Mittwoch, 3. Juni 2009

Lauter Labs um einen herum.

Wie der regelmäßige Leser weiß, bewege ich mich täglich häufiger im Internet – im Gegensatz zum Durchschnitt meiner Altersgenossen zwischen 40 und 50.

Ich e-maile (was vermutlich fast alle in meiner Altersklasse tun).

Ich „searche“ (was vermutlich auch fast alle tun).

Ich kaufe online (was vermutlich 75% tun).

Ich ersteigere und versteigere (was vermutlich 50% tun).

Ich bin – eher unwillig – in einem sozialen Netwerk (was vermutlich 25% tun).

Ich twittere (was vermutlich 5% tun).

Ich blogge (was vermutlich 1% tut).

Für Mediaplaner bin ich ein Silver Surfer. Allerdings habe ich erst durch Bloggen und Twittern einen leisen Einblick bekommen, wie sich in dieser Welt jeder mit jedem vernetzt (oder es zumindest versucht). 

Und wie im Web Informationen fließen und Meinungen gebildet werden.

Wer es also wissen will, sollte damit anfangen.

Es entsteht eine ganz neue Hemisphäre an Kommunikationstechniken, die für uns Kreative interessant sind. Und natürlich auch für unsere Kunden.

Weil das nun keine neue Erkenntnis ist, findet man inzwischen ganz viele so genannte Agentur-Labs, die die neuesten der Neuen Medien erforschen.

BBH Lab, Media Arts Lab oder Heye Digital Lab - um nur drei wahllos zu nennen, die mir spontan einfallen

Vor ein paar Tagen las ich von dem in der Szene bekannten und geschätzten Blogger Faris Yakob (hier), dass er Chief Technology Strategist bei McCann-Erickson in New York ist.

Chief Technology Strategist?

Nun, ich stelle mir darunter einen Planner vor, der alle innovativen Kommunikationskanäle screent und nach ihrer Kampagnentauglichkeit abklopft. 

Könnte demnach auch Chief Laborist heissen.

Hört sich für Kunden gut an, ist sicher auch interessant (wenn man es sich als Agentur leisten kann) und unterstreicht die Tatsache, dass man Kampagnen wieder von hinten aufzuziehen beginnt. 

Will sagen, man sucht zuerst die für das Problem und das Budget geeigneten neuen digitalen Kanäle oder technischen Möglichkeiten, bringt diese ins Planning mit ein und überlegt sich dann, wie man es kommuniziert.

Das kann Sinn machen. Allerdings besteht auch die Gefahr, dass man vor lauter „Neuigkeits-Wahn“ oder „Erster-sein-Hysterie“ die Sinnhaftigkeit für die Marke aus den Augen verliert.

Bei allem Technologie-Hype, es ist doch irgendwie beruhigend, dass es immer noch Werbung gibt, die ihren Weg an die Öffentlichkeit ohne Labs findet.

Apple bietet mit seinem iphone viele verschiedene "apps" (applications) an . Mit der app „brushes“ hat der Künstler Jorge Colombo einen Titel des amerikanischen Magazins New Yorker gezeichnet.

Der sieht cool aus (würde mich aber nicht wundern, wenn die apps in den Apple Labs entstanden sind).

Ok, genug ge-lab-ert.




Der Titel des New Yorker, gezeichnet von Jorge Colombo auf einem "iphone app" namens brushes.

Ausschnitt der abc News über die New Yorker Aktion.

Kommentare:

Fabian hat gesagt…

Genau das ist es ja: Nur weil es jetzt technisch möglich ist, muss man es ja noch längst nicht machen.

Anonym hat gesagt…

mir kommt es oft eher umgekehrt vor: man findet einen neuen kanal. eine neue technische möglichkeit. und dann sucht man sich das problem... aber hey. vielleicht sollte ich mir doch auch mal so ein i-phone besorgen. geil.

Anonym hat gesagt…

The rise of the Silver Surfer!

SZ hat gesagt…

Witzbold! Oder Witzboldin?