Dienstag, 9. Juni 2009

Inhouse Agenturen.

Es gibt Unternehmen, die stellen ihre Werbeagentur selbst auf die Beine. Das nennt man dann Inhouse Agentur.

Bei manchen Unternehmen ist es eine riesige Abteilung, bei anderen eine eigene, räumlich getrennte Agentur, die mehrheitlich der Firma gehört, für die sie Werbung macht.

Warum machen Unternehmen das?

Natürlich, um Kosten zu sparen, um Wege kurz zu halten und um Know How zu schützen.

MediaMarkt und Saturn haben beispielsweise so eine Inhouse Agentur, die heisst RedBlue Marketing.

Besonders gerne haben Verlage und Modeunternehmen solche Inhouse Agenturen. Die Modedesigner oder Redakteure sind schließlich auch Kreative. Und die haben den Glauben sowie das ungebrochene Selbstbewußtsein, dass sie Werbung für ihr Unternehmen einfach besser drauf haben als Werber von außerhalb. Selbst wenn sie es nebenher auf der linken Arschbacke machen.

Ist das der Grund, warum speziell die existierende Modewerbung weltweit zu den langweiligsten und austauschbarsten zählt?

99% aller Mode-Anzeigen (inkl. Parfum) sind: ein Modell (oder zwei oder drei), ein Fotolook und das Markenlogo groß abgebildet.

99% aller Mode-Filme (inkl. Parfum) sind: ein Modell (oder zwei oder drei), ein Filmlook, eine Musik und am Ende das Markenlogo groß abgebildet.

Die Vorteile einer Inhouse-Agentur (Effizienz, KnowHow) werden meiner Meinung meistens dadurch komplett verbraucht, dass sich die kreative Leistung in Grenzen hält und nicht wirklich auffällt.

Deshalb gehen viele Unternehmen mit firmeneigener Agentur auch den Weg, dass sie gewisse Projekte (im Falle MediaMarkt bspw. den Above-the-line-Etat) an klassische Agenturen vergeben.

Die Outhouse Agentur liefert quasi die Konzeptidee und den Rest adaptiert die Inhouse Agentur. Findet man als kostengeplagter Agenturinhaber zwar nicht so prickelnd, aber man weiß ja vorher, worauf man sich einlässt.

Woran liegt es nun, dass es Inhouse Agenturen selten gelingt, wirklich Arbeiten abzuliefern, die einer breiten Masse auffallen?

Vielleicht, weil gute Kreative nicht auf einem einzigen Etat rumhühnern wollen und lieber in Outhouse Agenturen arbeiten?

Vielleicht, weil gute Ideen und eine Stechkarte sich einfach nicht vereinbaren lassen?

Vielleicht, weil der Creative Director ein Abteilungsleiter ist, der normalerweise mit Zahlen jongliert?

Vielleicht, weil ein guter Designer noch lange kein guter Werber ist?

Was immer die Gründe sein mögen, ein entscheidener Qualitätsfaktor für eine gute Kampagne fehlt: der unvoreingenommene Blick von außen.

Man kocht eben in seinem eigenen Fleisch und sieht die Welt nicht mit der nötigen Distanz vom Unternehmen. Oder aber, der Kreative sieht es, aber der Chef, der es entscheidet, sieht es nicht.

Ausnahmen bestätigen die Regel:

Eine der wenigen Inhouse Agenturen, die immer wieder durch ungewöhnliche Werke auf sich aufmerksam macht, ist die von H+M.




TVC von H&M für H&M. Genauer gesagt: Matthew Williamson for H&M Summer 2009. Music: Stereo Lies – We need a change. Regie: Johan Renck.

Kommentare:

Mehmet Karabulut hat gesagt…

goil!

Anonym hat gesagt…

die modebranche finde ich ein eher nicht so passendes beispiel. die modewerbung zeigt die klamotten und von wem es ist. so, reicht doch um alles zu kapieren. wieso da jetzt noch eine idee...

ich bin deiner meinung. modewerbung ist stinkelangweilig. aber die meisten ideen machen das produkt ja nicht unbedingt besser. klamotten stehen für sich selber. dein style ist deine haltung und deine message. z.b. diesel. setzt die firma sich für den umweltschutz ein? oder bewirke ich was damit in dem ich die klamotten kaufe? sind die öko? wohl nicht.

das thema ist echt nicht so einfach zu beantworten...

phigo hat gesagt…

tolles beispiel. wunderschöner film.
Mir fällt dazu ein, dass tendenziell zu oft logisch korrekt und auf pointe hin gedacht wird, aber diese leicht epischen sachen berühren doch einfach mehr.

Frage: Sind in sich logische Kampagnen nicht immer die langweiligeren? Hat man an irrationalen Sachen nicht viel mehr Freude (Cadburry)?

Anonym hat gesagt…

die yalook dinger sind auch n gutes Beispiel dafür, dass es auch anders geht: http://www.horizont.net/standpunkt/topderwoche/pages/show.prl?id=589

gut man hätte es noch n büschn spannender machen können, aberr trotzdem gut

meistermochi hat gesagt…

ich habe lange auf diesen beitrag gewartet!

...d'accord!!!

ich weiß zwar nicht, gegen wen williamson 'ne wette verloren hat, dass er diese farben mixt, aber gut. da habe ich vielleicht keine ahnung von.

der spot aber ist der wahnsinn!

meine huldigung: http://meistermochi.de/2009/05/warum-werbung-wirkt-matthew-williamson-fur-hm/

Anonym hat gesagt…
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Anonym hat gesagt…

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Anonym hat gesagt…
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Anonym hat gesagt…
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Micha hat gesagt…

Zum Thema "irrationale" Werbespots: Die TV-Spots von C&A finde ich im Moment richtig gut (die mit dem Küken und der Frau). Die Frage ist, ob man mit solchen Messages nicht auch einige seiner Kunden überfordert. Ich bin Marketing- und Werbunginteressiert und allgemein immer mit offenen Augen unterwegs - ist das bei dem "Durchschnittskunden" auch der Fall? Oder denken die: was soll das denn? Ist das "Was soll das denn?" positiv für das Brand?

Nun ja...

Stefan Zschaler hat gesagt…

@Micha: dieser Beitrag ist gute 4 Jahre alt. Die aktuellen C&A-Spots (schreib hier zur Sicherheit noch mal das Datum Juni 2013 hin, falls sich mal wieder einer in die Kommentare verirrt) sind von einer Agentur, soweit ich das weiß.