und bewertet wurden, deckte sich zwar nicht mit meinen geographischen Kenntnissen von Europa, entsprach aber wohl – nach intensiver Diskussion mit den Organisatoren – dem Regelwerk.

Warum ich mich auf dieses Jury-Abenteuer eingelassen habe, ist eine Frage, die mich noch heute beschäftigt. Vermutlich lag es am betörenden französischen Akzent im Englisch der Festival-Repräsentantin. Sie hatte mich Mitte des Jahres in der Agentur besucht, um mich zur Teilnahme zu bewegen.

Cristal ist ein Wettbewerb, bei dem nicht nur Kreative sondern auch Kunden bewerten.

Irgendwie muss ich wohl gedacht haben, dass es interessant sein könnte, diese gemischte Form der Juryarbeit auf internationaler Ebene mit einem Skiwochenende zum Jahresende zu verbinden.

Letzteres war ganz ordentlich.

Ersteres war sehr französisch geprägt.

Der überwiegende Anteil der Juroren kam aus Frankreich. Was sich in der Zahl der Einsendungen und letztendlich auch im Jury-Gesamtergebnis niederschlug.

Die Teilnehmerliste des Festivals enthielt zudem personelle Hochkaräter (z.B. Jacques Séguéla, Star und Altmeister der französischen Werbung und kein Geringerer als das „S“ von Euro RSCG, Mark Tutssell, CCO von Leo Burnett Worldwide und Festivalpräsident sowie Olivier Altmann, CCO von Publicis).

Was nach dem größten kreativen Menschenauflauf im französisch-sprachigen Terrain gleich nach Cannes klingt (und in der Presseberichterstattung in Frankreich sicher auch so aussieht) ist unterm Strich ein ziemlich verlassenes Skidorf in der Vorsaison mit rund 200 Juroren.

Eine überschaubare Gruppe von Menschen, die sich allabendlich zur Preisverleihung bestimmter Kategorien traf. Eine meistens französisch moderiertes Präsentationseinlage auf Abiturabschluss-Niveau, bei der sich mehrheitlich die französischen Kollegen gegenseitig ihre europäischen Cristals überreichen.

Bizarr.

Ich war Mitglied der Integrated and Branded Content Jury und wir mussten uns erst mal darüber unterhalten, was Branded Content eigentlich ist (ich erspar es euch, sollte es jemand interessieren, bitte Post senden).

Am Ende der fünf langen Tage bin ich mit einer mühevoll erworbenen Erkenntnis abgereist:

Ein Festival ist nur dann wirklich europäisch geschweige denn international, wenn die Jurys nicht von einer Nation dominiert werden, sondern ausgewogen besetzt sind (sprich: aus jedem Land ein Juror).

Dass der Festivalpräsident Mark Tutssel vorzeitig abgereist sein soll, würde mich nicht verwundern.

Für mich jedenfalls steht nächstes Jahr "cristal clear" fest: siehe Überschrift des Beitrages.





Viral einer Kampagne für das Europcar "Auto Libre" Angebot. Agentur: Ogilvy, Paris. Diese Kampagne hat in der Kategorie „Marketing“ einen „Cristal“ erhalten.

Die Idee ist nicht ganz neu: mit versteckter Kamera werden diverse Autobesitzer gefilmt, die zu ihrem Wagen zurück kommen und nur noch einen Schrottwürfel vorfinden. Die Story: eine Behörde entsorgt Autos, weil es bei Europcar jetzt ein Angebot gibt, mit dem man nur noch dann ein Auto besitzt, wenn man es braucht.

Was wie eine echt erzeugte Aktion aussieht, ist von Schauspielern nachgestellt (welche Marke würde es auch wagen, Menschen so einer Situation auszusetzen?). Die Gefahr, dass da Leute kollabieren, wäre zu groß.

Mir ist das ganze Theater bei aller Komik (auch mit der Direktschaltung zur Radiostation) viel zu konstruiert. Dennoch fast 2 Millionen Klicks auf YouTube.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Geschäftstüchtige Löwenzüchter.

Diese Woche weht ein Hauch von internationaler Kreativ-Elite durch Hamburg. Vorbereitet durch ein schon an den Tatbestand der Körperverletzung grenzendes Bombardement von Newslettern, kam auch ich nicht am Eurobest-Wettbewerb vorbei.

Aber warum gerade Hamburg? Wo es woanders doch ein noch kreativeres europäisches Metropolenflair gibt (London, Paris, Barcelona, Amsterdam)?

Ich muss gestehen, dass der Eurobest-Wettbewerb auf meiner Proritätenliste ziemlich weit unten rangiert. Kurz vor der Bedeutungslosigkeit. Wie auch die bisherige Ranking-Bewertungspunktzahl des Wettbewerbes zeigt.

Der Eurobest ist – oder vielmehr soll – die rein europäische Ausgabe des Cannes Festivals sein und wird von den gleichen Organisatoren (ein Unternehmen namens IAF - International Advertising Festival) auf die Beine gestellt. Partner des IAF in Deutschland ist die Weischer Mediengruppe.

Vermutlich war es genau dieser Grund, nämlich die mangelnde Bedeutung des Wettbewerbes, dass man sich bei den Veranstaltern gefragt hat, wie die kreative Schmusekatze wieder in eine attraktiven Zirkusnummer verwandelt werden kann.

Der unbedarfte Kreative denkt bei Wettbewerben nicht unbedingt an die geschäftliche Seite. Die Macher schon. So ein Cannes Festival dürfte ein richtig lukrativies Geschäft für die Organisatoren sein, bei dem ein paar Millionen übrig bleiben.

Will man also seine B-Range, in diesem Fall den Eurobest, wieder zu prächtigeren Gewinnen führen, so beginnt man einfach in dem Markt mit einem Event, in dem die meisten „Kunden“ sitzen.

Wir müssen nicht lange raten, um uns selbst mit unserer weltweit größten Kreativ-Award-Produktions-Industrie als zahlungskräftigstes Klientel von IAF/Weischer zu identifizieren.

Dazu kommt natürlich unsere kreative Eitelkeit gepaart mit dem Durst nach dem Duft der großen weiten kreativen Werbewelt, der Hamburg zu einem dankbaren Festivalpflaster kürt.

Die Ausbeute deutscher Agenturen war in dieser Woche denn auch gigantisch (um die 50 Eurobests).

Besonders die deutsche DDB hat allen anderen mal wieder gezeigt, dass sie gut im Kreativpreise machen – und damit auch im Kreativpreise gewinnen ist.

Warum die Werbewelt neben dem Cannes Festival auch noch ein Eurobest Festival braucht, kann nur vom Veranstalter ganz eindeutig beantwortet werden:

da verdient er an den gleichen eingesandten Arbeiten noch mal.

Freitag, 3. Dezember 2010

Soziale Adern.

Vor zwei Tagen war Welt-Aids-Tag. Was natürlich das soziale Gewissen vieler Agenturen auf den Plan ruft.

Aids ist bei vielen Menschen in Vergessenheit geraten und da ist es absolut ehrenwert, wenn sich Kreative mit Ideen engagieren. Der Termin passt zudem ganz gut, geht das Jahr doch dem Ende zu und besteht so noch die Möglichkeit, sein potentielles Medaillenkonto aufzubessern, sollte es noch auf Null stehen.

Folglich gab es einiges zu sehen für den aufmerksamen Beobachter.

Da begegnete mir die ziemlich aufwändige Neuerfindung einer TLD (Top Level Domain) der Kollegen von kempertrautmann (also statt .com jetzt .hiv).

Dann traf ich auf die recht charmante Ein-Tages-Twitter-Spenden-Aktion einer Hamburger Agentur namens Beebop (leider mit dem – für meinen Geschmack – etwas zu offensichtlichen Selbstpromotion-Anteil direkt auf der Spendenseite).

Schließlich wurde ich noch durch eine Aktion aus Tel Aviv "angestochen" – und emotional am stärksten gepackt:

Den Moderatoren eines Radiosenders wurde den ganzen Tag live während der Sendung das Blut abgenommen. Und sie haben sich später – natürlich auch live – ihr vorläufiges Ergebnis präsentieren lassen.

Ich stelle mir vor, man hängt vor dem Radiosender und erlebt mit, wie die Moderatoren doch vielleicht leicht nervös auf ihr Ergebnis warten. Eine Spannung, die man als Privatperson ja auch durchlebt, wenn man sich testen lässt.

Die Radiomoderatoren waren alle negativ. Die Aktion absolut das Gegenteil.




















Radiomoderator beim Blutabnehmen live. Aktion zum Welt-Aids-Tag von Y+R Tel Aviv.

Mittwoch, 24. November 2010

Das Manager-Magazin-Kranking.

Es ist wieder erschienen. Das Ranking aller deutschen Rankings. Das Ranking, auf welches viele Agenturchefs verkrampft schielen. Für das die Kreativen, aber erst recht die Berater unter den Agenturmanagern nicht nur die eigenen beiden Augen, sondern auch noch die ihres Controllers zudrücken.

Es ist das Ranking des Manager Magazins (jüngste Ausgabe 12/10 ab Seite 56).

Im Gegensatz zu all den anderen Kreativrankings der üblichen Kommunikations-Publikationen wird dieses Ranking von einer Zeitschrift erstellt, die nicht nur die Entscheider-Hänschen erreicht, sondern auch den Hans. Den wichtigsten Hans. Den für Agenturen meistens nie greifbaren Hans.

Eben einfach deeeeeen Hans.

Oder den Josef. Oder den Walter. Oder den Martin.

Dieses Ranking als Agenturchef in die Kritik zu nehmen, ist schon ein kleines Wagnis. Schließlich ist das Manager Magazin nicht irgendeine Unternehmerpostille, sondern das bevorzugte Monatsblatt von Vorständen, Geschäftsführern und Inhabern.

Also von Menschen, die die Entscheidung für oder gegen eine Agentur – oder zumindest für oder gegen die Verteilung der Kommunikationsbudgets – treffen.

Der Typ Jungs oder Mädels, der gerne mal auf dem Golfplatz oder der Skipiste von den Manager-Kollegen auf seine Werbung angesprochen wird (bzw. werden will). Und der auf die Frage, wer denn seine Werbung mache, nicht einen Agenturnamen nennen möchte, den keine Sau kennt.

Da kann es einer Agentur natürlich in der Wertschätzung helfen, wenn man in der Manager-Regenbogenpresse eine Nummer ist. Am besten eine Nummer unter den ersten zehn.

