Donnerstag, 2. Juli 2009

Pitch via Internet.

Seit geraumer Zeit tauchen  Wettbewerbsausschreibungen immer häufiger im Internet auf. Besonders öffentliche oder staatliche Einrichtungen nutzen das Web, um ihren gesetzlich vorgegebenen Ausschreibungsregeln „gerecht“ zu werden.

Je nach Ausschreibung gibt es einen vorgelagerten Filter, der für den Kunden klärt, ob die Agentur die in Frage kommende Aufgabe bewältigen kann (Größe, Mitarbeiter, Kunden, Know How, etc.). 

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass schon die Bearbeitung dieses Filters nicht unerheblich Zeit und Aufwand erfordert.

Passiert man ihn, erhält man online das Briefing.

Da es keinen realen Ansprechpartner gibt (höchstens eine Assistentin, die logistische oder organisatorische Fragen beantwortet), mit dem man über die Ziele, Probleme, Hintergründe und Möglichkeiten der Marke reden kann, fällt das komplett weg, was bei einer „klassischen“ Vorgehensweise das Salz in der Suppe ist.

Der nicht geschriebene Input.

In Gesprächen mit den Vertriebs- oder Marketingverantwortlichen erfährt man oft Dinge zwischen den Zeilen, die Stoff für eine tragfähige Strategie sind. In einem Nebensatz kann eine Information zu Tage kommen, die Grundlage für eine ganze Kampagnenidee sein kann.

Im digitalen Zeitalter scheint diese Qualität auf dem Altar des Wandels geopfert zu werden. In der Not stürzen sich Agenturen natürlich in die ein oder andere online Ausschreibung – auch um Erfahrungen zu sammeln, wie sich dieser neue Prozess anfühlt.

Was ich bisher erfahren konnte, so fühlt er sich höchst oberflächlich und unseriös an.

Oberflächlich, weil man als Agentur wichtige Informationen und Hintergrunderfahrungen nicht ergründen kann.

Unseriös, weil eine wahnsinnige Energie verschwendet wird und der Anstand einer geschäftlichen Zusammenarbeit mit Füßen getreten wird.

So gibt es große Ausschreibungen, an denen sehr viele (auch renommierte) Agenturen teilgenommen haben. Es haben viele Leute viele Tage an dem Projekt gearbeitet, um es dann am Tag X an eine Person (besagte Assistentin) zu schicken.

Dann hört man nichts mehr.

Wenn man Glück hat, liest man Monate später in der Fachpresse, wer den Pitch gegen welche Finalisten gewonnen hat.

Aber man bekommt keine offizielle Absage.

Keinen Kommentar, warum die eingesandte Präsentation nicht in die engere Wahl gekommen ist.

Nichts.

Mir erscheint so ein laxer Umgang mit den Ressourcen von Agenturen fahrlässig und respektlos.

Es spricht nichts dagegen, wenn ein Kunde das Netz nutzt, um Agenturen nach der Eignung für seine Aufgabe zu selektieren.

Es mag für den einen oder anderen Kunden sogar Sinn machen, mit einem Internet-Auswahlverfahren erste Ideen zu prüfen um zu sehen, ob die Art und Weise, wie eine Agentur kreativ an die Aufgabe rangeht.

Um dann einen kleinen Kreis von Agenturen noch mal persönlich zu treffen und über die Aufgabe zu reden.

Dagegen finde ich es fraglich, einen großen Pitch über das Internet auszurufen, womöglich über hundert Agenturen in einen zeit- und kostenaufwendigen Arbeitsprozess zu schicken – um dann die Präsentationen sang- und klanglos in irgendwelchen Archiven verschwinden zu lassen.

Ganz abgesehen davon, dass in einer persönlichen Präsentation einfach viel mehr Details und Emotionen einer Kampagne vermittelt werden können.

Klare Entgegnung: man muss ja nicht mitmachen.

Aber in Zeiten wie diesen will man sich natürlich den ein oder anderen Blue Chip Pitch nicht entgehen lassen und denkt darüber nach, es doch mal zu probieren.

Da empfinde ich eine Onlne-Idee von Turkish Airlines in Istanbul wenigstens so clever, dass sie die Suche der Marke nach der richtigen Agentur ein Teil der Kampagne werden lässt. 

Sie haben das Briefing für einen neuen online Job im Netz versteckt. Agenturen können es in einer virtuellen Schnitzeljagd entdecken. Wer es finden will, muss aber gewisse Fähigkeiten entwickeln, auf die der Kunde bei der Bearbeitung des neuen Jobs wert legt.

