Donnerstag, 11. Dezember 2008

Tag eins nach der Weihnachtsfeier.

Gestern war sie. Schön war sie. Hoch oben war sie. Lang war sie. Und am Ende des Abends bzw. zu Beginn des Morgens sollen auch noch ein paar Körperflüssigkeiten ausgetauscht worden sein.

Auf unserer Agentur-Weihnachtsfeier.

Kein Tag in einer Agentur ist unproduktiver als der Tag nach der Weihnachtsfeier, wahrscheinlich wird sogar am Wochenende (selbst wenn man gar nicht in der Agentur ist) mehr und effektiver kreativ gedacht als am Tag nach der X-mas Party.

Und das muss auch genau so sein.

Weihnachtsfeiern in Agenturen unterliegen einem gewissen Mythos. Auch Kunden stellen sich da manchmal die wildesten Orgien vor. Das ist eine Fehleinschätzung. Die meisten Agenturleute wollen nach einem harten Jahr und sehr viel Denkarbeit einfach nur ausgelassen zusammen sein und mit den Kollegen einen drauf machen.

Je größer eine Agentur, desto höher der Organisations- und Kostenaufwand. Und weil man eine Kreativagentur ist, muss natürlich auch die Weihnachstfeier kreativ sein.

Muss sie?

Für die Feier des Jahres werden Organisations-Komitees gebildet, die unter dem Druck stehen, die Weihnachtsfeier vom letzten Jahr noch übertreffen zu müssen (wenn sie toll war). Oder es nicht noch schlimmer werden zu lassen (wenn sie mies war).

Dabei ist die Stimmung einer Weihnachtsfeier gar nicht so sehr abhängig vom Rahmen. Die Partystimmung ist immer ein Spiegel der Agentur-Gesamtstimmung. Das Programm kann noch so gigantisch sein, wenn die Leute sich nicht ab können, wird es keine geile Fete.

Andersherum reichen manchmal ein paar Bierbänke und gute Musik – und schon geht es ab.

Weihnachtsfeiern leiden unter ähnlichen Symptomen wie Weihnachtskarten: zu viel Motto, zu viel Aktion, zu viel Verbesonderung und man erreicht das Gegenteil von ausgelassener Stimmung.

Die meisten Weihnachtsfeiern haben mit Weihnachten nicht mehr viel zu tun, deshalb müsste man sie eigentlich Jahresendfeier nennen. Ich finde das irgendwie schade.

Aber was laber ich hier eigentlich rum, mir reicht es, dass unsere Feier gestern mal wieder richtig klasse war (und ich gehöre nun bestimmt nicht zu den Typen, die eine Party zum Kochen bringen können – eher das Gegenteil).

Zum Schluß nur noch dies: Wenn ich erfahre, dass Agenturen wegen des bevor stehenden Krisenjahres ihre Weihnachtsfeier einsparen, dafür aber in den vergangenen 365 Tage zwischen 300.000 und 1 Million Euro für Awards und Fakeproduktion ausgegeben haben (und das teilweise für den letzten Kreativkäse), dann bekomme ich Kopfschmerzen.

Aber die hab ich seit dem ersten Augenaufschlag heute morgen ja sowieso schon.

Tipp 72: Will man die Stimmung in einer Agentur ergründen, muss man nur in Erfahrung bringen, wie ihre letzte Weihnachtsfeier war.


video

Alle Vorurteile von Agentur-Weihnachtsfeiern werden in diesem Video wieder einmal bestätigt.

Du erfährst exklusiv intime Details von unserer gestrigen Weihnachtsfeier. Und du siehst, wer es bei uns mit wem getrieben hat.

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