Montag, 22. Juni 2009

Nicht in sozialen Netzwerken verheddern.

Letzte Woche habe ich einen Artikel gelesen, der die vermeintlich fünf besten Facebook Fan Pages vorgestellt hat.

Ehrlich gesagt wusste ich bis dato gar nicht, dass es so etwas gibt.

Fan Pages sind gewissermaßen die Second-Life-Shops von Marken auf Facebook (und das sollen inzwischen ja auch nur noch virtuelle Ruinen sein). 

Hier mal beispielhaft der Facebook-Auftritt von Coca Cola.

Diese Werbeinseln in den sozialen Online-Netwerken unterstreichen, was ich letzten Freitag schon zum besten gegeben habe.

Kaum ist ein neues soziales Netzwerk im Kommen, schon stürzen sich alle darauf, die da meinen, im digitalen Zeitalter immer die ersten sein zu müssen.

Die Goldgräberstimmung um die sozialen Netzwerke hat bei so manchem Werbespezialisten das Denken aus dem Gleichgewicht gebracht.

Deshalb hier eine mentale Wasserwaage zum austarieren der Hirnaktivität: Bevor man einer der ersten ist, der in den allerneuesten der neuen Medien auftauchen, sollte man für eine gute Marken Story sorgen.

Am besten eine Story von der Qualität, die die Mitglieder der sozialen Netzwerke veranlasst, von alleine darüber zu berichten.

Eine solche Story hat sich der amerikanische Telekommunikationsanbieter Sprint verpasst: the NowNetwork.

Den Film dazu habe ich bereits an anderer Stelle gezeigt.

Aber auch die Website ist Löwen-verdächtig (wer es über sein soziales Netzwerk noch nicht mitbekommen haben sollte: wir sind in der Cannes-Woche).


Website „NowNetwork“ von Sprint. Agentur Goodby Silverstein & Partners, San Francisco.

Kommentare:

Fabian hat gesagt…

„Es war für die gesamte Jury auffallend, dass besonders aus Deutschland extrem viele Arbeiten gekommen sind, die für den Markt komplett irrelvant sind“, so Milla weiter. Immer wieder sei er von den aus aller Welt kommenden Jurykollegen angesprochen worden, warum die Deutschen so erpicht darauf seien, mit allen Mitteln einen Löwen nach Hause zu holen."

Danke.

Christian hat gesagt…

Also als Werber würde ich Dir sofort zustimmen. Aber als PRler sehe ich das etwas anders.

Klar kann es bei Facebook darum gehen, Geschichten zu erzählen und dadurch Gespräche auszulösen. Aber es kann auch einfach den Sinn haben, Fans zu finden und zu binden. Und authentische Kommunikation zu betreiben, Fragen zu beantworten, Diskussionen anzustoßen. Denn es gibt zu fast allen Marken bereits Fan-Gruppen - auch ohne dass die Marke irgendetwas macht. Da macht es Sinn, den Fans ein Angebot zu machen. Egal, ob ich dort spannende Geschichten erzähle oder einfach Infos gebe, die Fans interessieren könnten.

Das verhält sich zumindest bei Facebook übrigens anders als bei Second Life. Weil die Pages bei Facebook kostenlos sind. Und sie sind auch zugänglich für Nicht-Mitglieder. Es besteht also die Möglichkeit zu experimentieren.

Und das ist auch der Zweck: Egal, ob eine Marke 50 oder 1 Mio Fans auf Facebook hat - ich hab dort die Möglichkeit zu testen, welche Inhalte in Social Networks funktionieren. Die Zeit, in denen Werber perfekte Geschichten erzählen, die garantiert funktionieren, ist im Web vorbei.

Open Source is the willingness to fail, sagt Clay Shirky. Weil die Kosten des Misserfolgs gering sind, kann man probieren, bis man ein passendes Tool gefunden hat.

SZ hat gesagt…

@Christian: Eine Markenstory zu erfinden heisst nicht, auf Facebook Geschichten zu erfinden. Sondern überhaupt erst mal eine Markenidee (eine Markenstory) zu kreieren. Die Facebook-Beispiele, über die geredet wird, sind meistens die Beispiele von Marken, die auch eine gute Markenidee haben (Coca Cola, Pringles, you name it).
Aber von den vielen Facebook-Aktionen, die nach hinten los gegangen sind, davon redet natürlich keiner. Aber auch die haben Geld gekostet. Und nix gebracht, weil die Marke keine attraktive Idee hat.
Das Zitat "Open Source is the willingness to fail" ist ja auch schon ein abgenudelter Präsentations-Klassiker. Aber was hat eine Marke davon, wenn sie Open Source betreibt, nur ihre Idee so mies ist, dass über Twitter, Facebook oder sonstige Kanäle darüber abgelästert wird?
Deshalb: erst die Idee, dann die Medien.

ramses101 hat gesagt…

"Erst die Idee, dann die Medien."

... es sei denn, die Idee kommt aus dem Medium. Burger Kings (bzw CPBs) Idee Freunde bei Facebook gegen Burger zu tauschen, funktionierte ja auch nur bei Facebook.

(Wobei, zugegeben, die Grundidee "tausche X gegen Produkt" nicht gerade neu ist.)

SZ hat gesagt…

@ramses101: Aber hinter Burger steckt auch eine starke Markenstory. Die gleiche Aktion würde mit Hessburger nicht funktionieren.

SZ hat gesagt…

@ramses101: Das Wort King kommt oben noch hinter Burger

Christian hat gesagt…

@SZ: Wo Du sicher recht hast ist, dass sich Kommunikation lohnen muss. Aber der Ansatz "Die Marke denkt sich was aus, das den Leuten gefällt und sie dann bespaßen" ist nicht mehr der einzig gültige. Man kann auch den Leuten zuhören und schauen, was sie mit der Marke machen.

Aber wir reden eh von unterschiedlichen Dingen - Du von Werbung, ich von PR.

P.S.: Nur weil ein Satz häufig benutzt wird, ist er nicht unbedingt falsch. Im Social Media Bereich muss man auch mal ausprobieren. Marken, die Millionen in TV-Werbung finanzieren, können dazu ruhig einige Tausend aufwenden. Denn eines ist klar: Die alten Wege und Kanäle brechen langsam weg.

Christian hat gesagt…

@SZ investieren statt finanzieren

SZ hat gesagt…

@Christian: Werbung und PR kategorisch zu trennen ist nicht die Zukunft.

Christian hat gesagt…

@SZ: Das ist keine Frage. Nur diese Idee, mit erfundenen Geschichten Leute zu bespaßen, ist Werberdenke. So funktioniert keine PR.

SZ hat gesagt…

Wir reden aneinander vorbei. Die Markenstory kommt vor Werbung und PR. Aber jetzt ist auch gut.

ramses101 hat gesagt…

@SZ: Dass die Geschichte hinter der Marke stimmen (und zur Idee passen)muss, wollte ich auch nicht in Abrede stellen. Aber die Facebook-Idee war losgelöst davon ausschließlich auf Facebook begründet. Hätte mit Coke, Pringles oder sonstwem mit halbwegs jugendlichem Image auch funktioniert.

Einzige Voraussetzung ist eine entsprechende "Facebook-Dichte". Wenn Hessburger die (und ein passendes Image) hätte, würde es auch mit Hessburger funktionieren.

Ich kann jedenfalls nicht erkennen, inwiefern die Aktion besonders "burger-kingig" sein soll.