Zu hinterfragen, wie diese Tabelle zustande kommt und ob sie so Sinn macht, ist nun wirklich nicht Aufgabe dieser Vorstände, schließlich haben sie dann doch Besseres zu tun als sich so intensiv mit Werbung auseinander zu setzen.

Kurz einmal das jährliche Ranking überfliegen, sich die Namen ansehen und im Idealfall bestätigt fühlen.

Genau dafür hat man ja so ein MM – immerhin ein Schwesterblatt des unantastbaren Spiegels. Wenn die Recherchekünstler es nicht wissen, wer dann?

Der von dieser Ranking-Thematik unbehelligte Leser mag so langsam die Brisanz der Veröffentlichung spüren. Und natürlich setzt man sich als Chef einer Agentur, dessen Laden noch kein einziges Mal im Ranking aufgetaucht ist (so einer wie ich), unweigerlich dem Vorwurf aus, nur rumzukritteln, weil man nicht kreativ genug ist, um in diesem Kreativindex aufzutauchen.

Doch die Branchen-Profis wissen, dass dieser Kreativindex wenig mit Kreativität zu tun hat.

Er hat dagegen sehr viel zu tun mit Geld (Einsendegebühren für die ganzen Awardshows und die Kosten für die ganzen Fakes, die extra für Wettbewerbe produziert werden), mit Gnadenlosigkeit (nämlich seine Leute zu "motivieren", neben der Alltagsarbeit permanent Goldideen und Überstunden zu produzieren) und mit Eitelkeit (wir wollen da rein).

Auch ich bekenne mich da der teilweisen Mittäterschaft für schuldig. Der Agentur-Marketingeffekt von Awards ist auch bei uns immer wieder ein Thema.

Hier im Detail aufzudröseln, wieviel Punkte des Rankings mit extra nur fürs Ranking produzierter Kreativ-Ware erzielt wurden und wie viel davon echte Auftragsarbeit war, ist natürlich nicht mehr zeitgemäß. Diese Diskussion haben wir eigentlich schon längst hinter uns gelassen.

Es darf aber verwundern, das gerade eine Publikation wie das Manager Magazin sich seit Jahren unkritisch vor diesen – durch Fälschungen geprägten – Awardkarren spannt. Müsste man doch von so einem Magazin-Kaliber eher erwarten, dass es in diese Kreativ-Blase rein sticht.
 
Allein schon das Bewertungskriterium, das zu dem Index führt, entbehrt der Branchen-Logik.

Kann man noch nachvollziehen, dass der internationale Kreativ-Wettbewerb Nummer 1 (Cannes) mit 9 Punkten bewertet wird, versteht man kaum, warum die ebenfalls international höchst angesehenen "harten" Wettbewerbe wie D+AD (4) und One Show (2) so weit hinten rangieren.

Und warum gleichzeitig der deutsche ADC (8) mit seinem weniger strengen Umgang bei der Medaillenvergabe so hoch gewertet wird.

Um Gottes willen, nichts gegen den Wert des ADC. 8 Punkte ist ok, Doch D+AD und One Show hätten wenigstens verdient, auf gleicher Bewertungsebene zu liegen.

D+AD? One Show? ADC? Hä? Was? Bitte?

Eben!

Die wichtigen Hanse, Josefs, Walters oder Martins werden verständnislos den Kopf schütteln. Was ist das für ein Quatsch. Kenn ich nicht. Will ich nicht kennen. Wozu habe ich so ein Magazin?

Mit diesem unreflektierten Ranking fördert das vermeintlich objektive Meinungsbildner-Medium eine Wettbewerbsverzerrung, aber alle nehmen es hin. Vielleicht ist es einfach ein zu kreatives Wirtschafts-Wintermärchen, als dass man es zerstören möchte.

Ok, dann sei die Märchenstunde allen Beteiligten gegönnt. Ist ja bald Weihnachten.

Die Wahrheit in diesem MM-Artikel steht denn auch ganz am Schluss. Formuliert hat sie unser sozial-medialer Dampf-Plauderer Amir Kassaei:

„Das Einzige, was das Gewinnen von Kreativpreisen beweist, ist, dass man gut im Gewinnen von Kreativpreisen ist“.

Gut gebrüllt. Sehr gut gebrüllt.

Zu der ganzen Blase passt als krönender Abschluss, dass unter dem angegebenen Link manager-magazin.de/kreativindex ein "Dokument nicht gefunden" erscheint (zumindest heute, am Tag, als ich den Link geklickt habe).

Donnerstag, 18. November 2010

Ein Bier auf die Kunst der Einfachheit.

Die Strategie ist klar. Die Zielgruppe ist klar. Die Botschaft ist klar. Die Machart ist klar.

So einfach kann ein starker Spot sein. Und gleichzeitig so hinreissend attraktiv.

Im Zeitalter der totalen kreativen Technologisierung wirkt dieses Werk geradezu genial altmodisch.


Gut möglich, dass bei den Slow Motions am Computer nachgeholfen wurde. Aber dann mit unmerklicher Rafinesse.

I like.

Cheers.



Spot "Slow Mo" für Carlton Draught von Clemenger BBDO, Melbourne.

Sonntag, 14. November 2010

Besser als jeder Award.

Es ist für viele Kreative das Höchste der Gefühle, einen Cannes Löwen zu gewinnen. Für mich persönlich gibt es aber eine erstrebenswertere Form der Adelung einer kreativen Leistung:

Wenn andere Unternehmen meine Arbeit aufgreifen (sei es als Persiflage oder um darauf zu „antworten“).

In diesem Fall hat die größte britische Boulevard-Zeitung „The Sun“ sich der Old Spice-Kampagne „Smell like a man, man“ bedient, um ihre Seite 3-Modelle zu bewerben.

Die Klickzahlen sprechen für sich.

Mittwoch, 3. November 2010

Die Agenturzukunft ist herrlich grau.

Der Kampf um die Kommunikationshoheit ist in vollem Gange. Die Agenturen mit klassischer Herkunft rüsten digital auf, die Agenturen mit digitaler Herkunft rüsten klassisch auf.

Aufrüsten heisst in diesem Fall weniger, eine ganz neue Unit zu gründen oder eine jeweils andersartige Agentur zu kaufen, sondern die Leute aus den verschiedenen Disziplinen einzustellen und dazu zu bringen, zusammen kreativ zu sein.

Die digitalen Agenturen können natürlich eher mit ihrem technischen und interaktiven Know How bei Kunden punkten, die klassischen Agenturen eher mit ihrem markenstratgischen und ganzheitlich denkendem Know How.

Die neue Unphrase in dieser Diskussion heisst „Silodenken“.

Während sie bei Agenturen mehr und mehr aus dem Alltag verbannt wird, ist es bei vielen Kunden noch vorhanden (weniger bei Kunden mit Online-Herkunft, z.B. eCommerce-Portale, mehr bei Kunden mit Offline-Herkunft, z.B. industrielle Hersteller von Gütern).

Es ist dabei immer wieder interessant zu beobachten, wie die Chefs von digitalen Läden versuchen, die Stimmung zuzuspitzen (klar, muss ich ja sagen, als Chef von einem klassischen Laden):



Der Chairman von Razorfish, Clark Kokich hat sich auf seinem eigenen Kundengipfeltreffen (Clients Summit) und in seinem Blog zu der neuen Agentur-Situation geäußert und stellt alle Regeln der heutigen Agenturlandschaft in Frage.

Sagen wir mal sinnbildlich, er sieht es: schwarz.

Andere prophezeien der klassischen Werbung gerade wieder einen Schub, weil eine Marke mit den besten Social-Media-Kampagnen, mit Virals, mit Crowdsourcing oder auch allen digitalen Möglichkeiten zusammen nur mühsam Bekanntheit aufbauen kann.

Sagen wir mal, die sehen es: weiss.

So möchte ich hier nüchtern kundtun, dass die Praxis wie immer sein wird: herrlich grau.

Denn sowohl die einen als auch die anderen haben den richtigen Ansatz, aber keine finale Lösung.

Ich persönlich glaube, dass der kreative Markenfreak dem kreativen Technikfreak einen Hauch voraus sein wird. In jedem Fall werden sie aber ohne einander bald nicht mehr agieren können.

Bedenklich stimmt mich allerdings eine Anektdote, die mir ein Agentur-Kollege erzählt hat.

Der neuer Geschäftsführer einer ursprünglich "klassischen" Agentur, aus einer bekannten digitalen Agentur abgeworben, empfahl neulich seinem Kunden als Hauptmedium eine "TV-Kampagne". Und erhält als Antwort:  Na wenn Sie als Digitaler das sagen, muss es ja stimmen.

Wenn Beratungsglaubwürdigkeit jetzt digital ist, müsen wir uns warm anziehen.

Wie dem auch sei, eine Feststellung des Nassrasiererfisch-Chfes kann ich nur unterstreichen:

Agenturführer müssen ihre Mitarbeiter auf Veränderung vorbereiten. Wir alle werden Dinge tun müssen, die wir bisher nicht getan haben.

Ob Markenfreak. Oder Technikfreak.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Apfelmusik mit Nachgeschmack.

Eine bisher unbekannte Band imitiert auf iphones ihre Instrumente und spielt auf diese Weise ihren neuesten Song in der New Yorker U-Bahn. Diese Idee für ein Musikvideo hört sich erst mal gut an.

Jetzt ist die Band bekannt(er). Die Verkäufe auf itunes brummen. Und natürlich gibt es gleich eine ganze "Platte" zu kaufen.

Es ist in der Tat amüsant anzusehen, wie die Bandmitglieder – jeder mit einem brandneuen G4 ausgestattet – ihre Musik über die Instrumenten Apps kreieren.

Allerdings fühlt man sich von der Geschichte drum herum, nämlich dass der Band die Instrumente geklaut wurden und sie deshalb in der U-Bahn improvisiert, dann doch verarscht.

Wie sagte mein Kollege: Im Hintergrund sitzt irgendwo die Marketingleiterin von Apple und reibt sich die Hände.

Marktmacht und daraus resultierende Selbstgefälligkeit kann sich in Ablehnung verwandeln. Microsoft sollte Apple eine Warnung sein.


Take Me Out - Atomic Tom LIVE on NYC subway - MyVideo

Sonntag, 24. Oktober 2010

Jeder sucht ihn. Keiner kennt einen.

Die Verschmelzung von Online- und Offline Kreation hat ihren Höhepunkt erreicht.

In Deutschland.

Was eigentlich schon lange abzusehen war, ist Realität geworden. Agenturen führen ihre Abteilungen wieder zusammen, weil man die beiden Medien in der Entwicklung von Ideen und Kampagnen nicht mehr getrennt voneinander arbeiten lassen kann.

