Freitag, 13. März 2009

Winnenden. Proudly presented by XYfly.

Fassungslos verfolgt man die Berichterstattung dieser Wahnsinnstat im südlichen Deutschland. Erst recht, wenn man – wie ich – in der Nähe aufgewachsen ist. Und drei Schulkinder hat. Man verschlingt förmlich die redaktionellen Beiträge.

Mir fehlen zu diesem Ereignis die Worte und ich will es auch nicht weiter kommentieren.

Aber in diesem Zusammenhang möchte ich zu etwas anderem ein paar Worte loslassen, denn es hat mit Werbung zu tun und so passt es hier her, ohne sensationslüstern zu sein.

Ebenso fassunglos war ich nämlich, als ich gestern abend am Wiener Flughafen (in Erwartung meines Rückfluges) einige online Artikel zur Katastrophe überflog.

stern.de präsentierte unter anderem ein original Handy-Video mit dem Titel "Die letzten Sekunden des Attentäters".

Wie bei solchen redaktionellen Videos inzwischen üblich, wird ein 15 Sekünder mit Werbung vorgeschaltet. Ich glaube, man nennt die Dinger "Presenter-Spot" – oder so.

Im ersten Moment habe ich den Irrsinn gar nicht begriffen. Ich meine nicht nur den Irrsinn der Tat, sondern auch den Werbeirrsinn.

Bevor das besagte Letzte-Sekunden-Video ablief, strahlte mich zirka 15 Sekunden lang die Stewardessen-Blondine eines bekannten und großen Reiseveranstalters vor Flugzeug und vor blauem Himmel an.

Dann erst folgte die graue Fatalität des Amoklaufes. Kontrastreicher und peinlicher kann Werbung nicht sein.

In meinen Augen der totale Markenselbstmord.

Irgendwie war ich von dem eigentlichen Amoklauf so paralysiert, dass ich erst gar nicht über das vorgeschaltete Werbedesaster nachgedacht habe. Während meines Rückfluges aber kam mir die Perversität der gegensätzlichen Bilder richtig ins Bewußtsein und ich habe nach der Landung gleich noch mal nachsehen wollen, ob ich nicht eine Halluzination erlitten habe.

Die traumatische Phantasie eines alten Werbesackes.

Tatsächlich: beim nochmaligen Ansehen lief das "Letzte-Sekunden-Video" nun ohne „Stewardess“ ab.

Entweder hat einer die Peinlichkeit bemerkt. Oder ich bin total plem plem.

Ehrlich gesagt, es würde mich in unserer ziemlich moralfreien Zeit nicht wundern, wenn irgendjemand für die Kombi „Sonnenflieger präsentiert Todesschütze“ eine einleuchtende Erklärung auftischen würde.

Oder sie gar als Goldidee verkauft.

Doch da die Bilder nicht mehr zu sehen sind, muss ich in der vagen Hoffnung verbleiben, dass das leckere Wiener Schnitzel bei Plachutta im 1. Wiener Bezirk vielleicht doch etwas zuviel BSE in mein Hirn hat diffundieren lassen.

Sollte hier nicht überraschenderweise doch noch ein Entlastungs-Augenzeuge für mich auftauchen.

Kommentare:

meistermochi hat gesagt…

[...]es geben. Hass auch. Komische Welt, so what? Aber Waffen? Waffen muss es nicht[...]

Anonym hat gesagt…

also plem plem bist du nicht, denn ich hab es auch schon oft erlebt das die werbung bei solchen spots oft voll daneben sind. gutes beispiel dafür sind auch die spots bei bild-online. da gabs gestern noch tvdigital werbung vor dem amoklauf. heute ist auch der weg...

und zum thema schnitzel in wien...
das nächste mal gehst du zum figlmüller!!! das sind die besten schnitzel... da bekommt man garantiert keine halluzinationen

Andreas hat gesagt…

Laut Vermarktern solcher Werbeformen wird dafür gesorgt, dass Spots nur vor "harmlosen" Beiträgen erscheinen. - Hat in diesem Fall wohl nicht so gut gegriffen ...

Solche mehr oder weniger automatisch eingeblendete Werbung kann leicht nach Hinten losgehen. Mir sind in letzter Zeit schon öfter Sachen wie z. B. Einblendung von AdSense-Werbung für Diatprodukte neben einem Bulemie-Artikel aufgefallen ...

Mathias hat gesagt…

Jenseits der Versagens solch ein Video mit was-auch-immer-Werbung zu kombinieren. Auf den Seiten der Nachrichtenmagazine wird zur Finanzierung Werbung geschaltet. Ich besuche (und "bezahle" mit PI´s) diese Seiten um Nachrichten zu erhalten. Ein verwackeltes Video ist keine Nachricht. Bei Youtube etc hat es ebenfalls keine Relevanz, gehört aber wohl zum Zeitgeist. Ein Nachrichtenmagazin das erst im Minutentakt Falschmeldungen raushaut (z.B SpOn) und anschliessend auch noch dieses Video als Meldung streamed verliert jeglichen journalistischen Tiefgang und hat sich somit, entschuldigung, selbst ins Bein geschossen.

SZ hat gesagt…

Es ist wirklich pervers, dass die Medien erst die falschen Meldungen schnell rausposaunen und nachher die Leute an den Pranger stellen, die den Fehler (vielleicht unabsichtig und unter großem Druck) gemacht haben.

So wird aus ehemaligen Informations-Instanzen wie Spiegel Online plötzlich auch nur noch ein billiger Newshunter.

SZ hat gesagt…

@Anonym-Schnitzel: Ich hatte die Wahl zwischen Plachutta und Figlmüller. Habe mich dann für ersteren entschieden. Das Schnitzel war sensationell. Da akzeptiert man das touristische Umfeld.

Thx an unsere interne Österreich-Connection.

Anonym hat gesagt…

na hoffentlich wars kein Fritzl-Schnitzel

http://www.kurier.at/nachrichten/niederoesterreich/300380.php