Mittwoch, 11. November 2009

Glaubwürdigkeit.

Wenn ich wetten müsste, so würde ich auf „Glaubwürdigkeit“ als einen der meistgebrauchten Begriffe in Präsentationen von Agenturen setzen.

Und gleichzeitig auf einen der meist missbrauchten.

Glaubwürdigkeit ist ein Maß der Bereitschaft des Empfängers, eine Aussage, Aktion, oder ein Bild einer Person, Organisation oder anderen Quelle anzunehmen und zu vertrauen. Glaubwürdigkeit ist von zentraler Bedeutung für die Wirksamkeit von Handlungsmotiven, und spielt in der Soziologie im allgemeinen, speziell in Öffentlichkeitsarbeit, Marktforschung und Meinungsforschung (Public Relations) eine wichtige Rolle, aber auch in der Rechtslehre.

Sagt Wiki.

Versprochen ist versprochen.

Würden Kinder sagen.

Glaubwürdigkeit entsteht, wenn eine Person oder Marke ihre Versprechen, Ansichten und Meinungen auch dann lebt oder erfüllt, wenn man zu einem anderen Zeitpunkt oder zu einer anderen Gelegenheit wieder auf sie trifft.

Zu welch rasantem Vertrauensverlust mangelnde Glaubwürdigkeit führt, sieht man dieser Tage in der Politik.

Vor der Wahl haben viele Menschen den vermeintlich neuen Konzepten von Aufsteigern wie der FDP eine Chance gegeben – auch in Person von Westerwelle.

Der hat sich jetzt gleich ins Ausland verdünnisiert und genau nicht die Posten angenommen, die glaubwürdig zu seinen Auftritten vor der Wahl gepasst hätten: Wirtschaft oder Finanzen.

Aber auch die unsäglichen Diskussionen um Steuererleichterungen nach (!) den Koalitionsgesprächen waren eine einzige Anti-Glaubwürdigkeits-Kampagne. Wollte man doch meinen, dass sich die Koalitionäre nach langen Verhandlungen auf ein machbares Vertragswerk einigen und es dann auch gemeinsam vertreten. Aber schon Tage danach schiessen Vertreter aller Parteien gegen die gemeinsamen Vereinbarungen.

Eine kommunikative Katastrophe. Und irgendwie ein total altmodisches Gebaren. In dieser transparenten Welt kann man mit Botschaften nur noch schwer tricksen und täuschen.

Das haben ganz viele Menschen des öffentlichen Lebens scheinbar immer noch nicht begriffen.

Würden Marken dieses Verhalten an den Tag legen, so wären sie innerhalb kürzester Zeit tot.

Deshalb ist es immer ratsam, die Kommunikation einer Marke so zu konzipieren, dass die Marke die geleisteten Versprechen auch halten kann.

In der Wirtschaft können die Verbraucher nämlich direkt abstimmen. Mit Kauf. Oder Nichtkauf.

In der Politik sind wir noch nicht so weit. Aber es wird irgendwie Zeit.

Jemand eine Idee?

Kommentare:

ramses101 hat gesagt…

Es wählt doch niemand mehr Parteiprogramme, sondern Parteien, die zu dem Image passen, das er gerne hätte. Grün wählen, Gelb wählen, Zeug wählen - wer sich heutzutage ernsthaft betrogen fühlt von Politikern mit ihren gebrochenen Versprechen, tja. Ich jedenfalls hab schon vor der Wahl getwittert, dass Guido sich a) nicht mit dem beschäftigen wird, was er als Kernthema seiner Partei verkauft hat, weil er b) genau wusste, dass das nur blablabla war.

http://www.youtube.com/watch?v=WzSNStYBr5M

(Und zur Sicherheit: Nein, ich halte meine Vorahnung nicht für messerscharfe politische Analyse. Das war einfach so klar, wie nur irgendwas klar sein konnte. Muss er ja selber ein bisschen drüber lachen, der Guido.)

SZ hat gesagt…

Klar wusste man es irgendwie. Nur die Hoffnung war, dass durch die Veränderungen der Medienwelt auch Politiker was gelernt haben. Aber sie werden es bald lernen, da bin ich sicher.

ramses101 hat gesagt…

Das glaube ich nicht, da zwischen Medien und Politikern eben immer noch der Parteiapparat steht. Horden von Kleingeistern, die sich gegenseitig Gefallen tun und schulden. Ich seh da eher schwarz (no pun intended), lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.

robzn hat gesagt…

Wenn die Wahlperioden kürze wären, könnten wir auch schneller entscheiden - und früher die Lügen der Politiker bestrafen.

