Freitag, 4. September 2009

Der letzte Mohikaner?



Es lag fett auf meinem Tisch, als ich aus dem Urlaub zurück kam. Und wie immer in den vergangenen Jahren fühlt man, dass da ein paar unbeirrbare Menschen in und um den ADC und den Verlag Hermann Schmidt sehr viel Herzblut und sehr viel Zeit reingesteckt haben.

Das ADC-Buch.

Einst war es das Nonplusultra all meiner Bücher im Büro. Und wenn es mit der Post ankam, habe ich mich erst mal ein paar Stunden mit einem Kaffee eingeschlossen und mich darin verloren.

Stolz darauf, irgendwo mit drin zu stehen.

Lang ist's her. Das Einschließen. Und das stolz sein.

Was ist passiert?

Klar, ich bin älter und abgeklärter geworden. Auch klar, die Zahl der Wettbewerbe ist so inflationär, dass es nichts Besonderes mehr ist, irgendwo in den Credits zu stehen.

Die Welt der kreativen Jahrbücher ist von der digitalen Informationsmacht an die Wand gedrängt worden.

Die Gewinnerarbeiten fast jeden Wettbewerbs sind innerhalb kürzester Zeit online kostenlos zu sehen (inkl. aller Credits). Die vielen online Kreativarchive (Creativity, BestAds, etc.) erledigen den Rest.

Wer will da noch € 98,00 für ein Buch ausgeben, dass einem fast den Arm ausrenkt?

Eben, wenige – und deshalb scheint das vorliegende ADC-Buch in dieser Form das letzte zu sein.

Da geht eine große Ära zu Ende.

In meinem Pre-Internet-Leben waren Jahrbücher die einzige Chance, einen kompakten Überblick zur aktuellen Höhe der kreative Meßlatte zu erhalten. National wie international (es gab auch mal Jahrbücher zur One Show, Clio, etc).

In Deutschland war und ist das ADC-Buch die Benchmark. In den Jurys ist die folgende Formulierung fast schon Pflichtvokabular, wenn es bei einer strittigen Diskussion darum geht, ob eine Arbeit eine Auszeichnung bekommt:

Soll diese Arbeit ins Buch?

Diese kraftvolle Frage wird ihr Mythos von heute auf morgen verlieren.

(Wird sie eigentlich ersetzt durch: Soll diese Arbeit ins Web?).

Ich liebe das Internet. Ich liebe die kostenlose Informationsfülle, die mir da zur Verfügung steht. Dennoch stimmt es traurig, wenn ich mir vorstelle, dass ich die Gewinner-Arbeiten zukünftig irgendwo zusammen klicken muss.

Falls es wirklich das letzte ADC-Buch ist: du wirst mir sehr fehlen.

Kommentare:

milchsaeure hat gesagt…

Das Schwerwiegendste an diesem Buch ist der Verlust seiner Faszination. Früher konnte ich es kaum erwarten, und wenn es dann kam, blätterte ich es gierig durch, um mich zu wundern, aufzuregen, abzulästern und neidisch zu werden.

Und heute? Ist es mir egal. Und es geht nicht nur mir so, gerade die jüngeren Kollegen kennen es eigentlich kaum noch. Es ist irrelevant geworden.

Woran liegt das? Wirklich nur am Medium? Oder weil – gefühlt – keine echten, großen Kampagnen mehr drin sind, sondern nur bis zur Unkenntlichkeit geschärfte Layouts, kaum gelaufene Goldideen und
komplette Fakes/Doubletten/etc?

seb hat gesagt…

Eigentlich wäre das ADC-Buch ja nachwie vor wichtig. Denn viele Arbeiten da drin hat man ja nicht nur nicht in der realen Welt gesehen sondern auch nicht mal im Internet.

Bin mal gespannt wie das Online-Archiv vom ADC aussehen soll. Und ob sie den Fehler machen, es kostenpflichtig anzubieten.

Wirklich vermissen würde ich hingegen nur das Jahrbuch vom D&AD. Das ist ein bisschen wie das neue Album deiner Lieblingsband. Da bezahlst du auch gerne etwas mehr. Die anderen lädst du einfach runter.

ralf zilligen hat gesagt…

das adc-buch war, und da macht es keinen unterschied, ob man ein digital sozialisierter kreativer oder ein neuling ist, wie ein familienalbum. es ist ein jahresrückblick und rückblicke haben immer was romantisches und manchmal auch sentimentales. es geht hierbei nicht um die frage des nutzwertes. da ist das netz schneller, umfassender und damit besser. wir sind aber auch deshalb menschen, weil es für uns momente jenseits des nutzwertes gibt. ich bekenne mich zu meinen romantischen seiten und werde es auch vermissen. recht hast du, stefan

Anonym hat gesagt…

heulsusen !

... kein mensch braucht ein buch das über 100 ocken kostet und zu 95 % aus lügen besteht.

... die eigentliche frage um die ihr drumherum jammert ist doch: braucht man überhaupt noch den deutschen adc in der verfassung in der er sich momentan präsentiert ?

Anonym hat gesagt…

Brauchen wir Leute, die stolz auf das ADC Buch sind? Oder brauchen wir nicht wieder mehr Leute, die "stolz" darauf sind und Spaß daran haben, in der Werbung zu sein. Einer Branche, die mehr und mehr ihren Gold-Glanz verliert und mehr und mehr zum "den Job erledingen" wird.
Mir fehlt nicht das Einschließen mit dem ADC Buch, mir fehlt das Gefühl, etwas zu tun, was ich nur hier tun kann - und das mit Passion.
Wo sind all die Schmetterlinge hin???

SZ hat gesagt…

Vor ungefähr 15 Jahren war es noch so, dass die Medaillen zu 99% für reale und sichtbare Arbeiten gegeben wurden. Das heisst, man wurde für seine Ideen belohnt, die man für seine Kunden entwickelt und realisiert hat. Deshalb war der Spaß automatisch da und gleichzeitig war man stolz, im Buch zu sein, weil man mit seinen Ideen nicht nur dem Kunden geholfen hat, sondern auch noch dafür ausgezeichnet wurde. Daher vielleicht meine Sentimentalität. Heulen tut hier keiner.
Im übrigen habe ich die Erfahrung gemacht, dass diejenigen Leute am stärksten gegen den ADC stänkern, die es selbst nie ins Buch geschafft haben.

Anonym hat gesagt…

Wir machen webung Leute. Nicht mehr u nicht weniger. Wenn du d Welt schöner machen willst, musst du zu greenpeace