Als Agentur-Häuptling ist man damit beschäftigt, die technische Komplexität der digitalen Medium in fachkundige Hände zu legen.

Egal, mit wem man spricht, alle suchen hierzulande diesen einen: Creative Technologist.

Dies ist die Position – naiv formuliert – zwischen den Programmierern und den Kreativen.

Eine Person, die aus der Computertechnik kommt und ein kreatives Gefühl für Kampagnen und Konzepte hat. Ein Mensch, der die „Spinnereien“ der Kreativen nicht gleich mit „geht nicht“ abwiegelt (wie es Programmierer gerne machen), sondern der den Programmierern erklärt, wie es gehen kann.

Ein Mensch aber auch, der immer auf Ballhöhe mit den neuesten technologischen Entwicklungen ist und die Kreativen füttert.

Ein Hybrid also, wie man dieser Tage zu Mischlingen gerne sagt. Ein „best-of-both-worlds“-Typ.

Egal, mit welchen digitalen Koryphäen ich auch spreche, alle raten mir zu dieser Person.

Der Witz dabei ist: keiner kennt einen.

Und wenn, dann ist es, als ob von einem Mythos gesprochen wird. Eher findet man schon einen Information Architect.

Aber auch die sind selten.

Also, wer noch überlegt, welchen Job mit Perspektive er erlernen möchte, der sollte erst mal Informatik studieren und dann in die Werbung gehen.

Inzwischen wäre uns aber schon mit einem erfahrenen Technischen Projekt Manager geholfen. Ich habe mir sagen lassen, dass es da auch einige geben soll, die diese Hybridfunktion ganz gut ausfüllen können:

mareike_boddin@leagasdelaney.de

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Um die Ecke gedacht.

Das kapiert doch kein Verbraucher.

Glauben Sie wirklich, unsere Kunden verstehen das?

Da fällt der Groschen bei unserer Zielgruppe eindeutig zu spät. Wenn er überhaupt fällt.

Ich frage mich ernsthaft, kennen Sie eigentlich die Leute, an die wir uns wenden?

Herr Zschaler, hören Sie endlich auf, intelligente Werbung zu machen. Wir wollen doch verkaufen.


Fünf von fünfzig Aussprüchen, die ich mir in meiner Laufbahn schon anhören musste, wenn Kunden ihren Kunden nichts zutrauen. Und uns auch nichts.

Oder wenn Kunden zu der Meinung gelangen, platt kombiniert mit penetrant ist immer noch ungefährlicher als dass das Klientel geistig gefordert wird.

Mit meiner Gegentheorie, dass lieber weniger Kunden die Werbung verstehen, aber die, die es tun, sich dafür auch intensiver mit der Marke auseinander setzen, gewinne ich keinen Blumentopf.

Lieber platt an einer breiten Masse gescheitert als intelligent von einigen missverstanden. Wenn nur die Marktforschung cma-Daten (cover my as) liefert, ist schon alles im Lack.

Die folgende Kampagne ist ziemlich um die Ecke gedacht. Absolut Marktforschungs-ungeeignet, möchte ich behaupten.

Gerade das zeichnet sie aus.

Es ist der Auftritt eines NGOs und – so würden versierte Kunden jetzt vielleicht argumentieren – die haben ja nix zu verlieren, können sich also mit so einem Selbstversuch aus dem Fenster wagen.

Doch manchmal bringt um die Ecke gedacht viel weiter als brachial durch die Mitte gepoltert.

Tja, lieber Herr Zschaler,  i c h  verstehe das und  m i r  gefällt es auch, aber  i c h  bin ja leider nicht die Zielgruppe.




Adorno? Hegel? WTF hat das zu tun mit Umweltschutz? Schöne Kampagne für Biovision von der Agentur Walker, Zürich.

Montag, 18. Oktober 2010

Mind the gap.

Frage 1000 Leute um ihre Meinung zu geschmacklichen Dingen, und du wirst 1000 verschiedene Antworten erhalten. So hieß es früher.

Heute muss es heissen: Frage nicht 1000 Leute um ihre Meinung, und du wirst trotzdem 1000 verschiedene Antworten erhalten. Die sozialen Medien machen das für dich.

Es muss nur eine Person geben, der das Interesse hat, entsprechend viele Menschen auf die viralen Barrikaden zu bringen, und deine Standhaftigkeit als Marke wird auf die Probe gestellt.

Wenn sich eine große Marke dazu entscheidet, eine größere – besonders geschmackliche – Veränderung an ihrem Produkt vorzunehmen, dann kann sie damit rechnen, eine Bewegung in Gang zu setzen. Meistens eine kritische.

Die Modefirma GAP hat das jüngst erfahren müssen (siehe unten).

Daraus lernt man, dass sich eine Marke schon vor Veröffentlichung auf die negativen Reaktionen vorbereiten und überlegen sollte, wie man sich verhält.

Ein Logo für viele Millionen Euro zu ändern und nach ein paar Tagen digitalem Gegenwind einzuknicken, zeugt nicht von einer sonderlich guten Kommunikationsleistung.

Entweder glaube ich als Macher an eine Veränderung, halte den Sturm aus und zeige Rückgrat. Dann werde ich kurzfristig vielleicht ein paar alte Kunden weniger haben, aber auf Dauer viele neue mehr.

Oder ich versuche, eine repräsentative breite Masse in der Änderungsprozess einzubeziehen, so dass ich damit rechnen kann, dass es auch dem Rest der Kundschaft gefällt.

Dann könnte ich mich aber einem anderen Problem ins Auge blicken, dem sich viele Kunden heute gegenüber sehen: eine glatt gelutschte Mafo-Lösung, die zwar keinem wehtut, aber auch nichts bewegt.

In diesem Zusammenhang sollten sich die betroffenen Markenvertreter auch mal wieder das Phänomen "negativ ist attraktiv" in ihren Kopf rufen:

Wenn Menschen eine Veränderung gut finden, setzen sie sich viel seltener hin, um einen Kommentar oder ein Mail zu schreiben, als wenn sie etwas schlecht finden.

Das Gute wird meistens kommentarlos hingenommen, am Schlechten wird gerne auch der eigene Frust öffentlichkeitswirksam abreagiert.

Nur weil ein paar Berufsbedenkenträger etwas schlecht finden, heisst das noch lange nicht, dass die Mehrzahl der Stillen damit unzufrieden sind.

In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, wie viele Stuttgarter Bürger eigentlich für (!) das Projekt sind (Wir können alles. Außer Bahnhof).

Einschneidende Veränderungen muss man aussitzen.

Wenn man daran glaubt.














Massendemo auf Facebook führte zum Erfolg.
Das neue Logo (links) wurde zurück gezogen.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Kreative Illegalität.

Ich bekomme immer wieder Mails von Kollegen oder Freunden, die mir Links zu interessanten Kampagnen schicken.

Sogenanntes Blogfutter.

Durch diesen Service (den ich übrigens sehr schätze) habe ich ein Phänomen kennen gelernt, das immer häufiger auftritt. Es ist das plötzliche Verschwinden von Goldideen (z.B. auf YouTube).

So sieht das aus.

Es scheint immer mehr kreative Radikalinskis zu geben, die Ideen entwickeln und veröffentlichen, ohne die betroffene Marke um Erlaubnis zu fragen.

Die erste große Diskussion um dieses Thema fing vor mehreren Jahren mit einem Viral für den VW Polo an (Motto: incredibly tough), in dem sich ein Terrorist in einer Innenstadt die Luft sprengen wollte. Doch der Wagen hielt diese Explosion aus.

Dann erinnere ich mich an einen Skandal aus Brasilien, in dem eine große Agentur für den WWF eine Kampagne gestartet hat, ohne die Organisation zu unterrichten (die erfuhr erst davon, als es die ersten Awards hagelte). Ergebnis: Die Agentur zog die Arbeit zurück.

Und jüngst bekam ich von einem amerikanischen Kollegen einen Link für einen Spot der Marke Sprite (siehe unten) geschickt, in dem er mich schockiert fragte, ob der (wirklich platte) Spot in Deutschland gelaufen sei.

Die Erklärung war, dass ein junger Regisseur das Werk ohne Genehmigung der Marke realisiert hatte mit der Behauptung, der Auftrag wäre für Deutschland gewesen. Ziel: sich ins Gespräch bringen.















Fake-Viral für Sprite. Eine ganz plumpe Nummer. Wer sich diesen Spot wirklich antun will, kann das hier



Der Irrglaube, mit Goldmedaillen automatisch PR, Aufmerksamkeit und damit Jobanfragen zu generieren, verleitet immer mehr Kreative zu solchem Unfug – ohne Genehmigung der Marke.

Diese Kreativen machen keine Kommunikation für die Marke, sondern dagegen. Was alles andere als goldwürdig ist.

Solche Werke schaden Marken und diese sollten langsam über rigorosere Schritte als Pressedementis nachdenken, um die Entwicklung einzudämmen. Kommunukations-Fakes sollten wie die Produkt-Fakes behandelt werden. Man geht gerichtlich gegen sie vor.

Dennoch möchte ich am Ende diese eine Idee bescheiben, die Anlass des Beitrags war. Sie hat Goldklasse und es wäre interessant zu erfahren, warum sie zurück gezogen wurde.

Die genial einfache Idee war für eine Sicherheitsfirma in Chile. Die Macher haben in einem Wohnhaus flache Kartons auf dem Boden unter den Türschlitzen durchgeschoben. Innen haben sich diese Kartons dann zu einem Würfel aufgefaltet (sozusagen dreidimensionale Popups). Kam der Wohnungsbesitzer nach Hause, stolperte er über diesen Würfel.

Botschaft darauf: So leicht kommt man in ihre Wohnung. Schützen Sie sich mit XYZ davor.

Ganz klar, die Grundanlage der Idee ist vom Charakter „Fake“. Aber wenn man eine Sicherheitsfirma gefunden hat, die dieser Kampagne zustimmt und wenn man sie dann in mehreren Wohnblocks planmäßig durchführt, ist es eine schöne und durchaus relevante Aktion. Eine, die für wenig Geld viel Impact bietet.

Bingo.

Sonntag, 3. Oktober 2010

Anti Product Placement.



















Seite 3, Hamburger Abendblatt vom Samstag, den 2.10.2010: PR-Desaster Stuttgart21 – aber das hat doch mit Stihl nix zu tun.

Product Placement as its worsest. Einfach zur falsche Zeit am falschen Ort.