Anonym hat gesagt…

Immer noch besser als die roten und linken und grünen die uns im Endeffekt auch den ganzen Tag nur voll lügen und Mist erzählen.

In 4 Jahren können wir ja wieder zurück in den Sozialismus.

Und die Werbung lügt Doch auch d ganze Zeit. Ob es sternchentexte sind oder man jetzt alles mit noch mehr und noch leckerer macht ist Doch das gleiche. Welche Werbung ist heute denn bitte glaubwürdig bzw unter Diesen Aspekten seriös? Fast keine hält das was sie verspricht. Weil sich jeder immer geiler und noch cooler machen will.

milchsaeure hat gesagt…

Wie glaubwürdig ist die Kirche? Und doch gibt es sie seit fast 2000 Jahren.

Klaro funktionieren Marken trotz Lug und Trug. Weil wir es so wollen. Nike, Shell, IKEA, Dr. Oetker? Kinderarbeit, Ölpest, Urwaldrodung, Analogkäse! Wir alle wissen das. Und auch, dass die Produkte weder billig noch von guter Qualität sind. Aber wir kaufen trotzdem.

Warum soll es mit Wahlen anders sein?

Anonym hat gesagt…

@milchsäure: Sicher, die Kirche gibt es schon ewig lang, innerhalb dieses Jahrhunderts ist die Anzahl der Atheisten allerdings extrem in die Höhe geschossen. Heutige Kirche ist nicht vergleichbar mit der Kirche vor hundert Jahren. Und so wird es sicher nicht nur mit der Politik sein, sondern ebenso mit der Werbung. Der Wandel, die Schnelllebigkeit fordern immer mehr von Politik & Werbung. Ich halte Marketing für die "Religion" des 21. Jahrhunderts. Und es entwickelt sich ständig weiter..schneller, wissenschaftlicher & effektiver als es die Kirche oder die Politik tun. Kirche & Politik können heute ohne modernes Marketing nicht bestehen. Im Endeffekt sind wir alle "verkäuflich & auch käuflich", denn der Mensch strebt nun mal nach Glück, der/die jenige die es schaffen uns das zu vermittelt, erhalten den Zuschlag. Bildung; Der Versuch eigener Meinungsbildung und Gelassenheit helfen! :)

Yvi

Andreas hat gesagt…

Ich hab das Wort grade in ein Konzept geschrieben ;o)

Aber auch ernst gemeint. Weil der Kunde mich davon überzeugt hat, dass sein Produkt bzw. seine Botschaft tatsächlich glaubwürdig ist.

Im Übrigen hat "Anonym" schon recht: Es geht auch ohne und sogar obwohl man weiß, dass man betrogen wird. Eine Breitling misst die Zeit nicht besser als eine Casio. Geschmack und Qualität haben mit dem Preis eines Weins nichts zu tun, aber der Preis des Weins sehr wohl mit seinem Ansehen.

Glaubwürdigkeit? Fehlanzeige. Der Kunde stimmt mit dem Geldbeutel ab? Ja, aber oft auch bewusst irrational.

Andreas hat gesagt…

oops, ich meinte "milchsäure", sorry!!

SZ hat gesagt…

Werbung ist ja nicht dazu da, umgeschminkte Wahrheiten zu präsentieren, sondern die Wahrheit so zu schminken, dass Menschen sich dafür interessieren. Glaubwürdigkeit heisst für mich in der Kommunikation, eine "Story" nicht so zu überziehen, dass der Verbraucher beim Kauf das Ganze gar nicht wieder erkennt. Glaubwürdigkeit ist aber auch, ein Versprechen, dass man in der Kommunikation verkündet, zu halten. Wenn ich als Marke bspw. verspreche, dass man bei einem billigeren Angebot sein Geld zurück bekommt, sollte das ohne große Sternchentexte funktionieren. Man muss bei Kommunikation zwischen emotionaler und rationaler Glaubwürdigkeit differenzieren. Wenn aber ein Politiker das rationale Argument zieht, dass Steuern gesenkt werden, dann kann er später nicht damit kommen, dass er damit 2012 meint.

Phil hat gesagt…

Chef eines mittelständischen Unternehmens, der neo/konservativ wählt und sich dann wundert... ist ja fast schon --- unkreativ.

SZ hat gesagt…

lol – gab es überhaupt eine kreative Wahl ausser so einem Schwachsinn wie der Piratenpartei?

