Montag, 27. April 2009

Eine eigene Klasse: Filme zur Idee.

Es ist eine Binsenweisheit, dass die Idee allein nichts taugt, wenn man sie schlecht verkauft. Bei vielen Wettbewerben, national wie international, kommt dem Erklärungsfilm daher eine wichtige Bedeutung zu.

Besonders bei komplexen Kampagnen oder Werbeformaten, z.B. Verkaufsförderung, Media, ganzheitliche Kommunikation, etc.

Man hat in der Kategorie „digitalen Medien“ 90 Sekunden Zeit (bei „integrierten Kampagnen“ sogar 270 Sekunden), die Idee zu erklären und ihre Stärken zu präsentieren.

Wer es aber nach spätestens 40 Sekunden nicht schafft, den Juror in seinen Bann zu ziehen, hat verloren.

Stellt euch einfach vor, ihr sitzt vor einem Berg von 300 x 90 Sekunden, die ihr ansehen sollt, um eine Pre-Shortlist zu erstellen (so erging es mir in Vorbereitung meiner ADC Juryarbeit für digitale Medien).

Wenn ein Einsender da nicht zügig auf den Punkt kommt, klickt man das Ding weg, bevor es zu Ende ist.

Grausam, manchmal vielleicht ungerecht, aber nicht zu ändern.

Allein Formulierungen wie

„...haben wir eine nie dagewesene Lösung gefunden...“ oder

„entwickelten wir die weltweit erste Idee für...“ wie auch

„...standen wir vor der fast unlösbaren Herausforderung...“

erwecken im jurierenden Betrachter einen natürlichen Trotzmechanismus.

So versemmeln viele dieser Filme mit schlechten Texten, quäkenden Sprechern, schlechter Bildqualität, schriller Musik (zu laut, zu viel) oder schlechter Didaktik die Chancen der Idee.

Wenn man sich schon die Mühe eines solchen Filmes macht, muss man auch Zeit und Wortgewandtheit darauf verwenden.

Erklärungsfilme sind eine Kunst für sich. Und sollten nicht so nebenbei gemacht werden.

Am besten plant man den Film, wenn man die Idee produziert. Dann kann man eventuell schon bei der Herstellung Material für den Film erstellen, dass die Idee klarer macht.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es gibt sogar ein Blog ausschließlich für Case-Filme. Auf jeden Fall mehrere Blicke wert:

http://casemovies.wordpress.com

SZ hat gesagt…

Schöner Hinweis, danke.

NathanPortnoy hat gesagt…

Ich geb dem ADC noch zwei Jahre bis er Nägel für Erklärfilme verleiht...

Karnickel, Rosa hat gesagt…

Der Deal lautet: Mach die Idee in 90 Sekunden klar. Das ist fair und die Einsender halten sich daran. Wer länger sabbelt, fliegt raus. Schade, dass sich die Jury nicht immer an die Vereinbarung hält. Eineinhalb Minuten Aufmerksamkeit sind für mehrere hundert Euro Einreichungsgebühr denke ich zu erwarten. Daher eine Anregung: Wer kürzer schaut, fliegt raus. Das wäre ebenfalls fair.

SZ hat gesagt…

@Karnickel: Lautet "dein Deal" bei einem Fernsehspot auch wie folgt: Die Marke hat jetzt gerade 20.000 Euro für die Schaltung ihrer 30 Sekunden bezahlt. Verbraucher, die vorher weg zappen, fliegen raus?

Meine Erfahrung: Wer es mit seinem Erklärungs-Film nicht schafft, bis zur Sekunde 40 einen Spannungsbogen aufzubauen, der mein Interesse an der Idee weckt, hat meistens auch keine gute Idee gehabt.