Die Qualität dieser Marke wird es wohl überstehen. Immerhin wissen jetzt wieder ein paar Menschen mehr, mit welchen Kolossen so eine Kettensäge von Stihl fertig wird.

Mittwoch, 29. September 2010

OOO OOO OOOO.

Es gibt Ideen, die scheinen so simpel, dass man sich heutzutage schon nicht mehr traut, sie auszusprechen. Geschweige denn, sie vorzustellen.

Hinzu kommt, dass durch einschlägige Webseiten die filmische Animation von Schrift so in Mode gekommen ist und teilweise schon inflationär genutzt wird, dass man auch davon lieber die Finger weglässt.

Der Hip-Hop-Musiker Cee-Lo Green hat sich zu all diesen eitlen Kreativgedanken – und zu seinem neuen Song – gedacht:

FUCK YOU.

Verblüffend. Man muss es nur groß genug hinschreiben und schon schaut alle Welt hin.

Übrigens war dieses Video nur eine Übergangslösung, bis das richtige Musikvideo auf den Markt kam. Das hätten sie mal lassen sollen.

(Meine Lieblingszeile: OOO OOO OOOO).



Für Leute, die im Englischen nicht so zu Hause sind, hier die Übersetzung:

Sonntag, 26. September 2010

Spezialisten fordern Spezialisten ohne Spezialisten.

Die Mediaagenturen haben eine Kampagne gestartet. Mediaagenturen? Vereinfacht formuliert sind das Firmen, die sich um die Planung und den Einsatz der richtigen Werbemedien für eine Kampagne kümmern.

Eine präzisere Jobdescription liefert die OMG (Organisation der Mediaagenturen) hier.

Jetzt haben diese Agenturen also eine Kampagne für sich selbst geplant, realisiert und geschaltet.

Unten seht ihr ein Motiv, die weiteren findet z.B. bei Horizont.

Was mir die Kampagne zuerst sagt, ist die Tatsache, dass wohl immer mehr Kunden mediaspezifische Disziplinen selbst übernehmen. Sonst wäre der Leidensdruck, so eine Kampagne zu wählen, nicht vorhanden.

Es ist positiv herauszuheben, dass ein Verband diese Initiative zeigt. Das schaffen die wenigsten Verbände, weil sich die Mitglieder nicht über Inhalte, Finanzierung und Umsetzung einigen können.

Was mich allerdings amüsiert, ist die kreative Qualität der Kampagne.

Ich empfinde sie im wahrsten Sinne als "omg". Uninspiriert und platt. Zu viele Claims auf einmal. Der Betrachter bekommt das Gefühl, als müssten sich die Mediaagenturen für irgendwas rechtfertigen. Als seien sie gar beleidigt, dass "Fachfremde" darüber nachdenken, ihre speziellen Fähigkeiten selbst in die Hand zu nehmen.

Wenn ich nun mit einer Kampagne das "Spezialistentum" in Ehren halten will, sollte ich für die Kreation nicht besser auch Spezialisten holen?

Vielleicht ist das auch geschehen und die Kreativen, die engagiert wurden, hatte einfach einen schlechten Tag.

Oder liege ich mit meiner Einschätzung total daneben und die Kampagne ist ein kreativer Volltreffer?

Was meint ihr?
























Kampagne "Nee, das wird nix" von der OMG – Organisation der Mediaagenturen.

Montag, 20. September 2010

Bildschirm-Rallye.


Der Skoda Fabia RS ist die Straßenversion des in dieser Saison sehr erfolgreichen Skoda Rallyewagens.

Wer schon immer gerne mal einen Rallyekurs entlang brettern wollte, kann jetzt der Augmented Reality ins Auge bzw. in die Webcam blicken:

mit dem neuen Fabia-RS-Spiel.

Da wird sich schnell zeigen, ob du ausreichend fahrerisches Talent hast. Für Playstation-Fans sicher ein Vergnügen. Für alle anderen (wie mich) eine Herausforderung.

Für alle Berufsnörgler: Klar konnte man vor dem Bildschrim schon Autos lenken. Aber so wie in diesem Spiel gab es das noch nie. Lenkrad (mit Marker) ausdrucken, vor die Webcam halten und dann wird sich zeigen, ob du überhaupt Level 3 erreichst.















Das Fabia-RS-Online-Spiel. Agentur Leagas Delaney Hamburg (technische Umsetzung: BM8).

Freitag, 10. September 2010

Ear-con.

Kreative kennen den Sound besser als das allgegenwärtige Intel-Dummdumm-dummdumm.

Ich spreche von dem Sound, der ertönt, wenn wir unsere Apple-Computer einschalten: wwwwommmmmmmmm.

Er ist satt, wertig und technisch, gleichzeitig aber nicht zu kühl.

Genial eben.

Als ich neulich mit Malte Hagemeister an einem Sounddesign herumdokterte, redeten wir auch über all die Musik-Autisten, die irgendwo in den Kellern der weltweiten Klangszene sitzen und den ganzen Tag schräge Sounds für irgendwelche Archive basteln, die andere dann wieder benutzen, um Markenjingles oder Soundlabels daraus zu entwickeln.

Malte machte mich auf ein Interview mit dem früheren Sounddesigner von Apple,  Jim Reekers, aufmerksam.

Unten findet ihr die Kurzversion (ca. 11 min.) und hier den Link zum gesamten 1-Stunden-Interview.

Das Gespräch dürfte für die SM-Holics nichts Neues sein, denn es ist 8 Monate alt. Da hier aber auch noch andere Leute als FBler oder Twitterer verkehren und das Interview zeitlos ist, will ich es verspätet jedem ans Herz legen, der sich mit Sounds beschäftigt. Oder beschäftigen muss.

Schon allein die Stimme vom Jim Reekers klingt, als wenn er früher Moderator einer Kuschelrock-Sendung gewesen wäre.

Er bezeichnet seine Soundkreationen, die sich nicht nur im Apple Computer durchsetzen, sondern auch in Kultur (Kinofilme) und Werbung Einzug halten, als "ear-cons". (Lasst euch von dem kurzen holländischen Vorlauf nicht stören.)

Ergänzend dazu ist vielleicht auch mein älterer Beitrag über Jingles interessant für Kreativschaffende, die gerade wieder ein Soundlogo entwickeln müssen.


OMT in San Francisco #3: 'Let it beep' from One More Thing on Vimeo.

Donnerstag, 9. September 2010

Maschinenbauer erobern die Kommunikation.

Immer mehr abenteuerliche Kombinationen aus Computer und Maschine beeindrucken die kreative Szene. Beziehungsweise sie versuchen es.

Ob die Nokia „Email-Vernichtungs-Maschine“ oder die Nike „Tour-de-France-Kreide-Nachrichten-SMS-Maschine“, die Konstruktionen werden immer verwegener.

Besonders Nike scheint inzwischen ein großes Faible (und dementsprechend Budget) für solche Erfindungen zu haben.

Nach der „Chalkbot“-Nummer dürfen die Kunden in Argentinien der Marke am POS was blasen.

Interessant wie albern.


Nike + Castro: Nike Air Live Show_ english from Castro Innovation on Vimeo.

 Die POS-/Spiel-Aktion „Hoover Machine“ für Nike Air von der Agentur Castro aus Argentinien.

Montag, 6. September 2010

Kein Award, aber ausgezeichnet.

Die ideale Welt von Kreativen sieht so aus: Man realisiert eine Idee, der ein echtes Briefing voraus geht, die sichtbar eingesetzt wird, eine Wirkung erzielt, alle Erwartungen übertrifft – und die noch dazu bei Wettbewerben gewinnt.

Diese Welt ist inzwischen zu einem Naturschutzgebiet geworden, das kaum noch einer von uns betreten darf (oder kann?).

Deshalb sollte man sich ruhig mal richtig glücklich schätzen, wenn bei der täglichen Arbeit alle oben genannten Punkte erfüllt werden – bis auf den letzten.

Der Auftritt für den Skoda Fabia RS ist so eine Arbeit.




TVC „Shower“ für den Skoda Fabia RS. Agentur Leagas Delaney Prag und Hamburg.Regie: Markus Walter. Musik: Malte Hagemeister. Produktion: Cobblestone.

Sonntag, 5. September 2010

Heimliche Geschwister.

18% würden eine Sarrazin-Partei wählen. Beim Brötchen holen drängte sich diese Schlagzeile der Bild am Sonntag am Bäckertresen in mein Blickfeld.

Auf die Idee muss man erst mal kommen. Eine Umfrage zu starten mit Emnid, um zu ergründen, wie viele Bürger die Einstellung des (vermutlich ehemaligen) Bundesbank Vorstandes teilen.

18% sollen es laut der Umfrage sein – obwohl nur rund 0,01% der 18% sein Buch gelesen haben dürfte.

Titel müssen verkaufen. Das sagt einem jeder Chefredakteur, wenn man Werbung für ein Magazin oder für eine Zeitung mit ihm diskutiert.

Der beste Titel ersetzt jede Werbekampagne. Das kann man nur unterstreichen, zumal in einer Zeit, wo jeder Nachrichtenlieferant die neuesten Nachrichten zeitgleich zur Verfügung hat.

Umso erstaunlicher ist es, dass sich einige Journalisten immer wieder gerne von Werbern distanzieren oder einem das Gefühl geben, dass Werber im sozialen Ranking eine Stufe tiefer stehen.

Dabei tun die meisten Journalisten heute nichts anderes als sich zu überlegen, wie ihre Objekte aus dem Brei der Informationen herausstechen – so wie wir Werber nichts anderes tun als zu überlegen, wie Marken aus dem Brei der Informationen herausstechen.

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Hier schreibt ein Mann ein Buch und die ganze Medienlandschaft beschäftigt sich nun schon 10 Tage damit.

Eine bessere Buchkampagne gibt es nicht. Das hat der Herr Sarrazin schlau eingefädelt.

Selbst SPON zitiert die BamS und macht daraus einen Leitartikel. Das muss den Jungs bei Springer ein kleiner innerer Reichsparteitag sein, tut doch der Spiegel immer so, als stünde er über allem – besonders über dem BILD-Journalismus.

Das Elend in Pakistan wird verdrängt von den Titelseiten durch Sarrazin und Kachelmann.

Auch Titel-Schlagzeilen sind heute nichts anderes als Teil einer Kampagne mit dem Ziel, die Auflage zu steigern.

Da sage noch ein Journalist, Werber seien käuflich, unidealistisch und oberflächlich.

Siehe dazu auch diesen Beitrag.

Freitag, 3. September 2010

Klicken muss sich wieder lohnen.

