Mittwoch, 27. Mai 2009

I'm not Dave.

Nach meinem kleinen Schwächeanfall gestern (Symptom: Themenausfall) danke ich erst einmal für den allgemeinen Zuspruch. Genau das ist es, was Menschen brauchen, die Motivationsrobleme haben. 

Ihr, die Leser, habt das perfekt diagnostiziert und die richtige Medizin in den Kommentaren angewandt.

Ich möchte deshalb nur kurz auf einen anonymen Kommentator eingehen, der anregte, dass ich doch „etwas weniger Scamp und etwas mehr Dave“ verfolgen sollte.

Kurze Erläuterung für all diejenigen, die bei diesem Zitat auf der Leitung stehen: Scamp meint einen ziemlich bissigen englischen Blog über Werbung, verfasst von einem CD bei BBH (hier). Da wird teilwiese richtig abgelästert. Das Ding wurde meines Wissens auch schon mal kurz vom Netz genommen.

Dave dagegen meint den Blog des Werbeveteranen Dave Trott (hier), der fast jeden Beitrag mit den Worten a few years ago, a couple of years back, over the years, when I was, after school, etc. beginnt und seine Erfahrungen der letzten 30 Jahre zelebriert.

Eine etwas altväterliche Märchenonkelsprache („once upon a time“) und etwas altklug daher kommend. Aber meistens vertritt Dave Trott sehr gute Prinzipien und beschreibt sie auch intelligent. Ich finde nur, es wiederholt sich irgendwann.

Ich möchte betonen, dass ich beide Blogs gelegentlich überfliege und genieße – aber keiner von beiden sein will.

Ich will ich sein.

Mein Blog soll heute eher ein Spiegelbild der Seele eines Creative Directors sein, der zu den Themen schreibt, die ihn gerade beschäftigen – im Gegensatz zu den Anfängen, als ich meine "Erfahrungsberichte" zum besten gegeben habe (September 2008 bis Dezember 2008).

Der Blog gibt natürlich auch weiterhin Erfahrungen oder Tipps preis, wenn ich denke, es tut not. Der Blog erfreut sich an guter Arbeit, erzürnt sich an schlechter Arbeit und bietet ein persönliches digitales Forum für Kreative (damit ich ganz egoistisch weiterhin Erfahrung im Umgang mit ebensolchen digitalen Medien sammeln kann).

Der Blog hier gibt euch einen kleinen Einblick, wie der Kreativchef einer Agentur denkt (was nicht heisst, das alle so denken, eher im Gegenteil) und er gibt euch die Chance, jegliche Hemmschwellen zu vergessen und mit diesem Typen in (gerne auch anonymen) Dialog zu treten.

Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Hier geht es nicht um Werbung für unsere Agentur, sondern um Werbung als Leidenschaft.

Stay tuned.

P.S. Wer einen Blog mit einer richtigen Idee sucht, oder überhaupt gerade eine Idee sucht, der sollte sich den neuen Blog von zwei ehemaligen Agenturkreativen ansehen: steal our ideas.

Kommentare:

Fabian hat gesagt…

CPB

http://cgi.ebay.com/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=270392380113

Fabian hat gesagt…

Und noch einen.
Publicis Mojo mal wieder.

http://www.youtube.com/watch?v=uy0HNWto0UY&feature=channel_page

sossenteufel hat gesagt…

apropos dave... ich zieh mir seinen blog auch gelegentlich mal rein. ich frage mich allerdings, ob der gute dermaßen jenseits von gut und böse ist, dass seine sätze nie länger als 10 Worte sind, oder ob der mit der direktmarketing-milch großgezogen worden ist? wirkt eher wie ein telegramm, das ganze...
trotzdem gefällt mir seine märchenstunde.

jedenfalls gefällt mir dein blog sehr gut und ich schaue gerne rein. eben auch, weil du nicht dave bist. amen.

Anonym hat gesagt…

wow. wow. wow.
dein blog ist super,
wie er ist.
hab das nicht so wörtlich gemeint.
mehr als anregung.
dass - wenn es tagesaktuell mal nicht so viel zu berichten gibt - den leser durchaus auch eine anekdote aus vergangenen tagen erfreuen kann.
Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.
I stay tuned.

SZ hat gesagt…

Fein!

Anonym hat gesagt…

Du schriebst, dass man als Kreativer auch mal im Ausland arbeiten sollte. Mein Englisch ist zwar gut, aber ich weiß nicht, ob es zum kreativen texten auf Englisch reichen würde. Was ist da deine Einschätzung?

Konstantin hat gesagt…

Also ich finde deinen Blog toll.

Wenn du aktuell Probleme hast, interessante Themen zu finden, dann nutz doch das Sommerloch und erzähl uns von deinem Einstieg in die Werbung aus subjektiver Sicht.

Ich beispielsweise studiere Psychologie und Kommunikationswissenschaft und arbeite nebenbei in einer Erfurter Werbeagentur als Texter 2x die Woche.

Es ist sehr schwer, trotz des ganzen theoretischen Inputs in der Uni geistig trotzdem frisch zu bleiben und auf Kommando geniale Ideen zu haben. Ich finde diese Kombination aktuell für mich sehr wichtig für meine Zukunft in dieser Branche.

Ich bin jetzt seit etwa einem Jahr in der Werbung tätig (abhängig von Unistress mal weniger und in in den Semesterferien mal ganz viel) und habe mich anfangs über jede Headline tierisch gefreut, die von mir kam und letztendlich tatsächlich auf dem Flyer oder Plakat gelandet ist. Mittlerweile hab ich eine gewisse Distanz zu meinen Ideen aufgebaut, weil ich merke, dass man zu krass enttäuscht ist, wenn die "geniale Idee" abgelehnt wird.

Hältst du das für gut oder sollte man trotz der Niederlagen vor dem CD stets die persönliche Bindung zu seinen Konzepten behalten?

Mach weiter so, ich lese hier jeden Tag und deine 100 Tipps hängen an der Wand in meinem Büro.


Liebste Grüße,

Konstantin

Fabian hat gesagt…

VANITY FAIR BEKOMMT EVTL. 2. CHANCE! JEAH!

SZ hat gesagt…

@Konstantin: Als Kreativer hat man automatisch zu jedem Konzept eine Bindung, wenn man mit Leidenschaft dabei ist. Du darfst es auch nicht als "Niederlage" sehen, wenn der CD deine Headlines oder deine Konzepte ablehnt. Sondern du musst abwägen, hat er gute Argumente (strategischer/konzeptioneller Art) oder ist eher persönlich oder geschmäcklerisch. Bei letzterem ist es erst recht keine Niederlage, denn der CD fährt seine Ego-Nummer und da kannst du als Freier wenig ausrichten. Du musst dann für dich entscheiden, ob du damit leben kannst oder ob du dir etwas anderes suchen solltest.
Erfurt dürfte auf Dauer aber kein Agentur-Pflaster sein, auf dem du Kampagnen entwickelst, über die die Welt redet.

Konstantin hat gesagt…

Dass Erfurt keine Werbemetropole ist, ist mir schon klar. Hauptsächlich studiere ich hier und nutze die Arbeit eben als ersten Einstieg.
Da mein Studium noch zwei Jahre geht, bin ich mal gespannt, ob sich das deutsche Werbezentrum von Hamburg tendenziell eher nach Berlin verschiebt. Es gibt da ja Prognosen.

Liebe Grüße und schöne Pfingsten...