Donnerstag, 29. Oktober 2009

Gute Ideen sind leicht verderblich.

Vor ein paar Jahren schickten wir ein TV-Skript für Skoda zu einigen Filmproduktionen, um die Herstellung des Filmes zu starten und den geeigneten Regisseur dafür zu finden. Einen Tag später bekamen wir von einer der Produktionen den Hinweis, dass sie gerade ein fast identisches Skript für eine andere Automarke von einer anderen Agentur auf dem Tisch liegen hätten.


Diese Zufälle gibt es. In einer Zeit, in der wirklich einzigartige Ideen sehr rar gesät sind, können sie einen fast um den Verstand bringen. Vor allem dann, wenn der Kunde die Idee schon durch seine Hierarchien getragen und freigegeben hat.


Wir hatten Glück.


Wir waren mit unserem Skript in der Entscheidungshierarchie schon weiter und auch unser on air Termin war früher. Da wir die handelnden Personen in der anderen Agentur kannten, liess sich die Sache ohne Schaden für beide Seiten regeln. Die anderen zogen ihr Skript zurück.


Diesen Glücksfall gibt es aber so gut wie nie. Wenn eine geniale Idee draußen ist, aber zur gleichen Zeit erscheint eine ähnliche Idee, dann ist sie leider nur noch halb so genial. Auch wenn beide Seiten nichts voneinander wussten. 


Beim Kunden sinkt die Freude und er kommt intern in Erklärungsnot. Bei Verbrauchern entsteht eventuell Verwirrung oder einfach nur Langeweile. Und bei Wettbewerben hast du die Dopplungs-Diskussion in den Jurys.


Ein leidenschaftlicher Kreativer sollte sich dennoch mal die Frage stellen, ob diese Zufälle wirklich nur Zufälle sind. Oder manchmal eben auch das unglückliche zeitgleiche Erscheinen von identischem Ideen-Wissen.


In dieser Branche kennt jeder jeden. In einer Stadt wie Hamburg sind viele Kreativen miteinander bekannt, befreundet, verheiratet oder gar verwandt, die in unterschiedlichen Agenturen arbeiten.


Viele Kreativteams kommen in Agenturen zusammen, haben tolle Ideen, und trennen sich nach einiger Zeit wieder. Viele CDs sammeln Ideen, die nicht veröffentlicht wurden. Und viele Kreative können einfach auch nicht die Klappe halten, wenn sie eine starke Idee entwickelt haben, die noch gar nicht veröffentlicht ist.


Da gibt es nur eins: Über Ideen nicht mit den Kollegen oder Freunden aus der Branche reden, bevor sie on air sind. 


Ich bin immer wieder entsetzt, wie leichtfertig Leute aus anderen Agenturen mit ihren Ideen umgehen, die gerade im Entscheidungsprozess sind.


Stichwort 1: Party. Stichwort 2: Restaurant. Stichwort 3: Bewerbermappen. 


In der heutigen Zeit muss man mit guten Ideen umgehen wie mit seinen Goldreserven.


Man sollte sie nicht offen auf den Tisch der Mittagskneipe legen.


Zu den Beispielen unten: Blinde Männer entdecken neue Autos: Einmal der neue Ford Mustang. Einmal der neue Volvo S60 (Volvo gehört pikanterweise auch noch zur Ford Gruppe).




 
Ein blinder Mann hat den Wunsch, noch einmal mit einen Ford Mustang zu fahren. 
Trailer „2010 Mustang P.O.V. Chapter 1“.


 
Filmtrailer  „2010 Mustang P.O.V. Chapter 2“. 


 
Ein blinder Künstler entdeckt den neuen Volvo S60 und malt ihn, bevor ihn irgend jemand gesehen hat.

Kommentare:

Tobi hat gesagt…

finde ich irgendwie ziemlich französisch:

http://www.youtube.com/watch?v=KcMZ_u_vCog&feature=fvw

(im original sagt er übrigens: "when you see it, you got to have it.")