Man wird durch Banner heiss gemacht, über merkwürdige Links auf etwas aufmerksam, von Facebook-Freunden hingewiesen oder von irgendwelchen Pop-ups penetriert  – und man klickt:

In 99% aller Fälle bereut man es schon Sekunden später (weil alles, was folgt unter folgende drei Kategorien fällt: langweilig, nervig oder plump).

Der Viral unten gehört zu den wundervollen 1%, bei denen das nicht so ist.

Merke: Wenn die Leute auf deinen Teaser klicken, sollte mehr dabei rauskommen als Enttäuschung.




Viral "A hunter shoots a bear". Agentur Buzzman, Paris.

Mittwoch, 1. September 2010

Heute vor zwei Jahren.

Habe ich diesen Blog gestartet. Zeit für ein Resümee.

1. Bin ich schlauer geworden?

Ja, denn ich meine behaupten zu können, das digitale Informations- und das soziale Netzwerksystem sehr gut kennengelernt zu haben.

2. Bin ich kreativer geworden?

Nein, denn auch diese Form der Kommunikation nutzt sich mit der Zeit ab und man muss einen effektiven Weg finden, mit diesen Medien umzugehen. Sonst wird man von ihnen vollkommen vereinnahmt und in seiner Produktivität und Kreativität behindert (es erinnert mich am meine Jugend, als ich jeden Scheiss im Fernsehen angeuckt habe statt zu lernen). Die Masse an Information wird auch nicht weniger, selbst wenn man sich auf bestimmte Quellen im Netz oder in seinen Netzwerken konzentriert.

3. Mache ich weiter?

Ja, aber nicht mehr so wie bisher. Man kaut wieder, was viele im Netz auch schon in den Mund genommen haben (neudeutsch: gepostet). Und wenn es etwas Interessantes zu diskutieren, loben oder anzuprangern gibt, dann ist man damit meistens nicht alleine – oder einfach zu spät. Warum sollte sich also ein Leser so einen Blog noch antun?


Fazit:

Ich melde mich nur noch zu Wort, wenn mich wirklich etwas bewegt. Wenn ich eine Information habe, die ich für meinen Leserkreis als wirklich relevant erachte. Oder wenn ich wirklich Bock drauf habe, etwas zu schreiben.


Heißt, ich melde mich hier in Zukunft deutlich weniger. Was nicht heisst, dass die Qualität des Blogs schlechter werden muss. Im Gegenteil.

Von Glückwunsch- oder Beileidsbekundungen bitte ich abzusehen.

PS: Die wichtigsten Beiträge für den Nachwuchs sind die ersten 100.

Dienstag, 31. August 2010

Ohne Worte.

Plakatkampagne für das Deutsche Schaupsielhaus in Hamburg.
Agentur Leagas Delaney Hamburg. Weitere Motive.






Freitag, 27. August 2010

Virals sind auch nicht mehr das.

Die Nummer 1 der aktuellen Viral-Charts ist eine Trick Shot Übung von Roger Federer für Gilette. Soll so aussehen, als ob er quasi vor oder nach dem eigentlichen Film-Shooting einem Produktionsassistenten mit einem knallharten Aufschlag à la Wilhelm Tell eine Getränkedose vom Kopf schiesst.

Was früher Pfeil, Bogen und Apfel sind hier Tennisball, Schläger und Dose.

Ziemlich durchsichtiges Pseudo-Backgroundfilmchen. Dazu ein Trickfake, denn wer glaubt schon, dass sich der Assi wirklich der Gefahr aussetzt, einen Aufschlag mit 130 km/h in die Fresse zu bekommen?

Fazit: Ich benutze sowieso Wilkinson Sword.



Viraler Kunstschuss von Roger Federer für Gilette. Daumen runter.

Mittwoch, 25. August 2010

Heute schon sozial kreativ gewesen?

Die Zeiten für Kreative auf wirtschaftlich orientierten Kunden sind hart. Besonders hierzulande, denn es gibt – auch nach meinem Urlaub – immer noch wenig Kampagnen, die die folgenden drei Kriterien erfüllen:

1. Beauftragt.
2. Sichtbar.
3. Kreativ.

Aus diesem Grund weichen wir Kreativen bekannterweise auf Goldideen aus - oder eben auf soziale Kampagnen. Im Idealfall: auf beides.

Im sozialen Feld ist nicht nur das Gewissen reiner, sondern auch der Ideen-Freiraum, weil die Non-Profit-Organisationen mehr Chuzpe haben müssen, sonst redet keiner über ihr Anliegen. Und da für die Beauftragung von Agenturen meistens kein Budget vorhanden ist, lautet der Deal zwischen Agentur und Kunde gerne: pro bono arbeiten, dafür pro vokativ sein dürfen.

Dass man soziale Kampagnen auch ohne Provokation erfolgreich inszenieren kann, zeigt die folgende Kampagne gegen die Umweltverschmutzung des Santa Monica Bay.

Der Film ist für meinen Geschmack etwas zu lang geraten, aber die Idee ist schön (gefilmt) und macht deutlich, wo das Problem liegt.

Ein Besuch der Website dagegen lohnt sich – unter kreativen Gesichtspunkten – eher nicht, aber so ist das häufig mit den sozialen Kreativprojekten.

Aussen hui, innen Standard.




Film „The Majestic Plastic Bag“ für Healthebay. Von DDB Los Angeles.

Samstag, 31. Juli 2010

Bin dann mal auf Entzugskur.

Die nächsten drei Wochen ist hier Sendepause.

Ich gönne mir einen Therapeuten-Team, um mich von meinen digitalen Abhängigkeiten zu kurieren.

Meiner Abhängigkeit von Facebook, von Twitter, vom iPhone, vom MacBook, vom Internet.

Ach verdammt, hat früher irgendeiner gefragt, wie abhängig man vom Telefon ist?

Egal, ich verlass mich voll auf die italienischen Therapiespezialisten. Man findet sie zum Beispiel in kleinen oberitalienischen Trattorias.


Ciao.

Dienstag, 27. Juli 2010

Vermisstenanzeige.

Wo kommen gute Ideen eigentlich her? Diese Frage bekommt man von jungen Leuten, die in unsere sogenannte Kreativbranche einsteigen, immer wieder gestellt.

Natürlich gehört zu guten Ideen eine gewisse Portion Talent. Und eine gewisse Portion Intelligenz (mal mehr, mal weniger). Aber vor allem gehört dazu eine große Portion Fleiss.

Der Fleiss, sich akribisch die richtigen Informationen zu besorgen. Genau die, die einen zu besagten Ideen führen.

Das digitale Zeitalter hat uns im letzten Punkt ganz schön viel abgenommen.

Bei einem Pitch beispielsweise können wir alles im Netz recherchieren. In Blogs erfahren wir das Konsumentendenken, bei entsprechenden Service-DotComs bekommen wir die Konkurrenzslogans, Werbemittel und Marktdaten – und wenn wir irgendwelche technischen Details oder weiß der Henker was wissen wollen: Google, Wikipedia oder YouTube machen uns schlauer.

Schlauer vielleicht, aber sie machen uns nicht unbedingt kreativer.

Weil die Kollegen auf genau dieses Material ja auch Zugriff haben, ist die Gefahr groß, dass sie ähnliche Schlüsse ziehen und sich zu ähnlichen Lösungen inspiriert fühlen.

Worauf die Kollegen aber keinen Zugriff haben, sind meine persönlichen Eindrücke, Erfahrungen und Antworten, die ich in einem Gespräch am Tisch, im Laden oder am Fließband mit Kunden bekomme.

Eine Erkenntnis, die ich in diesem Blog schon an anderer Stelle strapaziert habe, weshalb ich mir schon wie so ein klugscheissender alter Druide in einem schlechten Asterix- und Obelix-Comic vorkomme. Aber in den letzten Wochen und Monaten ist diese Erkenntnis durch verschiedenste Erlebnisse zurück auf meine Gehirn-Agenda gelangt.

Was von Vorteil ist, weil man ja selbst zur digitalen Recherche-Bequemlichkeit neigt.

Ich stelle immer wieder fest, dass ich die besten Ideen (oder zumindest ihre Ansätze) immer dann habe, wenn ich mit den Kunden über ihre Situation, ihre Einschätzungen zum Markt und zur Marke, zur internen Situation und vor allem über ihre persönlichen Erwartungen und Zielen rede.

Da kommen die Halbsätze, die das Potential zu einem Strategieansatz oder einer Kampagnenidee haben können.

Und wenn nicht, dann kann ich zumindest erfühlen, was Kunden mit Sicherheit nicht wollen.

Doch im Zeitalter der digitalen Kommunikation, in der es normal ist, dass man vom Empfang seiner Firma eine e-Mail bekommt, dass man wirklich ganz dringend den wichtigsten Kunden zurückrufen soll, denn es gehe um Leben und Tod, muss man sich nicht wundern, wenn auch die ganzen Hintergrundinformationen der Kunden mehr und mehr als emotionslose PDFs oder DOCs zu einem gelangen.

Online-Pitches, bei denen eine persönliche Kontaktaufnahme in erster Instanz nicht gewünscht sind, sind für mich Unfug.

Wenn man für seine Marke und sein Budget einen neuen Kommunikationspartner sucht, dann sollte man doch mal miteinander reden und sich in die Augen sehen. Schon allein um festzustellen: können wir überhaupt miteinander?

Natürlich ist es für alle Beteiligten in unserem eng – weil digital – getakteten Tagesablauf lästig, die vielen möglichen Agenturen im Screening persönlich zu besuchen, die Reisen auf sich zu nehmen und mit jedem Pitchteilnehmer Gespräche zu führen. Von den Kosten ganz zu schweigen.

Doch wer wirklich an besserer Kommunikation und an seiner Marke interessiert ist, sollte diese chemische Prüfung vornehmen.

Dies gilt im übrigen auch für die Agenturleute, die sich ihrer vermeintlichen Computerallmächtigkeit ergeben haben und sich davor den Arsch platt sitzen statt mit Verve zu versuchen, nicht vielleicht doch ein Gesprächstermin zu erwirken.

Oder für die Kreativen, die Werbung für die Kunden des Supermarktes machen, aber selbst dort nie einkaufen geschweige denn mit solchen Leuten mal reden.

Ich gebe deshalb hiermit eine Vermisstenanzeige auf: Vermisst wird das persönliche Gespräch.




Remake TVC „Diner“ von Pepsi. Agentur TBWA/Chiat Day. Man sieht, dass das persönliche Gespräch auch Rivalen weiter bringt. Das Original des Spots siehe unten.