Anonym hat gesagt…

Für die Piratenpartei scheint wenigstens ein Thema nicht verhandelbar (http://www.piratenpartei.de/node/607). Deshalb ist sie in meinen Augen momentan glaubwürdiger als die etablierten Parteien.

ramses101 hat gesagt…

Na ja, wer sich nicht in einer Verhandlungsposition befindet, kann auch ein Mindesteinkommen von 10.000 Euro fordern und das großspurig als "nicht verhandelbar" bezeichnen.

Dass in Koalitionsverhandlungen grundsätzlich Kompromisse gemacht werden müssen, ist ja völlig klar. Aber die aktuelle Steuernummer ist ja fast Realsatire.

Glaubwürdigkeit in der Werbung wird hingegen in der Tat auf festeren Sockeln als bisher ruhen müssen. Das ist zwar eine Entwicklung, die aufgezwungen ist, Fruchzwerge haben sich ja nicht aus Einsicht vom "so wertvoll wie ein kleinens Steak" verabschiedet, aber mir gefällt es.

Anonym hat gesagt…

@ramses: Für dich ist die Forderung der "Abkehr von allen Bestrebungen, das Internet durch Sperrungen von einzelnen Inhalten zu zensieren" so utopisch wie ein Mindesteinkommen von 10000 Euro?

Einerseits wird die hier mangelnde Glaubwürdigkeit in der Politik bedauert, andrerseits wird eine Partei, die ihren Themenbereich bewusst klein hält als Schwachsinn bezeichnet.
Dabei ist so eine Fixierung doch vielleicht ein Ausweg aus der Unglaubwürdigkeit der Politik:
Sollte es jemals zu einer Verhandlung um eine Regierungsbeteiligung kommen wird das Ziel nicht aufgegeben, weil es das einzige ist...

ramses101 hat gesagt…

Ich wollte nicht wertend vergleichen, sondern das "nicht verhandelbar" relativieren. Und ob Programmpunkte oder Forderungen beibehalten werden, zeigt sich tatsächlich erst bei Regierungsbeteiligung. Besonders schön deutlich wird das an dem Unterschied zwischen der Linkspartei in den Landesparlamenten und den Bundeslinken.

Die einen werden mit Realitäten konfrontiert, die anderen können weiter das Rosa-Regenbogenland propagieren. Und werden trotzdem gewählt.

SZ hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
SZ hat gesagt…

@anon12:49 (mitglied in der pipa?): Es kann nicht dein Ernst sein, dass du eine Partei favorisierst, die sich auf ein einziges Thema konzentriert? Noch dazu ein Thema, das in der Liste der dringenden Herausforderungen unseres Landes an 39. Stelle kommt? Das ist für mich gleich dem Verhalten eines Protestwählers. Sich als trotziger Protestwähler auszugeben finde ich zu billig. Wir alle hätten doch mehr davon, wenn endlich mal wieder eine Partei die absolute Mehrheit bekäme – und nicht nur Koalitionen. Dann könnte man diese eine Partei nämlich auch richtig beim Wort packen. So schiebt es einer immer auf den anderen. Und die neue Koalition fängt ja jetzt schon an, aufeinander rum zu hacken, bevor sie überhaupt etwas geleistet haben. #Armutszeugnis

Anonym hat gesagt…

Nein, ich bin kein Mitglied in der Piratenpartei. Aber ich habe Sie zur Bundestagswahl gewählt. Nicht aus Protest, sondern weil ich (im Zusammenhang mit der pipa klingt das in deinen Ohren warscheinlich absurd) keine andere Partei ernst nehmen konnte und mich deshalb für eine Partei entschied, die zumindest in einem Punkt meine Meinung vertritt. Davon abgesehen finde ich den basisdemokratischen Ansatz der Partei richtungsweisend.

"Deshalb ist es immer ratsam, die Kommunikation einer Marke so zu konzipieren, dass die Marke die geleisteten Versprechen auch halten kann."
Genau das tut die Piratenpartei doch indem sie sich nur auf ein einziges Thema konzentriert, denn die deutsche Demokratie baut schon immer auf Koalitionen. Das wird sich wohl auch nicht ändern: Von einer absoluten Mehrheit waren wir nur 1949 weiter entfernt.

Anonym hat gesagt…

Pfui. Nazis raus!!!

Dir Piratenpartei hat Holocaust-Leugner in den eigenen Reihen und du wählst die? Wegen diesem einen Parteiprogramm?

Denk mal nach und erkundige dich mal besser bevor du hier so einen Schwachsinn schreibst.

Kannst froh sein auch ein anonymer zu sein.