Donnerstag, 14. Mai 2009

Ambient ohne Auftrag?

Gestern war ich in London.

Mir fiel auf, dass die vielen „Billboards“, die ich auf dem Weg zu unserer Agentur gesehen habe, in keinster Weise dem exquisiten Niveau entsprochen haben, das man als deutscher Kreativer von englischer Werbung so im Kopf herum trägt.

Erkenntnis: die Engländer kochen in der Krise scheinbar auch vermehrt mit Wasser.

Aber das nur am Rande.

Die interessanteste Werbeform sah ich nämlich auf dem Rückflug in einem Magazin, das man im Flugzeug eigentlich nur dann durchblättert, wenn man gar nichts anderes mehr zu lesen hat. Oder wenn man, wie ich, kurz vor dem Start seine Tasche mit allen Zeitungen abgenommen bekommt, weil man am Notausgang sitzt.

Die Rede ist vom Lufthansa Magazin (Ausgabe 05/2009).

Auf Seite 18 stolperte ich über einen Artikel, der mit „Das Rätsel des Kranichs“ überschrieben war.

Wer sich die Koordinaten +15.671825 und +39.443632 bei www.maps.google.com als Satellitenbild anzeigen lässt, der sieht ein Kornfeld an der Küste von Eritrea, in das ein Lufthansa Logo getrampelt/gemäht/gepflügt/gebrannt/gepostet (?) ist.

Lufthansa selbst gibt an, keine Ahnung von dieser Aktion gehabt zu haben. Google auch. Und der amerikanische Geheimdienst sowieso. Steht so in besagtem Artikel.

Eine geheime und geschickte Cross-Promotion zwischen Google und Lufthansa? Clever als PR-Gag eingefädelt?

Oder ein Zufall?

Wenn es nun wirklich keine gezielte und geplante PR-Aktion ist, was ist es dann?

Ein Mitarbeiter von Lufthansa, der in seiner Heimat seine Loyalität ausdrückt?

Ein Bauer aus Eritrea, der sein Faible für "Made in Germany" dokumentiert?

Ein gewiefter Geschäftsmann, der in diesem Land ein Ambient-Werbe-Projekt starten will?

Was auch immer der Grund für diese Aktion ist, am meisten hat mich die Tatsache beschäftigt, dass wir als Agentur schon so oft irgendwelche Guerilla-Aktionen in Feldern oder Landschaften erdacht und präsentiert haben, aber keiner wollte sie wirklich ernsthaft realisieren.

Guerilla oder Ambient soll immer Teil der Präsentation sein, in dem man zeigen muss, dass man als Agentur auch nicht-klassisch denken kann – aber die wenigsten Kunden haben wirklich Energie und Interesse, so eine Aktion dann auch mal umzusetzen.

In Eritrea hat es nun jemand hingekriegt.

Was immer auch dahinter steckt, wenn es am Ende dazu gut war, mal wieder auf diesen leidgeprüften Flecken Erde hinzuweisen, war es schon die Mühe wert.



Zufall, Plan oder Mysterium?

Dieses Logo an der Küste von Eritrea kannst du sehen, wenn du

die Koordinaten +15.671825 und +39.443632 bei www.maps.google.com eingibst und sie dir dann als Satellitenbild anzeigen lässt.

Kommentare:

sossenteufel hat gesagt…

tolle ambient aktion hin oder her - lufthansa-werbung im lufthansa-magazin? äähm, mehr als schon den kranich fliegen kann man doch eh nicht! jetzt mal ganz platt gesagt.

kundenbindung kann ich da auch keine erkennen. ich würde mich eher fragen, warum lufthansa sowas in einem der ärmsten länder der welt veranstaltet...

Fabian hat gesagt…

Mich würde viel mehr interessieren, was deine Arbeitskollegen in London zur Krise sagen.
Bzw. wie es dort im Moment aussieht: Einstellungsstops, Entlassungen und wie die Kunden sich dort verhalten. Eher ängstlich oder zeigen die doch Mut mit ungewöhnlichen Kampagnen, weil sie die Krise als Chance sehen?
Vielen Dank!

Anonym hat gesagt…
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Anonym hat gesagt…
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Anonym hat gesagt…

erhofft sich die lufthansa das man über eritrea fliegt um wirklich zu überprüfen ob es da auch wirklich das logo im feld gibt? was für eine sinnlosaktion. da kannst du auch am mount everest den playboyhasen in den schnee pinkeln.

milchsaeure hat gesagt…

Schon interessant. Im Prinzip kann jeder Blackberry/Smartphone/etc Besitzer den Koordinatentest sofort machen, noch mit dem LH Magazin im Schoß. Und ist fasziniert. Das allein würde mir als tieferer Sinn schon reichen. Weil es mehr ist, als viele andere Marken mit Millionenaufwand hinkriegen.
Erinnert sich noch jemand daran, wie Google Atlantis entdeckt hat? Einfach mal +31.151553 und +24.153053.

SZ hat gesagt…

Um es noch mal deutlich zu machen, es handelte sich um einen redaktionellen Artikel über dieses Phänomen in einem Kornfeld in Eritrea. Und es klang so, als ob sich die LH selbst darüber wundert.

Aber so etwas kann ja auch Masche sein.

Egal, auf jeden Fall sehe ich es wie Milchsäure, man kann sich das ganz leicht angucken mit den Koordinaten. Irgendwie cool.

SZ hat gesagt…

@Fabian: Same procedure as here. Lot of redundancies. And clients become more careful. But not as much clients as here, I guess.

Anonym hat gesagt…

Vielleicht doch Außerirdische?