Wer es mag.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Und ich dachte, das Problem, ein Projekt an eine Person zu verschicken und dann nichts mehr zu hören, gehört in die Bewerbungphase (meine momentane Phase). Aber so wie es scheint, zieht sich diese Prozedur durch den gesamtem Arbeitsprozess. Wenigstens etwas, was ich jetzt schon lerne. Tolle Aussichten.




Nichts.

Anonym hat gesagt…

Mich erinnert diese Vorgehensweise an die agenturinterne Kommunikation: es wird gepitcht, Wochenenden durchgeschrubbt und Nachtschichten eingelegt bis die Präsentation steht. Danach hört man nichts mehr von dem Job, bis igrendwann in der Presse die Meldung durchsickert, wer gewonnen hat. Von Agenturseite erhält man keine Informationen.

Anonym hat gesagt…

@ Anonym
Warum erscheint es mir denn logisch, dass eine Agentur ihren Mitarbeitern in diesem Fall nichts sagt? Kann das vielleicht daran liegen, dass sie zu dem Zeitpunkt noch versucht Infos vom Kunden einzuholen? Was soll eine Agentur den ihren Mitarbeitern sagen? Wir haben verloren?

Ich für meinen Teil möchte ja auch wissen, warum ich einen Pitch verloren habe....bekomme ich diese Info nicht, ist es mir egal, ob ich die Neuigkeit durch meinen Chef oder die Presse erfahre.

Anonym hat gesagt…

was ist denn daran logisch? Dann sagt man dem Mitarbeiter halt: Nein, nicht gewonnen, wir wissen aber (noch) nicht warum. Und warum sollte man verschweigen, dass man verloren hat?

Gar nichts zu sagen ist zwar gang und gäbe, aber in meinem Augen nicht fair dem Mitarbeiter gegenüber.

Und ich will das nicht aus der Presse erfahren, sondern von meinem Chef. Der lässt mich ja auch dafür arbeiten.

Mich wundert immer wieder das viele Agenturen sich als die Kommunikationswunder hinstellen die jedes Produkt richtig kommunizieren können, aber INTERN geht dann eher nichts.

Anonym hat gesagt…

HA!
Stimmt genau. Vorher wird heisse Luft gemacht und alle dürfen Ihre Feierabende und ihre Wochenenden opfern und die Köpfe rauchen lassen. Was ja durchaus auch positiven Stress bedeuten kann.
Aber schade, dass man vom Ergebnis eines Pitches oder auch einer Präsentation (!) erst dann erfährt, wenn man die Berater am Drucker trifft und gezielt nachfragt. Ich finde das respektlos. Außerdem führt auch eine fehlende Nachbesprechung dazu, dass man aus Fehlern niemals lernen kann. Man kann viel Schlechtes über JVM sagen, aber dort gibt es hinterher ein Dankeschön und eine systematische Nachbesprechung mit allen Mitarbeitern. Gut vorbereitet von den Beratern. Das ist ein sourveräner Stil, der für den nächsten Pitch motiviert.

Anonym hat gesagt…

Stefan, wie wird das denn bei euch gehandhabt?

SZ hat gesagt…

Bei uns gibt es meistens relativ schnell nach einer Absage eine Mitteilung an das Team. Per Mail oder per Meeting.
Aber wir sind nicht immer sehr kommunikativ direkt nach einer Präsentation, wenn das Team berechtigterweise Feedback erwartet. Das beste ist, man ruft alle, die an einem Pitch beteiligt sind, zu einer Manoeverkritik zusammen und erzählt, was gut lief und was nicht. Wenn dann die Kundenentscheidung kommt, reicht m. E. ein Mail. Ausserdem verkündigen wir Absagen oder Zusagen in unserem Status, der jeden Montag morgen um 9.30h stattfindet und an dem alle Agenturmitarbeiter teilnehmen (sollen).

chris hat gesagt…

http://www.youtube.com/watch?v=JI3Df7-KFtw

Anonym hat gesagt…

Alle informieren die an einem pitch dabei waren?! Dazu gehört auch der prakti, der Grafiker der die Nacht mit geschwitzt hat.

Es ist doch schon merkwürdig das man sich selber erkundigen muss ob man gewonnen hat. Ja die tolle Beratung weiß immer alles gleich. Stimmt die sind ja immer die Lieblinge.

Bei uns gibt es wenn dann ein danke vom ad weil er weiß wie man geackert hat. Von Ganz Oben gibt's Doch Meist nur ein lächeln.