Leider ist diese original Version für Pepsi (von BBDO) immer noch um Längen besser. Glaubwürdiger erzählt, intensivere Bilder, stärkeres Casting, stimmigere Story und eine bessere Musik.

Joe Pytka war einfach ein Meister seines Faches. Und Remake selten besser als das Original.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Heute sag ich mal nix.

Sondern lass Musik sprechen. Und unterstütze mit meinem kleinen kurzen Beitrag diese charmante und sehr substantielle Kampagne (inklusive der Website) von „Why music matters“. Gemacht von Musikern und Künstlern.


Music Matters - Kate Bush (23-3-10) from Music Matters on Vimeo.


Film „Kate Bush“ vom Illustrator Elliot Dear für die „Why music matters“-Kampagne.

Montag, 19. Juli 2010

Gefällt mir: Härtetests.

Wie oft begibt sich unser einer auf die Suche nach dem Funken Wahrheit, der ein Produkt besser macht als das andere?

Zusammen mit leidgeprüften Strategen wälzt man die verschiedensten Optionen und Perspektiven, um schleißlich einen künstlichen USP zu kreieren, dessen Relevanz in Frage zu stellen ist.

Aber oftmals lässt die Marktsituation von Kunden sowie ihre Ziele und Vorstellungen nichts anderes zu.

Umso mehr Respekt habe ich deshalb vor echten Härtetests. Selbst wenn die Konkurrenz etwas Ähnliches beweisen könnte – sie werden immer nur Zweiter sein, wenn sie es denn nachahmen wollten.

Der beigefügte Spot zeigt die Robustheit einer Autobatterie. Selbst als sie von einer Gewehrkugel zerstört wird, behält sie ihre Funktionsfähigkeit.

Dazu der wirklich eingängige Name der Batterie: DieHard.

Das Unternehmen hat sich den „Härtetests“ geradezu verschrieben, wie ihre YouTube-Trackliste zeigt.

Natürlich setzt dieses kompetitive Auftreten voraus, dass die gezeigte Produktleistung samt Inszenierung der Wahrheit entspricht.

Volvo Amerika hatte vor Jahren in einem Spot einen LKW auf das Dach seiner neuen Limousine setzen lassen. Später stellte sich heraus, dass beim Dreh zur Sicherheit nachgeholfen wurde.

Die darauf folgende PR kann man sich vorstellen.

Die Kreativen, die sich über Autobatterien Gedanken machen müssen, scheinen dennoch eine besondere Liebe zu harten Prüfungen zu haben. Ich erinnere mich an einen Cannes-Gewinner-Spot, der aber auch schon längst Staub angesetzt haben dürfte.

Die Story: Ein Geier näherte sich einem total verrosteten Autowrack, das irgendwo neben einem verfallenen Schuppen auf einer verlassenen Wiese vor sich hin gammelte. Das Wrack war schon vom Unkraut überwuchert und besaß keine Glasscheiben mehr.

Der Geier flog erst auf die offene Fahrertür, dann hüpfte er auf das Lenkrad – und flog dann sofort wieder erschrocken davon. Die Hupe gab doch tatsächlich noch einen Laut von sich.

Trotz dieser beeindruckenden Beispiele: immer schön das Licht am Auto ausmachen.



Spot „DieHard Battery vs. the Bullet“ von Y&R Chicago.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Petition: einen Löwen für den Kraken.

Es war Anfang Juni. Es wurde heiss in Deutschland. Und die Menschen gingen lieber ins Wasser des Freibades als vor das Wasser eines Freizeitparkes. Beim Blick der Verantwortlichen des Oberhausener Sea Life Aquariums in ihre leeren Kassen wurde ihnen ganz schwarz vor Augen.

Kein Geld in der Kasse hiess auch, keine Budget für Marketing und Werbung.

Und das zu einem Zeitpunkt, wo die Fussbal-WM erst noch bevor stand. Wo sich also bestimmt keine Sau für einen Fischpark interessieren würde.

Die Marketing-Greten-Frage lautete daher:

Wie bringt man nur zusammen, was eigentlich gar nicht zusammen gehört?

Fussball und Meerestiere?

Die Verantwortlichen überlegten, wer Ihnen da ganz schnell helfen könnte. Sie mussten den intelligentesten Mitarbeiter auf die Sache ansetzen.

Da gab es nur einen. Das war Paul, die Krake.

Kraken gelten als die intelligentesten Weichtiere, wobei ihre Intelligenz mit der von Ratten verglichen wird. Kraken sind in der Regel sehr scheu, jedoch neugierig – und erweisen sich in Versuchen als sehr lernfähig.

Und Paul lernte schnell.

Zwei Gefäße mit je einer Muschel. Dort, wo die dickere, fettere und folglich leckerere Muschel drin war, setzte sich Paul drauf und hob mit seinen Saugnäpfen den Deckel.

Das einzige, was ihm missfiel, waren immer diese geschmacklosen, grellbunten Servietten, die da neben den Muscheln lagen. Mal war die Serviette schwarz-rot-gold. Mal war sie rot-gelb-rot.

Doch Paul trug es mit Fassung, denn seinem Appetit tat das keinen Abbruch.

Je mehr sich Paul auf die dickeren Muscheln setzte, desto mehr Leute standen plötzlich vor seinem Aquarium.

Wie gesagt, Paul lernte schnell.

Daher mein Aufruf: Wer immer sich diese Schwachsinns-Aktion ausgedacht hat, schick sie ein. Zu allen Kreativ-Wettbewerben dieser Welt. In Memory for Paul.

Denn die Geschichte hat auch einen sehr traurigen Teil.

Paul wird seine größte Trophäe gar nicht mehr entgegen nehmen können: den Promo- und PR-Grand Prix in Cannes.

Denn da ist er bereits verschieden.

Kraken werden nur zweieinhalb Jahre alt. Und da Paul schon zwei ist und das nächste Cannes Festival erst wieder in 10 Monaten stattfindet, sieht es schlecht für ihn aus.

Nie wurde mit weniger Aufwand so ein Presserummel erzeugt. Auf den Titelseiten der anerkanntesten Tageszeitungen. Weltweit.

Nie wurde in so kurzer Zeit ein Lebewesen mehr zitiert, obwohl es gar nix gesagt hat.

Nie wurde eine unschuldige Krake gleichzeitig so gehasst und so geliebt.

Und nie wurden mehr Fotos in so kurzer Zeit per Photoshop manipuliert als in der Zeit der Fussball-WM. Und kurz danach.

Ich würde mich deshalb nicht wundern, wenn das Sea Life Aquarium in Oberhausen der Kunde des Jahres 2010 wird.

Und wisst ihr was? Paul hat es vor uns gewusst.



















Eines der meist manipulierten Fotos der Welt: die Vorhersagen der Krake Paul (mit Blick auf den 4. Spieltag glaube ich in diesem Fall mal dran).

Mittwoch, 14. Juli 2010

Zusammengeschnippeltes.

In 10 Tagen geht es los. Laut dem Medienkonzern Google & YouTube. Und laut Ridley Scott. Am Samstag, den 24.7. diesen Jahres kann jeder Mensch etwas filmen, das ihn bewegt. Das er liebt. Wovor er Angst hat. Was er in der Hosentasche hat (witzisch).

Und da isser er wieder, der User Generated Content in Reinkultur.

Jeder Fan (Freund/Follower) von Google und YouTube kann einen Film drehen, dann zu Ridley schicken, der dann den Starregisseur und Oscar-Preisträger Kevin McDonald (Ein Tag im September, München, etc.) die besten Takes zu einem Dokumentarfilm zusammen schnippeln lässt.

Das Googlesche Einerlei wird dann im Januar 2011 auf dem Sundance Filmfestival gezeigt.

Und alle, deren Schnipsel Verwendung fanden, werden als Co-Regisseur aufgelistet. Natürlich nicht ohne die Chance zu bekommen, eines von 20 Tickets für eben jenes Filmfestival zu gewinnen.

Dazu kommen mir drei Gedanken:

1. So eine Filmschnippel-Einsende-Aktion hatten wir doch schon bei der letzten Fußball-WM (oder EM?) vom gleichen Absender.

2. Das Leben an einem einzigen Tag auszugucken, ist vor rund 25 Jahren eine Buchidee gewesen: A Day in the Life of America. Fotografiert von 200 führenden Fotojournalisten.

3. Gähn.




Teaserfilm für die Aktion "Life in A Day" von Google und Ridley Scott.

Montag, 12. Juli 2010

Verkauft kreative Werbung besser?

Das ist die Mutter aller kreativen Fragen.

Was würden wir darum geben, wenn sie mit einem unzweifelhaften Ja beantwortet werden könnte. Und auch die Ausrichter von Wettbewerben hätten am liebsten, dass diese Frage gar nicht mehr gestellt werden müsste.

Phil Thomas, CEO der CannesLions, hat nach dem Wettbewerb (an dem mehr Kunden als jemals zuvor teilgenommen haben und inzwischen 15% der registrierten Teilnehmer stellen) folgendes von sich gegeben:

Immer mehr Kunden wollen besser verstehen, was Kreativität für ihre Marke tun kann.

Ich weiss nicht, in welchem Kontext dieser Satz zustande kam, aber so los gelöst, wie er da steht, klingt er erst einmal absolut dämlich.

Wenn einem Kunden, der im Großraum Marketing arbeitet, nicht klar ist, was Kreativität für seine Marke tun kann, dann sollte er sich einen anderen Job suchen.

Müßig zu erklären, dass die richtige Strategie und eine geniale Idee einer Marke mehr Beachtung, mehr Sympathie, mehr Interesse, mehr Absatz und mehr Sonstwas einbringen können.

Doch das, was Phil Thomas meint, ist eine ganz besondere Kreativität. Es ist die Cannes-Kreativität.

Also Lösungen, die meistens so abseits der Norm sind, dass die Mehrzahl der Kunden sich nicht trauen, solche Ideen zu genehmigen und durchzusetzen.

In der Online-Ausgabe von AdWeek steht dazu ein interessanter Beitrag, der nicht ganz frei von Zündstoff ist.

Der Film Grand-Prix für Old Spice (gehört zu Procter & Gamble – Film siehe unten) hat seit seinem Start im Februar rund 12,2 Millionen Klicks auf YouTube generiert. Ganz zu schweigen von der Pressebeachtung. Doch betrachtet man den Absatzerfolg für das beworbene Produkt, so ging er in einem vergleichbaren Zeitraum um 7% zurück (laut SymphonyIRI – einer Firma, die Verkaufszahlen im Handel registriert).

