Mittwoch, 11. März 2009

25 Jahre Kupfer- und Goldvorlagen.

Das neue Lürzer’s Archiv flatterte am Montag auf meinen Tisch. Die Mutter aller kreativen Showcases feiert mit der aktuellen Ausgabe sein 25jähriges Jubiläum.

Herzlichen Glückwunsch.

Gab es bis anno dazumal nur die Jahrbücher von nationalen Wettbewerben, hat der Kreative und mehrfache Agenturgründer Walter Lürzer mit seinem Lürzer’s Archiv die regelmäßige Zurschaustellung von kreativen Kampagnen hoffähig gemacht (hoffähig passt besonders gut, kommt er doch aus Österreich).

Alle zwei Monate wurden fortan die besten Kampagnen weltweit zu einem dicken Heft gemacht und mit einem Interview von einem hochrangigen Kreativen versehen. Es war in der Blütezeit des Magazines (ca. im Jahre 2 v.O. = zwei vor Online) wie eine vorweggenommene Medaille, wenn man mit seiner Kampagne im Lürzer’s abgebildet war.

Ab und an konnte man auch amüsiert feststellen, von wem die ein oder andere neue Kampagne abgekupfert wurde, die gerade mit großem Getöse in Deutschland an den Start ging.

Durch die mittlerweile große (und häufig kostenlose) online Konkurrenz mag Lürzer’s Archiv nicht mehr der Nabel der kreativen Welt sein, ich empfinde aber nach wie vor hohe Sympathie für die Editorials von Walter Lürzer und das Bestreben von Chefredakteur Michael Weinzettl und seinem Team, wirklich gutes Zeug zu einem visuell ansprechenden Magazin zu bauen.

Leider bin ich bis heute nicht hinter das System gekommen, mit dem die jeweiligen Arbeiten ausgewählt werden und habe auch immer wieder das Gefühl, das eine Parteilichkeit für gewisse Agenturen vorhanden ist.

Nichtsdestotrotz schaue ich bis heute immer noch neugierig rein und freue mich auf die nächste Ausgabe, denn man wird stetig inspiriert. Oder gewinnt interessante Erkenntnisse.

Zwei Erkenntnisse brachte mir das neue Heft.

Erstens, dass Jung von Matt eine Kreativoffensive auf Mercedes gestartet hat, wohl um endlich zu beweisen, dass das, was in den Zeitschriften seit Wochen zu sehen ist, nicht der kreative Anspruch der Agentur ist.

Gleich drei Mercedes Kampagnen plus eine vom JvM-Ableger LLR zeigen der Szene, dass die Jungs auch anders können. Die Kampagnen selbst wird man wohl kaum ausserhalb von Showcases zu Gesicht bekommen, aber es sind gute Ideen dabei.

Zweitens das etwas lächherlich anmutende Ansinnen von gleich drei deutschen Großagenturen-Ablegern, nämlich JWT, Publicis und McCann, kreative Highlights zu schaffen (siehe unten).

Wir können drei Kampagnen für die „Kunden“ Funslippers (FlipFlops), Roßkopf (Gärtnereien) und 360 Grad (Umhängetaschen) begutachten.

Ganz abgesehen von den wenig begeisternden Ideen dieser Kampagnen (und da frage ich mich wieder einmal, wie das Bewertungs-System bei Lürzer’s funktioniert) bekommt man einen echten Lachanfall bei dem Gedanken, dass auch die letzten Agenturdampfer nun begriffen zu haben scheinen, dass man Fakes produzieren muss, um Medaillen zu gewinnen.

Nicht ahnend, dass die Gegenbewegung längst begonnen hat.




Motiv für Roßkopf von JWT.



Motiv für funslippers.de für Publicis.



Motiv für 360Grad von McCann.

Auch der letzte große Agenturdampfer meint begriffen zu haben,

dass man mit Fakes für seine "Großkunden" zu kreativen Ehren kommt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das sind mit die drei beschissensten Goldideen, die ich je gesehen habe!

Anonym hat gesagt…

ich betrachte das archive immer aus zwei perspektiven.

zum einen erfreue ich mich an coolen looks und layouts.

zum anderen muß ich aber fast auf jeder seite feststellen das leider nichts davon real ist. es gibt auch mal irrläufer die man auch aus dem alltag kennt aber die breite masse ist eigentlich erstunken und erlogen :-)))

und dann gibt es noch die idee. diese steht eigentlich dazwischen. denn...

...manche sachen sind so zusammengeschustert und einfach nur geil aussehen.
... manche ideen kommen aus kulturkreisen die man nicht nachvollziehen kann, aber geil aussehen.
... manche sachen sehen einfach nur geil aus aber entziehen sich jeglicher großartigen idee.

auch deine beispiele ... das ist doch totaler mist.
da gibt es viel bessere sachen.

das lürzers als non plus ultra anzusehen in sachen das ist gerade das beste vom besten und nicht anders sehe ich nicht. es ist ein schöner input zu sehen was andere machen, was geht, was man machen kann, aber sonst...

Sebastian hat gesagt…

ich hab mein lürzer-abo vor langer zeit gekündigt. es gibt eben einfach viel zu viele internetseiten, die genau das gleiche liefern. nur eben umsonst. und wesentlich schneller.

das hatte lürzer mit seinem online-archiv eigentlich auch schon lang, aber sie haben ja leider irgendwann den fehler gemacht, dafür geld zu verlangen anstatt es mit werbung zu finanzieren.

so ist das gedruckte lürzer einfach nur veraltet. die sachen da drin hat man online schon vor wochen gesehen. und seiten wie creativity und boardmag bieten die viel bessere auswahl an arbeiten.

Anonym hat gesagt…

Alter. Was sind denn das für Kampagnen? Gute Nacht.

Anonym hat gesagt…

Einfach nur lächerlich. Die müssen sich doch selber ein wenig behindert vorkommen.

Anonym hat gesagt…

Einfach nur lächerlich. Die müssen sich doch selber ein wenig behindert vorkommen.

Anonym hat gesagt…

vielleicht sollten ja die angefügten beispiele mal zeigen welche scheiße so ins lürzers kommt.
anscheinend reicht es dem lürzers post aus brasilien zu bekommen. egal was drin ist, es wird gedruckt.

Anonym hat gesagt…

Katastrophe.

SZ hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
SZ hat gesagt…

In der Tat, bei nochmaligem Betrachten der drei besagten Kampagnen muss man sich fragen, welchen Qualitätsfilter das LA-Team hier wohl angewendet hat.

Frankfurter Solidarität zum 25jährigen?

So untergräbt man kontinuierlich seinen eigenen Qualitätsanspruch und seine kreative Akzeptanz.