SZ hat gesagt…

Ach, wenn es nur darum ginge, das Blinde Autofahren, kann man noch einige Links mehr finden.

qzera hat gesagt…

mustang idee aus: der duft der frauen.al pacino. oscar 1993.gruß, rolf

SZ hat gesagt…

@qzera: gute Hühnersuppe!

milchsaeure hat gesagt…

Dein neues Bild ist aber sehr ringlos.

Mathias hat gesagt…

Tja, schade, wär ein schöner Film geworden. Und wenn man mal bedenkt: Da waren wir beide ganz schön weit vorn mit der Idee (siehe http://www.facebook.com/pages/Parkour/162594212306?ref=mf). Gruß, MJ

derraw hat gesagt…

zur ideen-zur-schau-stell-leichtfertigkeit:
party und restaurant ok.
aber bei der bewerbermappe?
sollen da nicht immer nur die besten ideen rein?
gruß, ein schon-lange-mitleser

SZ hat gesagt…

@derraw: In die Mappe sollen nur die besten Ideen. Aber wenn eine Idee noch beim KUnden zur Entscheidung liegt, sollte man sie sich in der Mappe verkneifen. Abgeschossenen Ideen dagegen dürfen rein. Manche packen ihre Ideen aber sogar in ihren Blog, obwohl der Kunde noch nicht entschieden hat. #unverantwortlich

Tim hat gesagt…

Hmm. Ja und Nein. Natürlich sollte man die Klappe halten, wenn man gerade an einer Idee für einen Kunden schraubt. Insbesondere außerhalb der Agentur. Auch wegen Geheimhaltung und so.

Aber grundsätzlich finde ich sollte man Ideen möglichst großzügig verteilen. Schließlich gibt es ja jede Menge davon. Denn nur wer keine neuen Ideen hat, beharrt auf seinen alten (hat mir mal ein CD erklärt). Kann aber auch sein, dass ich als Planner aus einer anderen "Denke" komme als ein Kreativer. Mein Job besteht ja teilweise auch darin eine Idee (oder zumindest die Grundlage) in die Köpfe der Kreativen zu "pflanzen". In der Hoffnung, dass sie diese dann besser machen, als ich es wahrscheinlich je könnte.

SZ hat gesagt…

@Tim: Wenn ich als Kreativer/Planner im Auftrag eines Kunden Ideen/Strategien entwickle und sie am Mittagstisch gegenüber Konkurrenten ausplaudere oder sie, obwohl sich die Ideen/Kampagnen noch im Kunden-Entscheidungsprozess befinde, in meine Mappe packe, dann ist das ein Vertragsbruch. Wenn ich Ideen/Strategien entwickle und sie intern mit meinem Team frühzeitig diskutiere, dann ist das Teil des Jobs und absolut ok.

Tim hat gesagt…

@sz
ja, hab ich doch auch gesagt. zumindest wollte ich das im ersten absatz zum ausdruck bringen :)

aber man hat ja auch ideen abseits von kundenprojekten. und zwar hoffentlich jede menge. da finde ich sollte man großzügig mit umgehen und die welt daran teilhaben lassen. schließlich man kann ja nicht alle ideen selber machen. und vielleicht inspiriert die eine oder andere ja jemanden. das ist zumindest immer meine hoffnung :)

drikkes hat gesagt…

Daß man nicht zu früh mit Ideen rausrücken sollte, ist ja keine Frage. Gerade wenn sie schon beim Kunden liegen, aber noch keine finale Entscheidung getroffen ist, wäre das mehr als unklug - nämlich in den meisten Fällen glatter Vertragsbruch, wie ja bereits angemerkt worden ist.

Ich halte allerdings äußerst wenig davon, auf einmal abgeschossenen oder aus anderen Gründen verworfenen Ideen solange rumzuhocken, bis man sie irgendwo anders nochmals unterbringen kann. Das hat dieser CD dem Tim schon ganz richtig erklärt, zumindest meiner Meinung nach.

Daher finde ich solche Sachen hier auch ziemlich großartig:
http://stealourideas.tumblr.com/
Schade, daß entgegen der Ankündigung doch kein neues Material mehr gekommen ist.

Und wie so oft: Ideenklau und Inspiration liegen dicht beieinander...

Anonym hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.