Auch das Produkt des "Superlöwen" bei PR und Promo, die Aktion „Replay“ für Gatorade, fiel im Verkauf laut den Handelszahlen um 8,2% im vergleichbaren Zeitraum zurück. Kurioserweise behauptet die Agentur, dass er um 63% noch oben ging.

Klar ist, dass Kreativität verkauft. Unklar ist, welche Form von Kreativität. (Das ist übrigens unser aller Glück, sonst wären die meisten von uns HartzIV-Empfänger).

Was bei all diesen Diskussionen gerne übersehen wird: Kommunikation bzw. deren Kreativität ist nur ein Mosaikstein im Erfolg einer Marke.

Packungsdesign, Vertriebssystem, Konditionen und nicht zuletzt: das Produkt selbst sind viel wichtiger. Aber auch viel aufwändiger zu verändern als Kommunikation. Weshalb Agenturen versuchen müssen, in der Bedeutungs-Kette weiter vorne mehr Mitspracherecht zu bekommen.

Du kannst dir die löwenfreundlichste Kampagne ausdenken, wenn das Produkt bzw. sein Erscheinungsumfeld für die Zielgruppe nicht interessant ist, funktioniert die beste Werbung nicht.

Vielleicht ist Old Spice einfach an der Zielgruppe vorbei. Vielleicht wäre eine anders geartete Kreativität besser für die Marke gewesen. Vielleicht stimmen aber auch ganz einfach diese verdammten Zahlen nicht. Ich kenne die Stellung der Marke auf dem amerikanischen Markt nicht, deshalb sind meine Behauptungen völlig hypothetisch.

Ich weiss nur eins: Ich würde mir Old Spice nicht mal als Frostschutz in den Wassertank schütten. Egal, wie kreativ die Werbung daher käme.



Cannes Film Grand-Prix für Old Spice „The man your man could smell like“ von Wieden & Kennedy.



Cannes PR & Promo Grand Prix für Gatorade „Replay“ von TBWA.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Deutsches Abteilungsdenken.

Das Unitsystem von Springer & Jacoby hat in der deutschen Agenturlandschaft eine gewisse Berühmheit erlangt. Es wurde damals erfunden, um einen riesigen Agenturdampfer in viele kleine Schnellboote zu verwandeln.

Durch die Schaffung der Units als eigene GmbHs wurde zum einen erwirkt, dass die typischen Hierarchie-Marathons und Wasserkopf-Symptome grosser Agenturen abgeschafft wurden. Und dass die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt wurde – bei gleichzeitiger Erhöhung der Motivation.

Viele Agenturen haben das nachgemacht. Sie haben ihre Abteilungen nur anders genannt.

Man hat das Gefühl, dass der Deutsche generell mehr als andere Volksstämme dazu neigt, alles in Abteilungen zu packen.

Eine andere Ausprägung dieses Denkens erfuhr die Kommunikationsbranche vor rund 10 Jahren, als das – nennen wir es mal – digitale Geschäft ein Bereich der Zukunft auch für klassische Agenturen zu werden versprach.

Viele Agenturen gründeten digitale Units (ob als Abteilung in der Agentur, als eigene GmbH oder als Zukauf einer bestehenden Agentur) und wunderten sich dann, dass a. diese Units nicht richtig aus dem Quark kamen und b. die Zusammenarbeit mit der Klassik nicht funktionierte.

Heute sind die meisten dieser digitalen Abteilungen wieder geschlossen oder in den Bauch des Dampfer wieder einverleibt worden.

Der Denkfehler dabei war, dass der grosse Kreative (und damit die grosse Idee) immer schon ein Generlist war. Er muss sich mit online und offline so beschäftigen wie früher der Print-Kreative mit TV, als das Privatfernsehen aufkam.

Und während die Aufteilung bei S+J (zumindest am Anfang) eine Aufteilung von einem Generalisten-Dampfer in viele kleine Generalisten-Boote war, erschien die Trennung von offline und online Kommunikation als wenn man TV und Print in verschiedene Konzeptions-Abteilungen packt.

Immer wieder nutzen Agenturen die Neukreation von Abteilungen dazu, sich in der Presse zu profilieren nach dem Motto: guck mal, wir können nun auch das. Oder jenes. Oder dieses.

Als ob Kunden darauf abfahren. Im Gegenteil, Kunden denken, dass sie jetzt noch mehr bezahlen müssen oder die Agentur zusätzliches Geschäft angraben will.

Natürlich macht es heute mehr Sinn als jemals zuvor, Leute von verschiedenen Disziplinen zusammen zu führen. Spezial Know How oder die neuesten Entwicklungen kann man als Generalist nicht jederzeit auf dem Radar haben. Aber man muss die Leute kennen oder um sich scharen, die das in ihrer Nische tun.

Nur sollte man sich hüten, alles gleich in GmbHs zu packen.

In der Kreation ist nur eine GmbH von essentiellem Charakter. Die GmbH Idee.

Sonntag, 4. Juli 2010

Fortuna Selbstgefälligkeit – Turbine Teamgeist 0:4

Ich kann Leute verstehen, die Fussball nicht mögen. Es ist eine Massenerscheinung. Und wer mag schon Masse. Speziell in unseren "kreativen Kreisen", in denen Individualität ganz oben an gestellt wird.

Ausserdem gestehe ich gerne zu, dass viele der Fussball Protagonisten mit ihrer geistigen Schlichtheit und ihrem proletenhaften Verhalten manchem Feingeist den emotionalen Zugang zum Spiel deutlich erschweren.

Nichtsdestotrotz gibt es keinen Sport, der die Masse mehr fasziniert und so viele Metaphern fürs Leben liefert wie dieser. Und der auch die intellektuelle Elite eines Landes (vom Philosoph bis zum Staatsführer) in seinen Bann zieht.

Wenn dann schon eine Person wie Annette Schavan, ihres Zeichens CDU Vizechefin und alles andere als Fussball-affin aussehend, den Fussball als Vorbild zitiert, dann zeigt das seine philosophische Kraft in unserer Gesellschaft. Und zugleich die vermeintlich dramatische Hilflosigkeit einer Politikerin vor einem Partei-Scherbenhaufen.

Sie sagte zum Erscheinungsbild der schwarz-gelben Koalition: „Politik ist nicht Einzelspiel. Politik ist Mannschaftsspiel. Da können wir vom Fussball lernen – und sollten schleunigst lernen“.

Das Wort Politik kann man bedenkenlos durch das Wort Agentur, Kommunikation oder Kreation ersetzen.

Die Gesellschaft lechzt zwar immer nach Identifikationsfiguren. Ob Beckenbauer im Fussball oder Helmut Schmidt in der Politik. Aber Größen wie diese wussten immer das Team zu pflegen und aufzubauen.

Ihr Team, das dafür gesorgt hat, dass der gemeinsame Erfolg im Mittelpunkt steht und nicht der Glanz des Einzelnen.

Speziell in der Werbung kann man leicht beobachten, wie gute Kreative mit den Jahren des Erfolges der Versuchung erliegen, die Bodenhaftung zu verlieren und sich selbst für den Kreativ-Allmächtigen zu halten. Die Selbstgefälligkeit und Profilierungssucht wird mit jedem Teilerfolg größer. Sie vergessen leider, dass sie nur so "gross" geworden sind, weil ein starkes Team hinter ihnen steht.

Teamgeist ist die Bereitschaft einer Gruppe, ein gemeinsames Ziel zum Star zu machen. Einer für alle, alle für einen – die Oberbinse für dieses Vorhaben.

Wer so lange im Business ist wie ich, der findet es immer wieder interessant zu beobachten, wie so genannte Kreativstars mit ihrem Egotrip die Grundmauern des eigenen Erfolges einreissen. Für Insider gerade wieder in einer größeren Agentur zu beobachten.

Eine der hässlichsten Unsitten aus diesem Ego-Dunstkreis tritt bei Awardshows ins Scheinwerferlicht. Dann nämlich, wenn sich die CDs oder Kreativchefs auf die Bühne begeben, obwohl sie nicht einen Hauch mit der Idee zu tun hatten.

Und diejenigen, die die Idee hatten, müssen unten oder gar zu Hause sitzen bleiben.

Auch ein gewisser Herr Maradonna hat wohl vergessen, dass es neben Messi noch andere Personen geben sollte, die er abknuddelt (übrigens eklig, wer will das eigentlich?). Wie fühlt sich einer in der zweiten Reihe, der vom Coach nicht umarmt wird. Zum Team zugehörig und ihm verpflichtet?

In diesem Zusammenhang möchte ich kurz meine Lieblingsheadline zitieren – aus der argentinischen Presse am Tag nach dem 0:4-Desaster für Argentinien:

"Diego, der Junge heisst Müller".

Gibt es eine brutalere öffentliche Abstrafung für Selbstgefälligkeit?

Schön auch die Vorgeschichte dazu, die sich auf einer Pressekonferenz nach dem Freundschaftsspiel Deutschland - Argentinien (0:1) im März abspielte.

Es mag dabei nur eine zufällige Randbeobachtung sein, dass gerade kleine Menschen zum erhöhten Selbstdarstellungsdrang neigen.

Aber vergessen wir das wieder.

Natürlich ist das überdurchschnittliche Talent Einzelner immer eine wichtige Voraussetzung, damit ein Team erfolgreich ist. Doch was wäre Beckenbauer ohne Schwarzenbeck, Netzer ohne Wimmer, Schumacher ohne Todt und überhaupt alle ohne ihr Team gewesen?

Als Unternehmenslenker muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass man den Teamspirit im eigenen Laden hoch hält.

Teamspirit heisst aber auch, dass die Teammitglieder nicht darauf warten, was der Coach ihnen sagt, sondern dass sie den Einsatz bringen, der erforderlich ist, um das Ziel zu erreichen.

Selbstlosigkeit statt Selbstgefälligkeit.

Selbstlosigkeit ist eine Eigenschaft, die sehr sehr lange ganz unbeobachtet bleiben und einen Einzelnen sehr schnell unzufrieden machen kann, wenn er keine Bestätigung erfährt. Daher auch so schwierig zu entwickeln. Aber eine der besten Eigenschaften überhaupt.

In der eitlen Kommunikationsbranche so gut wie nicht vorhanden. Denn das gehört vermeintlich nicht zum Geschäft.

Tue Gutes und rede auch gleich drüber.

Ich glaube, dass ist einer der größten Denkfehler unserer Branche, wenn man an nachhaltigem Erfolg interessiert ist.

Wer täglich nur noch über seine Peanuts-Erfolge redet, weil er meint, die Welt muss es wissen, der steht am Anfang vom Ende. Weil irgendwann keiner mehr zuhört, wenn er wieder mal einen größeren Erfolg vorzuweisen hat.

PS: Write the future. Die große Kampagne von Nike zur WM. Wie postete mein Freund Stefan Schmidt neulich auf Facebook: das ist die beste Kampagne für adidas. Keiner der Nike-Stars, die für die Kampagne „Zukunft schreiben" sollten, ist im Halbfinale noch dabei.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Cannes verliert seinen Glanz.

Wir haben inzwischen von allem zu viel. Viel zu viel. Das ist meine Wahrnehmung. Auch Cannes ist davon betroffen.

Aber der Reihe nach.

Vergangene Woche fanden die Werbefilmfestspiele in dem Ort mit dem für Filmschaffende und Werbeleute elektrisierenden Namen an der französischen Mittelmeerküste statt.

Ich habe nichts dazu geschrieben. Was mir selbst erst heute aufgefallen ist. Irgendwie ging Cannes an mir vorbei, ohne dass ich mich groß damit beschäftigt habe. Immerhin hatten wir sogar zwei Shortlistplätze.

Warum ist das so?

Ich befürchte ich bin Highlight-müde. Wundert mich auch nicht, denn täglich jagt auf meinen Facebook- und Twitter-Accounts ein kreatives Highlight das andere. Wenn man letzte Woche abends mal so kurz durch die online Medien gesurft ist um zu erfahren, was in Cannes los war, dann begegnen einem Arbeiten, die man eh schon kennt.

Dazu die immer gleichen Bilder: Leute aus der Szene am Strand, bei den Filmproduktionspartys, auf den Booten der Filmproduktionen oder beim Fussball gucken im Hotel.

Cannes ist ein riesig aufgeblähter Vermarktungsapparat mit unübersichtlich vielen Kategorien und Juroren geworden.

Bezeichnend, dass sich der deutsche Statthalter des Cannes Festivals, Florian Weischer, beschwert, dass so viele Deutsche wie nie nach Cannes gekommen sind – aber keiner hat sich Karten für das Festivalprogramm gekauft.

Das sollte ihn intensiver beschäftigen.

Die Karten sind höllisch teuer, man sieht die immer gleichen Nasen, die das immer gleiche erzählen und am Ende interessiert sowieso alle wirklich nur, ob sie einen Löwen mit nach Hause nehmen können und wo die nächste Party steigt.

Dafür soll man dann überteuerte Hotelpreise zahlen. Und überteuertes Essen und Trinken.

Es erstaunt mich dennoch sehr, dass in Zeiten der großen Kostensensibilität von Agenturen (bei Awardeinsendungen soll gespart werden) doch so viele Kreative und Chefkreative die Muse und das Budget haben, um an die Cote d‘Azur zu fahren.

Um dabei zu sein, obwohl sie gar nicht richtig dabei sind.

Man pflegt sein Netzwerk, frischt Kontakte auf oder knüpft neue. Die Argumente kennt man ja. Oder man holt eben vielleicht seinen Löwen ab.

Ganz schön teuer.

So eine Cannes Woche kostet eine Agentur mit allen Reise- und Spesenkosten (mittlere Hotelkategorie) zwischen 5.000 bis 8.000 Euro pro Person. Ganz zu schweigen, dass man eine Woche nicht richtig arbeitet.

Urlaub auf Agenturkosten.

Dazu kommt, dass gerade bei den Deutschen Löwen immer wieder die „gebastelten“ Highlights für den Tiernahrungsshop oder für andere große Werbungtreibenden punkten – die Arbeiten eben meisten immer nur "Wettbewerbsschönlinge" sind.

Aber selbst davon haben wir inzwischen so viel, dass man gar keine Zeit mehr hat, sich durch all diese irrelevanten Gewinner zu kämpfen, um vielleicht inspiriert zu werden.

Eher das Gegenteil.

Cannes ist auf gutem Weg, ein unsympathisches Marketingspielzeug zu werden. Vor dessen Ergebnis man den Respekt verliert. Ein Löwe ist gut für die kreative Agentur-Reputation und so speist man die Maschine mit seinen Highlights, um vielleicht daran partizipieren zu können.

Aber Spaß macht das nicht mehr. Und so richtig stolz auf eine Löwen kann man langsam auch nicht mehr sein, weil alles viel zu inflationär geworden ist.

Was die Engländer und Amerikaner von den Deutschen wohltuend unterscheidet ist die Tatsache, dass ihre Löwen wenigstens noch echte Aufträge sind.

Meistens jedenfalls.



Eine Idee, die Sinn macht und wirklich etwas bewegt hat. Oder kurz gesagt: relevant für die Zielgruppe ist: „Twelpforce“ für Best Buy von Crispin Porter & Bogusky.

Freitag, 25. Juni 2010

Schreib mal wieder.

Unseren Job setzt man häufig mit der Aufgabe gleich, möglichst viele Menschen auf einmal anzusprechen. In der Media haben sie für so etwas den Begriff TKP (Tausend-Kontakt-Preis) geschaffen. Für viele Media- und Produktmanager immer noch die bestimmende Erfolgsformel.

Aber auch im privaten Bereich begnügen sich viele nicht mehr damit, ihre Gedanken nur an die eine Person zu richten, die es betrifft. Sondern sie lassen gleich möglichst viele Freunde oder Follower an ihrem persönlichen Glück oder Leid teilhaben.

Öffentliche Liebesschwüre oder Hasstiraden auf Facebook oder Twitter sind keine Seltenheit.

Bei all dieser Sucht nach Öffentlichkeit ist es fast schon eine Revolution, wenn man wieder mal einen Brief schreibt.

Und zwar mit der Hand.

An nur eine ganz bestimmte Person.

Ob du dazu physisch überhaupt noch in der Lage bist, kannst du testen, indem du mal drei (!) DIN A4 Seiten am Stück hintereinander weg vollschreibst. Du wirst sehen, dass dir schon nach der ersten Seite die Hand weh tut.

Speziell wir Werbefuzzies sind zu Tastaturjunkies und Reichweitenfanatikern verkommen.

Dabei kann gerade ein ganz persönlich geschriebener Brief Wunder bewirken. Und erst viel später auch Massen bewegen.

Wir haben vor Jahren durch einen handgeschriebenen Brief einen Etat gewonnen. Ich will nicht verhehlen, dass auch die schöne Handschrift meines Partners da sicher einen gewissen Einfluss hatte. Kein Wunder, er ist ja auch Art Director.

Ich dagegen habe eher die Handschrift vom Typ „kann ich am nächsten Tag fast selbst nicht mehr lesen“ und häufig verzweifelte Texter vor mir stehen, die meine schriftlichen Anmerkungen an ihren Manuskripten nicht lesen können.

Hat sicher auch etwas mit meiner Ungeduld zu tun.

Aber kennt das nicht jeder von sich selbst, wenn man einen Brief erhält, auf dem die eigene Adresse handschriftlich geschrieben steht? Sie weckt Interesse wie Befürchtungen (weiss da jemand was von mir, das ich nicht wiess?).

Natürlich funktioniert das nicht, wenn die Adresse lieblos auf einen braunen Fensterumschlag gekritzelt wurde. Was bei Bewerbern häufig passiert.

Das Rezept hier ist: Handschrift und Briefumschlag müssen privat aussehen. Eine handschriftliche Adresse auf einen geschäftlich anmutenden Brief ist Nonsens.
















PS1: Habe mindestens 3 Versuche unternommen, damit es einigermaßen lesbar wurde.

PS2: Bitte keine weiteren Analysen meiner Handschrift. Schrift kippt nach links. Ganz schlechter Charakter.

Dienstag, 22. Juni 2010

Little Britain.

Letzten Montag war ich bei unseren Kollegen in London. England hatte sich gerade ein 1:1 gegen die USA errumpelt und Deutschland hatte ein glanzvolles 4:0 gegen Australien hingelegt.

Man hätte einen schlechteren Tag erwischen können, um sich mit den Kollegen zu treffen (hat sich ja ein paar Tage später schon relativiert).

Wer im Fussball nicht so zu Hause ist, dem sei erklärt, dass der englische Torwart einen leicht haltbaren Ball durch die Finger rutschen ließ. Eine leidensvolle Erfahrung, die bei den Engländern WM-Tradition hat. Sie haben immer wieder Torhüter, die sich bei wichtigen Turnieren dicke Patzer erlauben.

Wenn man ihn bis dato noch nicht richtig kennen gelernt hat, so erfährt man ihn spätestens in solchen tragischen Momenten in voller Bandbreite: den englischen Humor.

Ich habe ja schon mal versucht, dieses Humor-Phänomen, dass natürlich auch in der Kommunikation der Engländer immer wieder wahnsinnige Ganzleistungen zu Tage befördert, etwas zu ergründen.

Aber vielleicht habe ich mich damals geirrt. Vielleicht erträgt man sein Leben in einer sehr hierarchischen Gesellschaft, mit einer kurz vor der Mumifizierung stehenden Königin und noch dazu mit einer Fußballmannschaft, die sich bei Titelkämpfen immer selbst im Weg zu stehen scheint, nicht anders als mit diesem beissendem Humor.

Das Volk hat quasi schon im Voraus einen emotionalen Katalysator zur Hand, um vor der sich anbahnenden Katastrophe seelisch geschützt zu sein.

Auch die Presse ist in England mindestens um 3 Klassen bissiger und selbstzerstörerischer als in unseren Gefilden. Der Pannen-Torwart und sein Privatleben wurden nach seinem Fehlgriff so zynisch und massiv auseinander genommen, dass man nur noch Mitleid haben konnte.

Wie auch immer der englische Humor entstanden sein mag, die neue Kampagne unserer Kollegen aus London für Nationwide – mit Protagonisten der britischen Sketch-Show „Little Britain“ – ist ein wundervolles Beispiel dafür, wie unterschiedlich Kulturen sind. Und wie sich das in der Werbung niederschlägt (was keine globale Kampagne leisten kann).

Die folgenden beiden Spots sind – wohlgemerkt – für eine Bank. Eine TV-Kampagne für ein Finanzdienstleister, von der wir hierzulande nur träumen können.

Bleibt zum Schluß die Frage, ob man als deutscher Kreativer mit den englischen Kollegen tauschen möchte.

Nach dem Spiel gegen Ghana lässt sich das sicher leichter beantworten.



TVC „Team England“ für Nationwide.



TVC „No Shareholders“ für Nationwide von Leagas Delaney London.